Geologische Blätter für NordostbayernGeoZentrum NordbayernDer Druidenhain bei Wohlmannsgesees/Oberfranken

Eine vermutete Kultstätte unter dem Aspekt

klufttektonischer und bodenkundlicher Untersuchungen

Kurzfassung von:

BAIER, A. & HOCHSIEDER, Th. (1990): Der Druidenhain bei Wohlmannsgesees/Oberfranken -- Eine vermutete Kultstätte unter dem Aspekt klufttektonischer und bodenkundlicher Untersuchungen.- Geol. Bl. NO-Bayern 40, 1/2: 35-72, 15 Abb., Erlangen 1990.


Das Felslabyrinth des "Druidenhain" befindet sich in einem Fichten- und Buchenwaldstück 550 m südsüdwestlich von Wohlmannsgesees/Lkr. Forchheim. In diesem am Höhenwanderweg von Streitberg über die Burgruine Neideck nach Burggaillenreuth gelegenen Naturdenkmal finden sich auf einer Fläche von 200 x 250 m generell herzynisch streichende Dolomitblöcke mit zum Teil beträchtlichen Ausmaßen.

Südwest-Teil des Druidenhains

Die geometrische Anordnung der Felsblöcke und die zuweilen zu beobachtenden Strudellöcher ließen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Vermutung aufkommen, daß "in heidnischen Zeiten hier Opfer gebracht wurden" (Gemeindeakten von Wohlmannsgesees 1863, zit. in ROGGENKAMP 1986).

Strudelloch ("Opferkessel") im Druidenhain

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befaßte sich der Bürgermeister von Wohlmannsgesees, Georg RICHTER, mit dem Druidenhain und kam nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit diesen Felsanordnungen zu dem Schluß, hier eine vorgeschichtliche Kult- und Sonnenbeobachtungsstätte aufgefunden zu haben.

ursprüngliche Planaufnahme des "Druidenhains" bei Wohlmannsgesees/Ofr.

Im Anschluß daran untersuchten MACHALETT (1986) und ROGGENKAMP (1986) dieses Gebiet. MACHALETT sieht in umfangreichen Teilen des Druidenhains und Felsgebilden in der weiteren Umgebung Reste von Kultanlagen der Megalithzeit; bei ROGGENKAMP finden sich, neben einer Beschreibung der -- seiner Ansicht nach -- anthropogen bearbeiteten oder ausgerichteten Felsblöcke, auch Berechnungen, welche die astronomischen oder geodätischen Zielobjekte dieses vermuteten Beobachtungssystems rekonstruieren sollen.

"Sternstein" im Druidenhain

Der Name "Druidenhain" erscheint erstmalig in BRÜCKNER´s Wanderführer "Die fränkische Schweiz und ihr Vorland", 3. Aufl. von 1912, während in den vorausgegangenen Auflagen der "Druidenhain" noch nicht erwähnt wird. In diesem Buch tritt noch der alte Flurname "Esbach" für das Waldstück des heutigen Druidenhains auf; das Felslabyrinth selbst wird jedoch nach Angaben von BRÜCKNER im Volksmund "Druidenhain" genannt.

Erwähung des Druidenhains in BRÜCKNERS Wanderführer (1912)

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, geologisch/tektonische Aspekte der Genese des Druidenhain-Felslabyrinths zu klären und eventuell anthropogen veränderte Gesteinspartien herauszufinden. Die Grundlage dieser Arbeiten war die geodätische Neuvermessung der wichtigsten Partien des Druidenhains durch die Verfasser, da sich die von RICHTER und MACHALETT erstellte Kartenskizze (in ROGGENKAMP 1986) als zu ungenau erwies.

Die geographische Position des Druidenhains inmitten der bronze-, hallstatt- und latenezeitlichen Geländedenkmäler dieses Raumes läßt die Vermutung einer vorgeschichtlichen kultischen Nutzung dieses Ortes auf den ersten Blick nicht als unbedingt abwegig erscheinen. Hingegen treten neolithische, mit der nordischen Megalithkultur sensu SCHWANTES (1939) in etwa zeitgleiche Zeugnisse in diesem Gebiet eher spärlich auf.

vorgeschichtliche Geländedenkmäler im Raume Forchheim - Beringersmühle

Wohl ab der frühen Hallstattzeit (ca. 750 v. Chr.) ab besiedelten die Kelten unser Gebiet. Die Bauern und Krieger dieses Volkes kultivierten nach fast schon modern anmutenden Methoden das Land und bauten auf den Dolomitkuppen der Alb beeindruckende Höhenfestungen. In der Spätlatènezeit war eine zunehmende Bedrohung der Bevölkerung durch Kriegsereignisse zu verzeichnen. Das Ende der keltischen Besiedlung Oberfrankens erfolgte etwa um die Zeitenwende durch Eroberungen elbgermanischer Stämme. Die Weiterverwendung einiger keltischer Keramikformen und Zierelemente in der Folgezeit sowie das bis in die heutige Zeit festzustellende Weiterleben keltischer und vorkeltischer Fluß- und teilweise Ortsnamen beweisen, daß die verbliebene keltische Restbevölkerung nicht vertrieben oder ausgerottet, sondern allmählich germanisiert wurde; hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß der ethnische Unterschied zwischen Kelten und Germanen ohnehin gering war.

Das Gebiet des Druidenhains liegt im Raum der "Nordfränkischen Kuppelalb", welche den Zentralteil des Nördlichen Frankenjuras darstellt. Großtektonisch entspricht der Nördliche Frankenjura in seiner Gesamtheit einer ausgedehnten, flachen, herzynisch streichenden Mulde.

Die Hochfläche der Alb gehört dem Landschaftstyp des bedeckten Karsts an; petrographisch besteht sie aus Dolomitkuppen und dazwischengelagerten, mit Lehmen und Sanden erfüllten Wannen.

Kegelkarst

Stratigraphisch sind die dolomitisierten Riff-Gesteine in der Umgebung des Druidenhains etwa in den Malm delta bis epsilon zu stellen, obwohl bemerkt werden muß, daß einer Dolomitstratigraphie nur unter großen Vorbehalten begegnet werden darf .

Bereits Ende Malm bis Oberturon entstand ein Karstrelief mit Kesseltälern und Dolinen; hierbei bildete sich ein großer Teil der heute sichtbaren Karsterscheinungen, so die großen Kesseltäler in der Umgebung von Burggaillenreuth. Diese Karstlandschaft wurde vom Oberturon ab mit mächtigen Sand- und Tonsedimenten bedeckt. An der Wende Pliozän/Pleistozän erfolgte eine erneute Freilegung des alten, unterkretazischen Reliefs und weitere Erosion. Die Entstehung der ausgedehnten Dolomitblockfelder fällt in die Periglazialzeit.

Frankenalbfurche

Das Gebiet des Druidenhains liegt am W-Rand der Frankenalbfurche, welche herzynisches Streichen aufweist. Die Frankenalb-Furche dürfte bereits Ende des Mittleren Keuper embryonal vorhanden gewesen sein, sicherlich jedoch während des Oberen Jura. Die herzynisch streichenden Achsen dieses Gebietes wurden im weiteren Bereich von einer flach erzgebirgisch streichenden Querstruktur, dem Ailsbacher Sattel, überlagert; dieser trennt die Hollfelder Mulde im NW von der Veldensteiner Mulde im SE, an deren NW-Rand der Druidenhain liegt. Die Zerklüftung im Frankenjura dürfte bereits im Präcenoman erfolgt sein.

3D-der Frankenalbfurche im Nördlichen Frankenjura zwischen Nürnberg und Lichtenfels Ausbildung des Kluftflächengefüges am Beispiel der Frankenalbfurche

Die Dogger/Malm-Grenze liegt im Gebiet des Druidenhains bei +315 m NN. Generell herrscht steilherzynisches bis eggisches Streichen der Schichten vor (ca. 140° bis 160°) mit sanftem Einfallen von durchschnittlich 0,75° nach ENE.

Zur klufttektonischen Untersuchung des Druidenhains von den Verfassem zunächst eine geodätische Neuaufnahme dieses Gebietes vorgenommen. Im hierbei erstellten Plan des Druidenhains wurden auch die bei ROGGENKAMP (1986) angegebenen, von ihm und anderen Autoren vermuteten Kultsteine und -plätze mit angeführt.

Plan des "Druidenhains"

Im Bereich des Druidenhains wurden insgesamt 610 Kluftflächen aufgenommen sowie in den verschiedenen Felsaufschlüssen der Umgebung weitere 375 Messungen vorgenommen. Die Mehrzahl der Klüfte verläuft parallel zur herzynisch streichenden Frankenalb-Furche, wobei ausgeprägte Maxima bei 120° und 135° auftreten. Senkrecht hierzu steht eine Kluftschar mit etwas weniger deutlich ausgeprägten Maxima bei 21°, 25° und 30°. Überlagert wird dieses Hauptkluftsystem von einem sehr schwach ausgebildeten zweiten Trennflächensystem mit Streichwerten von 90° und 175°. Die meist steile Lagerung der Kluftflächen im Druidenhain kommt deutlich zum Ausdruck. Auch hier können, analog zu den klufttektonischen Untersuchungen der benachbarten Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth (POLL 1972), paarig entwickelte Kluftscharen beobachtet werden.

Nach der statistischen Auswertung aller im Druidenhain aufgenommenen Kluftdaten lag ein weiteres Bestreben der Berichterstatter im Vergleich zwischen Maximumflächen der angetroffenen Klüfte und den Begrenzungsflächen der vermuteten Kultfelsen. Ziel dieser Arbeit war es, hierdurch eventuell anthropogen veränderte Felspartien herauszufinden.

Die Begrenzungsflächen des sogenannten "Schüsselsteins" folgen erzgebirgisch und herzynisch streichenden Kluftflächen. Die westliche Fläche dieses Felsquaders mit einem Streichen von 180° verdankt ihre Genese der zum zweiten Kluftsystem gehörenden, in etwa rheinisch streichenden Kluftschar.

Einer der auffälligsten Felsrippen im Druidenhain, der sogenannte "Taufstein" weist an seiner Längsseite ein Streichen von 145° auf; unterbrochen wird er von Querflächen mit Streichwerten von 40° bis 45°, wobei hier die Abhängigkeit vom Hauptkluftsystem besonders deutlich hervortritt. Das in diesem Stein enthaltene sogenannte Sonnwendloch zeigt als Linear ein Streichen von 60° mit Einfallen von 3° nach NE, so daß auch hier die Orientierung nach einer erzgebirgisch streichenden Inhomogenitätsfläche im Gestein zu beobachten ist.

"Taufstein" im Druidenhain

Die Begrenzungsflächen des sogenannten "Winkelsteins" folgen flach- und steil erzgebirgisch streichenden Kanten; senkrecht hierzu stehen Kluftflächen mit Werten von 130° und 145°.

Druidenhain: Blick auf das "Grab"

Als ein weiteres, sehr auffälliges Felsgebilde präsentiert sich das sogenannte "Grab": Die aus dem Waldboden hervorstehenden Felsrippen zeigen ein Längsstreichen von 130° und werden von erzgebirgisch verlaufenden Querflächen unterbrochen. Der in Form eines Dreieckes ausgebildete Stein am NW-Rand des sogenannten "Grabes" verdankt seine Entstehung flach- und steilherzynisch sowie erzgebirgisch streichenden Trennflächen.

"Grab" im Druidenhain

Aus dem im Druidenhain festgestellten Kluftsystemen fällt ein Gebilde aus drei senkrecht zueinander stehenden Felsrippen (in Form eines "U") heraus, welches sich 10 m südöstlich des sogenannten "Sternsteines" befindet. Hier wäre - ungeachtet der Ergebnisse der Bohrungen - die Möglichkeit einer anthropogenen Veränderung dieser Gesteinspartien gegeben.

Die Übereinstimmung zwischen Klufttektonik, Karsterscheinungen und dem regionalen tektonischen Baustil konnte bereits POLL (1972) für das benachbarte Gebiet um die Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth nachweisen. Vergleichbare Beziehungen bestehen auch in der Umgebung des Druidenhains. Die Kluftmessungen im Druidenhain selbst sowie in den Aufschlüssen der Umgebung korrelieren gut mit dem großtektonischen Bau, welcher von der generell herzynisch streichenden Frankenalb-Furche geprägt wird.

"Altar" im Druidenhain

Das hierzu gehörige Hauptkluftsystem mit Streichwerten von 120° bis 135° sowie die senkrecht dazu stehende Schar mit Werten um 30° verdeutlicht die natürliche Entstehung des sogenannten "Labyrinths" im Druidenhain. Beim zweiten Kluftsystem (mit Streichwerten von 0° und 90°) deutet POLL (1972) die rheinisch streichende Kluftschar dieses Systems als 0kl-Flächen in Bezug auf das übergeordnete System der Frankenalb-Furche. Das Hauptkluftsystem sowie das dieses überlagernde zweite Trennflächengefüge verursachten die natürliche Entstehung der sogenannten "Visiersteine", deren sicherlich auffällige Ausrichtung nach N bzw. NE die Vermutung einer anthropogenen Ausrichtung dieser Gesteinsblöcke aufkommen ließ.

"Labyrinth" im Druidenhain

Aufgrund der vielen Vermutungen einer anthropogenen Nutzung des Druidenhains wurden Bodenuntersuchungen durchgeführt. Hierzu erfolgten 30 Handbohrungen von 1 m Teufe an besonders markanten Stellen, wie dem sogenannten "Taufstein", dem "Sternstein", dem "Opferstein" und dem "vermutlichen Thingplatz".

Bodenschichten beim "Taufstein"

In den Bohrungen wurden i.d.R. die folgenden Bodenbildungen angetroffen: An der Erdoberfläche tritt eine meist schwarzbraune, lockere Schicht Waldhumus von selten mehr als 10 cm Stärke auf. Diese Schicht geht meist ohne Übergang in einen hellbraunen, relativ lockeren, homogenen, fetten Lehm über, in welchem vereinzelt dunkle organische Reste eingestreut sind. Die Mächfigkeit dieses Horizontes schwankt im Bereich von wenigen Zentimetern bis zu fast einem Meter. Darunter folgt meist eine ca. 10 cm starke Schicht hellbrauner Lehm mit dunklen, organischen Anteilen; hierunter steht oft eine Lage aus dunkelrotbraunen, fetten Lehm an. Im Liegenden tritt feinkörnige, hellockerfarbene Dolomitasche auf, welche schließlich in anstehenden Dolomit übergeht.

An keiner Stelle im Druidenhain konnten im Boden Hinweise auf menschliche Spuren aus vor- oder frühgeschichtlicher Zeit gefunden werden.

Nürnberger Nachrichten; 14.03.1980

Der Druidenhain fügt sich mit seinem Kluftsystem zwanglos in das fränkische Kluftsystem ein. Der großtektonische Bau wird im wesentlichen von der herzynisch streichenden Frankenalb-Furche sowie hierzu parallel verlaufenden Verwerfungen bestimmt. Überlagert wird das dadurch entstandene Kluftsystem mit erzgebirgisch und herzynisch verlaufenden Maximumflächen durch ein zweites, generell N-S und E-W streichendes Trennflächengefüge. Dieser klufttektonischen Vorzeichnung des Gebirges verdankt das Felslabyrinth des Druidenhains seine Entstehung.

Bei der Untersuchung der Felsgebilde des Druidenhains konnten an einigen Stellen, so an der SW-Seite des Felsens südlich des kleinen Parkplatzes stark verwitterte Sintervorhänge beobachten werden; die Interpretationsmöglichkeit zumindest einiger Teilbereiche des Druidenhains als zusammengestürztes ehemaliges Höhlensystem scheint somit gegeben. Weiterhin ist eine teilweise Nutzung dieses Felsenlabyrinths, vor allem in seinen westlichen Randbereichen, als mittelalterlicher Steinbruch denkbar. Die natürlichen Trenngefüge im Gestein könnten hier die Entnahme von Dolomitquadern ermöglicht haben.

Nordbayerischer Kurier; 26./27.11.1994

Die erste schriftliche Erwähnung des "Druidenhains" erschien erst bei BRÜCKNER (1912), wobei dieser Autor jedoch angab, daß die Namensgebung im Volksmund bereits seit längerem geläufig ist. Die Fragestellung, ob dies auf romantische Bestrebungen des 18. und 19. Jahrhunderts zurückgehen mag, oder ob durch Bevölkerungskontinuität bewahrte Erinnerungen über das Felslabyrinth zu dieser Namensgebung geführt haben, läßt sich im Rahmen dieser Arbeit abschließend nicht beantworten.

Nürnberger Nachrichten; 07.05.1996

Zur Klärung des Namens "Druidenhain" mag vielleicht eine bei SIEGHARDT (1925) angeführte, geschichtlich allerdings nicht einwandfrei erwiesene Episode beitragen: Am 1. Mai 1339 soll der Raubritter Eppelein von Gailingen (* ca. 1300, + 1381), welcher besonders aufgrund seiner ausdauernden Fehde mit der ehemaligen Freien Reichstadt Nümberg eine gewisse Berühmtheit erlangte, zwanzig Freunde zu geheimen Beratungen auf seine Burg in Trainmeusel eingeladen haben. Hier wollte man einen Bund gegen den aus Italien zurückkehrenden Kaiser Ludwig den Bayern, welcher gegen die Raubritter vorzugehen beabsichtigte, gründen. Nach einem ausgiebigen Zechgelage - so berichtet die Sage - begab sich die Gruppe um Eppelein, darunter auch Dietrich von Wiesenthau und ein Nürnberger Jude namens Jäcklein, zu Mitternacht in den nahegelegenen Druidenhain, um sich dort bei Fackelschein durch Treueschwur zu einem "Bund der Zwanzig" zu vereinen und so gegenüber den Reichsstädten die überlieferten Rechte zu wahren. Ein Bauer aus Wohlmannsgesees, welcher sich zu dieser Zeit auf dem Heimweg befand und am Druidenhain vorbeiging, sah das gespenstische Geschehen. Der Bauer soll entsetzt in das Dorf hinunter gelaufen und dort den erschauernden Einwohnern erzählt haben, daß "die Hexen im Druidenhain ein nächtliches Bankett abhielten, bei Kinderfleisch und Menschenblut".

Sollte diese Sage in etwa tatsächlich stattgefundenen Ereignissen entsprechen, wäre somit eine mögliche Erklärung des Volksglaubens an eine "mystische Stätte" gegeben; auch die Namensgebung im Sinne eines "Hexenhains" ist hiermit erklärbar. Das Wort "Drude" wird vom Althochdeutschen über das Spätmittelhochdeutsche und das ältere Neuhochdeutsche stets mit "D" geschrieben und im Sinne von "Hexe, liederliche Frau" empfunden.

Fränkischer Tag; 31.12.1993

Die Nutzung des heutigen "Druidenhain" als Kultstätte in vorgeschichtlicher Zeit ist lediglich vom theoretischen Standpunkt aus denkbar, wobei jedoch die natürliche Genese des Felslabyrinths als bewiesen gelten muß. Die kultische Nutzung zwar natürlich entstandener, jedoch besonders prägnanter Geländedenkmäler durch den vorgeschichtlichen Menschen ist gerade in Süddeutschland durchaus belegt. Die Vorstellung, daß die schamanistisch geprägte Priesterschaft der keltischen Druiden, eine naturreligiös orientierte Glaubenskaste mit der Fähigkeit der psychischen Beeinflussung und Suggestion, diese oder ähnliche Naturdenkmäler als Kulisse ihrer mythischen Handlungen gebrauchte, scheint zumindest hypothetisch nachvollziehbar. Noch 452 n. Chr. wurde durch das Concilium von Arles jede Verehrung von Gegenständen, so von Bäumen und Quellen, untersagt und das Anbeten von Steinen verboten.

Sowohl herausragende Berggipfel wie erratische Felsblöcke und sonstige imposante Geländegegebenheiten bildeten seit jeher für die Menschen prägnante Orientierungs- und Anziehungspunkte. Als Orte von ungewöhnlicher Bedeutung sind sie geradezu prädestiniert, als Kult- und Opferplätze zu dienen und somit eine besondere Verehrung zu erfahren (DANNHEIMER & GEBHARD 1993). In einen solchen Zusammenhang stehen vielleicht die winzigen Scherbenfragmente, welche auf der Plattform des Rabenfels bei Neuhaus/Krottensee beobachtet wurden.

Rabenfels bei Krottensee

Eine Überlieferung der Namensgebung, bzw. der Erinnerung an kultische Ereignisse ist -- vom theoretischen Standpunkt -- für den "Druidenhain" durchaus denkbar. So führt REISER (1984) als hervorragendes Beispiel eines offenbar durch Bevölkerungskontinuität bewahrten Wissens die Jungfernhöhle bei Tiefenellern östlich von Bamberg an. Am Vorplatz dieser Schachthöhle fielen -- wahrscheinlich zur Zeit der bandkeramischen Kultur -- mindestens 37 Mädchen und junge Frauen einem barbarischen Ritual, verbunden mit Anthropophagie, zum Opfer. Sämtlichen menschlichen Kiefern waren die Vorderzähne gewaltsam herausgebrochen, den Knochen und Schädeln Mark und Hirn entnommen worden. Die Reste dieser offensichtlichen Kultmahlzeiten wurden zusammen mit dem hierbei benutzen Geschirr in die Schachthöhle geworfen.

Jungfernhöhle bei Tiefenellern

Die von der dort ansässigen Bevölkerung bis zur heutigen Zeit überlieferte Sage, daß in der Umgebung der Jungfernhöhle einsame Heimkehrer nachts von kopflosen Jungfrauen belästigt werden (HERRMANN 1980), sowie ähnliche Legenden, die im Zusammenhang mit dieser Höhle immer von enthaupteten jungen Frauen erzählen, scheinen neben dem Höhlennamen darauf hinzudeuten, daß das Wissen um die Geschehnisse in der Höhle über 6000 Jahre bewahrt wurde (REISER 1984).

Die abschließende Beurteilung des "Druidenhains" im Sinne einer vorgeschichtlichen Kultstätte oder eines erst in jüngerer Zeit entstandenen touristischen Schauplatzes kann nur durch eine umfangreiche Grabung erfolgen. In der Zwischenzeit mögen künftige Spezialstudien weiter zur Klärung dieser Problematik beitragen.

Nürnberger Nachrichten; 11./12.10.1997

Die Welt; 24.01.2000 Nürnberger Nachrichten; 14./15.06.2003


Literaturverzeichnis:

BAIER, A. & HOCHSIEDER, Th. (1990): Der Druidenhain bei Wohlmannsgesees/Oberfranken -- Eine vermutete Kultstätte unter dem Aspekt klufttektonischer und bodenkundlicher Untersuchungen.- Geol. Bl. NO-Bayern 40, 1/2: 35-72, 15 Abb., Erlangen 1990.

BAIER, A. (2003): Hydrogeologie Frankens: Heilwässer, Wasserstollen und Karstquellen.- Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F. 85: 95-167, 22 Abb., 1 Tab., Stuttgart 2003.

BRÜCKNER, K. (1912): Die Fränkische Schweiz und ihr Vorland. - 3. Aufl.. 254 S.; Wunsiedel (Kohler).

[DANNHEIMER, H. & GEBHARD, R.] (1993): Das keltische Jahrtausend.- 400 S., 216 Abb., 520 Bild., Tab., Kte., Mainz [Ph. v. Zabern).

HERRMANN, F. (1980): Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz. - 167 S.; Regensburg (Pustet).

MACHALETT, W. (1986): Der Druidenhain bei Wohlmannsgesees und seine Beziehung zur Megalithkultur des Abendlandes. - in: Druidenhain und Extemsteine bei Wohlmannsgesees (Neuauflage): 3-6; Wohlmannsgesees.

POLL, K.G. (1972): Die Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth und ihre Beziehung zum fränkischen Höhlen- und Kluftsystem. - Erlanger Forsch. (B), 5: 63-76; Erlangen.

REISER, R. (1984): Die Kelten in Bayern. - 192 S.; Rosenheim (Rosenheimer).

ROGGENKAMP, H. (1986): Der Druidenhain bei Wohlmannsgesees/Krs. Ebermannstadt/Ofr. - in: Druidenhain und Externsteine bei Wohlmannsgeseees (Neuauflage): 7-15; Wohlmannsgesees.

SCHWANTES, G. (1939): Die Vorgeschichte Schleswig-Holsteins (Stein- und Bronzezeit). In: PAULS, V. & SCHEEL, O.: Geschichte Schleswig-Holsteins, 1: 1-589, Neumünster Wachholtz).

SIEGHARDT, A. (1925): Im Bannkreis der Wiesent. - Kultur-, Geschichts- und Landschaftsbilder aus der fränkischen Schweiz, 2: 141 S.; Nürnberg (Koch).


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*Dr. A. Baier; last update: Dienstag, 03. Mai 2016 19:19