Die "Steinerne Rinne" am Berg südlich Erasbach/Opf.

Die "Steinerne Rinne"


Im Gebiet zwischen Erasbach und Berching/Opf. tritt an der Dogger-Malm-Grenze eine auffallend große Menge teils relativ stark schüttender Karstquellen auf. Da diese Quellen ausnahmslos dem Seichten Karst entspringen, ließen ihre karbonatreichen Wässer z.T. mächtige und flächige Kalktuffvorkommen entstehen.

Im W-Teil des Erasbacher Berges liegt die Grundwasseroberfläche der Malmwässer auf 535 m NN und fällt bis zum Bereich des E-Spornes auf 505 m NN ab; die Grundwasserfließrichtung ist somit von W nach E gerichtet. Bereits ein geringfügig höheres Grundwasserdargebot und ein dadurch verursachtes Ansteigen des Karstwasserspiegels bedingt das Anspringen weiterer Überlaufquellen: So berichten GLASSL & SCHIEBER (1990) von der 300 m W´ der "Steinernen Rinne" gelegenen Steinbruchquelle, welche nur sporadisch, dann aber sehr kräftig schüttet.

"Franzosenbrunnen"

Der am Nordhang des Erasbacher Berges -- am Fuß der steil aufragenden Malmstufe -- austretende Quelltopf der "Steinernen Rinne" wird im Volksmund "Franzosenbrunnen" genannt. Er ist den perrenierenden Karstquellen zuzuordnen. Die Quellschüttung beträgt etwa 2 l/s, kann jedoch nach Starkniederschlagsereignissen und v.a. nach der Schneeschmelze bis ca. 9 l/s ansteigen (vgl. GLASSL & SCHIEBER 1990).

Die Quelle reiht sich in eine bemerkenswert hohe Anzahl weiterer perrenierender und intermittierender Karstquellen am Erasbacher Berg ein. All diese Karstwasseraustritte werden aus dem S´ gelegenen, mächtigen Karstwasserkörper der Südlichen Frankenalb gespeist. Die morphologisch exponierte Lage des Erasbacher Berges als nördlichsten Ausläufer des Malmkörpers und bedingt durch das Ansteigen der Dogger-Malm-Grenze als Karstwasseraquiclude verursachen in diesem Gebiet ein physikalisch geradezu erzwungenes Ausströmen des großen Karstwasserreservoir.

Die Wassertemperaturen an der Quelle des "Franzosenbrunnen" bewegen sich im Jahresverlauf zwischen +7,5°C und +8,5°C (GLASSL & SCHIEBER 1990). Diese -- dem Jahresmittel der Lufttemperatur im jeweiligen Gebiet entsprechende -- konstante Temperatur ist typisch für Karstwässer, welche ihren Ursprung im Tiefen Karst haben, mit relativ hohen Fließgeschwindigkeiten in die Bereiche des Seichten Karstes verbracht werden und dort austreten. Auch die hohen Karbonatgehalte in den Karstquellwässern des Erasbacher Berges sind nur durch Kalklösung in diesem relativ eng umgrenzten Raum nicht erklärbar; sie entstammen vielmehr dem großen Karstwasserkörper der S´ anschließenden Alb.

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die hydrogeologischen und hydrochemischen Aspekte der Genese dieser "steinernen Rinne" zu klären. Die Grundlage dieser Arbeiten war die geodätische Neuvermessung der Kalktuffrinne sowie der Geländemorphologie durch den Berichterstatter, da sich die von GLASSL & SCHIEBER (1990) erstellte Kartenskizze als zu ungenau erwies.

Karte "Steinerne Rinne"

Die Quelle der "Steinernen Rinne" entspringt -- auf einem Höhenniveau von 507,7 m NN -- aus einer rheinisch streichenden Kluft in den mergeligen Malm-alpha-Schichten. Geringmächtige Malm-alpha-Mergel im Liegenden sowie der unterlagernde Ornatenton bilden eine nur gering geneigte, wellige Fläche, auf der das Quellwasser in einem bis 0,8 m breiten, nur wenig eingetieften Bachbett rund 55 m in NE´ Richtung abfließt.

Bachkalke nördlich des "Franzosenbrunnens"

Das Bachbett selbst wird bereits von geringmächtigen Bachkalken aufgebaut; das Volumen der Bachkalke in diesem ersten Abschnitt wurde mit 7,5 m³ bestimmt.

Bachkalke nördlich des "Franzosenbrunnens"

An der N´ der Verebnungsfläche anschließenden Hangkante trifft der Quellbach auf einen W-E verlaufenden Waldweg, unter welchen er in einer 4 m langen Betonröhre hindurch geleitet wird und fließt dann einen -3° bis -22° steilen Hang hinab, der von den Schichten des Dogger beta bis Dogger epsilon sowie auflagernden, bis 2 m mächtigen Gehängetuffkalken gebildet wird. Auf diesen nordexponierten Hang hat der Quellbach eine 80 m lange und 13 cm bis 77 cm hohe "Steinerne Rinne" aufgebaut, welche an ihrer Basis bis 85 cm und an ihrer Oberkante etwa 30 cm breit ist.

Kalktuffdamm der "Steinernen Rinne" Kalktuffdamm der "Steinernen Rinne"

Der Quellbach selbst fließt im Dammscheitel in einer 5 cm bis 15 cm breiten und 4 cm bis 16 cm tiefen Rinne über eine Vielzahl kleiner Wasserfälle und "Miniatur-Wasserbecken" ab. Auf den ersten 15 m begleiten auf der W-Seite kleine Kalktuffkaskaden die "Steinerne Rinne". Der Volumeninhalt dieses unteren, markanten Teils der eigentlichen Steinernen Rinne (zwischen den Meßpunkten M 07 und M 14) beträgt 22,4 m³.

Bachlauf "Steinerne Rinne"

Im flacher werdenden Unterhang wird die "Steinerne Rinne" zunehmend niedriger und schmäler. Im weiteren Verlauf fließt der Quellbach zwar in flächigen Gehängetuffablagerungen, hat in diese quartären Kalkablagerungen jedoch bereits wieder ein normal eingetieftes Bachbett eingetieft und strömt schließlich dem Erasbach zu, welcher in die Sulz entwässert.

Geobotanisch ist zu beobachten, daß sich die Kalktuffablagerungen selektiv auf die Vegetation ausgewirkt haben: Während auf den -- aus Eisensandstein gebildeten -- Böden in der Umgebung der "Steinernen Rinne" Mischwald aus Fichten, Buchen und Eschen mit dichtem Unterholz und Bodenbewuchs vorherrscht, ist im Bereich der Gehängetuffe und der Rinne der Bodenbewuchs stark reduziert, zeigt aber einen hohen Anteil kalkliebender Arten (vgl. GLASSL & SCHIEBER 1990). Der Kalktuffdamm selbst ist von Moosen nahezu völlig bedeckt.


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* last Update: Montag, 23. Februar 2009 23:59