Die "Steinerne Rinne" am Berg südlich Erasbach/Opf.

Zur Definition des Begriffes "Kalktuff"


Alle Quellkalktypen haben wegen ihrer leichten Verwendbarkeit als Baumaterial schon früh die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen. Im bergfeuchten Zustand ist Kalktuff ein wenig festes, zerreibbares und löchriges Gestein. Es entsteht unter Mitwirkung assimilierender Pflanzen und/oder verrottender Tier- und Pflanzenreste. Im Gegensatz hierzu tritt Kalksinter als lückenloses, aus Karbonatkristallen aufgebautes Gestein nur dort auf, wo assimilierende Pflanzen fehlen (BÖGLI 1978).

Kalktuffe entstanden also unter Beteiligung von Algen und Moosen, während die Genese von Kalksintern abiogen als rein chemisch/physikalische Kalkfällung aus karbonathaltigen Wässern zu verstehen ist.

Kalktuff Kalksinter

Der Begriff "Tuff" wurde aus dem lateinischen "tofus" abgeleitet und steht sowohl für poröse, bröcklige Süßwasserkalke als auch für vulkanische Tuffe (STIRN 1964). Beide Typen sind zerreibbar, was die Zusammenfassung dieser genetisch zueinander so fremden Gesteine unter dem gleichen Begriff erklärt. LÜTTIG (1994) plädiert hingegen für die eindeutige Bezeichnung "Quellkalke" anstatt des verwechslungsintensiven Begriffes "Kalktuff".

Die Ausbildung der Kalktuffe kann in morphologischer und petrographischer Hinsicht sehr verschieden sein. Bereits KLÄHN (1923) unterschied Gehänge-, Bach- und Falltuffe: Die Gehängetuffe werden von Karstquellen gebildet, welche an Talhängen entspringen und sofort Kalktuff ablagern. Die Falltuffe werden von herabstürzenden Quellwässern ausgeschieden und gestatten somit die Unterscheidung zu den Gehängetuffen, welche sich erst unterhalb der Aufschlagsstelle bilden. Die Bachtuffe bedecken -- meist unter gleichzeitiger Bildung von Kalktuffterrassen -- die Talböden.

Typisch für Kalktuffe ist ihre Lage in Nebentälern des Seichten Karstes: Die Gehängetuffe bilden hier Buckelformen, Talfüllungen ("Bachtuffe") oder amphitheaterähnliche Talschlüsse. Die ebenfalls zu den Gehängetuffen gehörenden "Steinernen Rinnen" werden nach HABBE (1989) rezent nur noch wenig weitergebildet, überwiegend von den heutigen Bächen bereits wieder zerschnitten. Ihre Hauptbildungszeit war (nach Pflanzen- und Gastropodenfunden) die postglaziale Warmzeit. Nur bei wenigen Vorkommen läßt sich pleistozänes Alter nachweisen.


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* last Update: Montag, 23. Februar 2009 23:43