Autopilot


Am Anfang der Autopilotentwicklung bei Siemens stehen die Patente des österreichischen Marinefliegers Johann Maria Boykow. Er hatte eine Firma Boykow Kreiselgeräte gegründet und sich mit der Entwicklung von automatischen Flugzeugsteuerungen befaßt. Durch seine persönliche Freundschaft mit Kapitän z.S. Altvater, einem Abteilungsleiter der "Siemens-Maschinenbau und Apparate GmbH" (SAM) kam es zu einer Verbindung zwischen Boykow und der SAM.

LGW DoppelkreiselSiemens & Halske kaufte die Patente von Boykow und begann nach 1930 mit einer Weiterentwicklung dieser Boykowschen automatischen Flugzeugsteuerung. Die Boykow'schen Steuerungen waren Dreiachsensteuerungen und hatten bei Siemens den Kennbuchstaben "D" und eine römische Ziffer, die die jeweilige Variante angab. Gebaut wurden die Versionen DI, DII und DIII sowie später die moderne Autopilotanlage DK12.

SIEMENS RudermaschineDiese Steuerungen arbeiteten sämtlich mit hydraulischen Rudermaschinen. Basierend auf den Elementen der Kurssteuerung K12 konnte hieraus ein moderner Dreiachsen-Autopilot DK12 gebaut werden. Mit automatischer Höhenaufschaltung waren hier auch vollautomatische Blindlandungen möglich.

Im Laufe dieser Entwicklungsarbeiten entstand der Ausdruck "Autopilot", der 1937 als Warenzeichen für die Siemens& Halske AG eingetragen wurde.

Parallel zu der Weiterentwicklung der Boykowschen Steuerungen entwickelte Siemens & Halske (genauer der Teilbetrieb SAM) sog. Kurssteuerungen nach eigenen Konstruktionsprinzipien. Sie dienten nur der Steuerung der Flugzeuge in Bezug auf die Richtung des Flugweges. Sie erhielten den Kennbuchstaben "K".

In Serie wurden gebaut die Steuerungen :

K4 : Ursprungsmodell. Kursvorgabe über magnetischen Fernkompaß, elektrohydraulische Rudermaschine. Ansteuerung des Hydraulikservoventiles der Rudermaschine über Drehmagneten und Differentialgestänge. 250 Anlagen wurden gebaut.

K4ü : überarbeitete K4-Steuerung. Kursvorgabe über Kurskreisel LKu4 mit aufgeschaltetem magnetischen Fernkompaß zur Nordorientierung, elektrohydraulische Rudermaschine. Ansteuerung des Hydraulikservoventiles der Rudermaschine über Drehmagneten und Differentialgestänge. 6000 Anlagen und zahlreiche Untervarianten wurden gebaut.

K 4ü K 4ü

K 12K12 : überarbeitete K4ü Steuerung mit elektromagnetischem Mischverstärker und Dämpfungskreisel neben Kurskreisel und Patinkompaß statt Differentialgestänge mit Drehmagnetansteuerung. Stückzahlen K12 ca. 50.000 Exemplare von 1936 bis 1944.

K21 / 22 : (K21 war Vorserienvariante, K22 die Großserienausführung), auch als erste "Jägersteuerung" bezeichnet. Verwendung des sog. Marggrafkreisel (Integrationskreisel) statt der bisherigen Kreiselkonstruktionen.

K23 : "Jägersteuerung". Marggrafkreisel mit Impulssteuerung der vollelektrischen Rudermaschine (GS-Nebenschlußmotor) über ITA-Regler mit polarisiertem Relais. Serienmäßiges Fliegen "fly by wire" ab 1945. Von dem Kurskreisel LKu4, der in den o.g. Kurssteuerungen und auch Autopilotanlagen verwendet wurde, wurden von Siemens-LGW in Summe 100.000 Exemplare gebaut.


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* Dipl.-Ing. Volker Leiste & Dr. A. Baier; last update: Montag, 02. Dezember 2002 14:17