Die "Steinerne Rinne" am Berg südlich Erasbach/Opf.

Verbreitung und Alterstellung der "Kalktuffe"


In Mitteleuropa finden sich regional bedeutsame Quellkalklager häufig als Talfüllungen. Mit Hilfe von 14C-Datierungen und Pollenanalysen konnte durch BÖGLI (1978) deren Hauptbildungszeit hauptsächlich in die postglaziäre Warmzeit, v.a. ins Atlantikum und frühe Subatlantikum gestellt werden. Die sehr intensiven Kalkausscheidungen sind nur in warmfeuchten Perioden der Erdgeschichte möglich, wenn hohe biologische Aktivitäten mit erhöhten Reaktionsgeschwindigkeiten im System Karbonat - Kohlendioxid - Wasser zusammentreffen.

In Südbayern ist die Verbreitung der Bachkalke und Kalktuffrinnen überwiegend an Quellwässern gebunden, welche aus pleistozänen kalkhaltigen Schottern entspringen. In den südbayerischen Molasseschichten wird das karbonathaltige Wasser an Aquicluden bzw. an den oberkretazischen Zementmergeln gestaut und zum Austritt an der Erdoberfläche gezwungen (GLASSL & SCHIEBER 1990).

Steinerne Rinnen in Bayern

In Nordbayern können die quartären Kalktuffbildungen hauptsächlich im Fränkischen Jura beobachtet werden; so finden sich in der Frankenalb die Kalktuffe vorwiegend am Albrand und in den einspringenden Tälern. Die im Karstgebirge der Frankenalb aus dem mächtigen Malmkörper gelösten Karbonate werden im Karstwasserkörper unterirdisch weggeführt. Hauptsächlich an der Malm alpha/beta-Grenze, zum geringeren Teil an der Dogger-Malm-Grenze treten dann stark karbonathaltige Schichtquellen auf, deren Wässer die unterschiedlichen Formen der Karbonatablagerungen bedingen. Die stark kalkabscheidenden Quellwässer liegen bevorzugt an der Peripherie des Karstgebiets und stellen eine Leitform des seichten Karstes dar. Die von ihnen abgesetzten Quell- und Bachkalke wurden hauptsächlich im postglazialen Klimaoptimum gebildet; diese haben ihre Vorläufer in den pleistozänen Warmzeiten (LÜTTIG 1994).

Die Erforschung der Quellkalke ist -- auch in der Frankenalb -- noch heute durch eine bemerkenswerte Unschärfe gekennzeichnet und durch zahlreiche revisionsbedürftige Aussagen belastet. Moderne stratigraphische und geomorphologische Untersuchungen könnten viel zu Aufklärung der erd- und landschaftsgeschichtlichen sowie der hydrogeologischen Entwicklung dieses Gebiets beitragen, welches zwar reich an Grundwasseraustritten, aber arm an unbedenklich nutzbaren Aquiferen ist. Daher sollte die Aufklärung dieser sowohl für die Grundwassergenese als auch paläontologisch wichtigen krenogenen Bildungen vorangetrieben werden (LÜTTIG 1994).

Aus dem Gebiet der Nördlichen Frankenalb berichtet STARK (1952) über ehemalige Abbaugruben im Gebiet SE´ Staffelstein/Ofr. Die Genese der dort aufgeschlossenen Kalktuffvorkommen führt er auf starke pleistozäne Quellschüttungen aus dem Ornatentonhorizont zurück. So beobachtete er pleistozäne Wirbeltierreste (z.B. Rhinoceros mercki) in den Kalktuffsedimenten des Ützinger Quellbaches zwischen Weisbrehm und Senkendorf, weiterhin pleistozäne Faunenreste in den Quelltuffen von Schwabenthal und von Oberküps.

In den rund 2,7 m mächtigen, gering verfestigten Kalktuffvorkommen in Muggendorf/Ofr. beobachtete HELLER (1953) eine Abwurfstange von Cervus elaphus. Die Entstehung der Quellkalke stellt er in das Postglazial.

Kalktuffe in der Wiesentalb

PETZOLDT (1955) beschäftigte sich mit der Verbreitung und die Alterstellung von Kalktuffen im Karstgebiet zwischen Oberrüsselbach, Gräfenberg, Ebermannstadt und Tieffenellern. Er postuliert bei den Kalktuffvorkommen im Schauertal und im Langen Tal bei Streitberg, bei den Bachkalken des Hullergrabens bei Leutenbach sowie bei den Kalktufflagern von Tiefenellern jungpleistozänes Alter. Für die Kalktuffe von Leutenbach und Dorfhaus setzt er postglaziale Entstehung an; bei den bis 12 m mächtigen Kalktufflagen des Apfelbachtales bei Egloffstein vermutet er altholozäne bis rezente Genese.

BRUNNACKER (1959) untersuchte die Kalktuffe von Egloffstein eingehender. Das von ihnen aufgenommene Profil gestattet aufgrund von Floren- und Faunenfunden die Einordnung der untersten Schicht in das Proboreal. Darüber folgen Kalktufflagen des Atlantikums und Kalktuffe mit Humuslagen sowie prähistorischen Siedlungsspuren des frühen Subboreals. Das Hangende bilden Kalktuffe des späten Subboreals sowie die Überdeckung aus dem frühen Subatlantikum.

Über ein ähnliches holozänes Quellkalk-Torf-Profil im Trubachtal N´ Egloffstein berichtet LÜTTIG (1994). Hier überlagern bis 2,5 m mächtige Quellkalke boreale Bruchwaldtorfe, welche dem Ornatenton aufliegen. Die Quellkalke im Hangenden datieren (nach 14C-Untersuchungen von zwei eingelagerten Holzresten) in das ältere und das jüngere Atlantikum. Die Genese der Quellkalke fällt somit in den Abschnitt des postglazialen Klimaoptimums von 6000 bis 3000 v. Chr. Für diese Zeit ist in den meisten Quellkalkprofilen Mitteleuropas auch das Optimum der krenogenen Produktion, verursacht durch hohe Karstgrundwasserstände mit starken Quellschüttungen, maximaler Karbonatlöslichkeit und hoher Pflanzenproduktion. Im Atlantikum waren aufgrund der klimatischen Bedingungen die Karbonatlösung und die Quellwasserschüttung in der Frankenalb am höchsten; hierdurch bedingt erreichten in diesem Abschnitt des Holozäns auch die oberirdische Quellkalkbildung und die unterirdische Versinterung ihren Höhepunkt.


Weiter zur Page "Der Bergstock südlich Erasbach/Opf."

* last Update: Montag, 23. Februar 2009 23:49