Geographischer und geschichtlicher Überblick

Das Hembachgebiet bei Sperberslohe-Furth gehört dem Keuperland des Süddeutschen Schichtstufenlandes an. Das landschaftlich sehr reizvolle, von dichten Nadel- und Laubwäldern bestandene Gebiet liegt östlich des Rednitztales im flachhügeligen Keupervorland der Frankenalb. Weiter im Osten streichen die Feuerletten sowie die Rhätoliasschichten aus und bilden eine erste, zum Steilanstieg der Frankenalb vermittelnde Schichtstufe.

Die oberirdische Entwässerung dieses Gebiets erfolgt nach Westsüdwesten zur Rednitz. Die Hauptvorfluter sind im Norden die Schwarzach mit ihren Nebenbächen Gauchsbach, Höhenbach und Mühlbach und im Süden der Hembach mit dem Höllenbach.

Gewässernetz im Nürnberger Becken

Der Hembach entspringt aus fünf Quellen in der Waldabteilung "Laubenhaid" nordnordöstlich des Marktes Pyrbaum (Lkr. Neumarkt/Opf.) aus den Sandsteinen und Tonen des Rhätolias. Er fließt -- zumeist unbegradigt und naturbelassen-- in westlicher Richtung über Oberhembach und Dürrenhembach durch die ausgedehnten Waldgebiete des Dürrenhembacher Forstes, durchströmt hier jedoch auch mehrere große Forellenzuchtteiche, unterquert dann die Autobahn Nürnberg-München und tritt bei Sperberslohe in das Untersuchungsgebiet ein. Hier ändert der Hembach seinen Verlauf nach Südwesten, nimmt 800 m südwestlich Sperberslohe das gereinigte Abwasser einer kommunalen Kläranlage auf, fließt dann stark mäandrierend durch Nadelwälder und kleinere Landwirtschaftsgebiete über das Walddorf Furth bis nach Schwand und mündet schließlich bei Rednitzhembach in die Rednitz.

Hembach bei Furth; Sommer 2004 Hembach bei Furth; Winter 2005

Die Quellen des kleineren Höllenbach entspringen aus dem Mittleren Burgsandstein in der -- 2000 m südsüdöstlich Sperberslohe gelegenen -- Waldabteilung "Diebseck", ca. 100 m westlich der Autobahn Nürnberg-München. Dieser völlig naturnahe Waldbach fließt in westlicher Richtung durch die Mischwälder des Hebenbacher Staatsforstes, speist jedoch auch hier mehrere Karpfenzuchtbecken und mündet 800 m östlich Furth in den Hembach.

Quellbereich des Höllenbach Höllenbach bei Messpunkt 10

Geschichtlich betrachtet gehört der Hembacher Forst mit seinen Siedlungsinseln zu den südlichsten Teilen des alten "Nürnberger Reichswaldes". Zur Versorgung des um 1040 von Kaiser Heinrich III. gegründeten Marktfleckens "Norenberc" dienten zunächst die beiden Königshöfe im Bereich der heutigen Nürnberger Altstadt. Da diese Versorgung jedoch bald nicht mehr ausreichte, mußte auf das Umland in den benachbarten Reichswaldgebieten zurückgegriffen werden: So zeugen die im Reichswald neu angelegten Orte mit ihren Namens-Endungen auf "-reuth", "-lohe", "-bühl" und "-lach" in Verbindung mit den Ortsbezeichnungen wie "Tannen-", "Buch-", "Eschen-" oder "Erlen-" von den Rodungstätigkeiten des 11. Jahrhunderts.

Fischteiche am Höllenbach nordöstlich Furth Karpfenteich am Höllenbach nordöstlich Furth

Der kleine Ort Sperberslohe wurde 1169 als "Spawareslohe" erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname setzt sich aus ahd. "Spawari" (= der Sperber) und ahd. "Lohe" (= niederes Holz, Weideland, bewachsene Lichtung) zusammen, bedeutet also sinngemäß "die Siedlung beim Wald, in dem Sperber hausen" (MAAS 1995).

Der Ortsname des Walddorfes Furth hat sich aus der alten Dativform "Furti = bei der Furth" entwickelt. Die Furth als einfachste Möglichkeit zur Überquerung eines Fließgewässers war für die alten Siedler so wichtig, daß sie zur regionalen Bezeichnung einer Siedlung herangezogen wurde.

Vom Mittelalter bis etwa 1850 war der südlich der Nürnberger Altstadt gelegene "Lorenzer Reichswald" mit seinen nur mäßig fruchtbaren Sandböden weitgehend mit Kiefernwäldern bestanden. Aufgrund der nicht sehr ertragreichen Böden mussten sich die Einwohner dieser Gegend zwangsläufig vom Wald ernähren -- dies war mit Sicherheit über Jahrhunderte ein beherrschender Wirtschaftszwang. An Stelle der heutigen Vorstädte und Dörfer bestand damals ein nur dünn besiedeltes Waldgebiet mit wenigen kleinen Siedlungsinseln und ihren Äckern sowie den -- für das Nürnberger Gebiet typischen -- befestigten Schlössern der reichen Nürnberger Patrizierfamilien. Im Hembachgebiet wurde in den Jahren von 1845 bis 1880 ein großer Teil der Wälder an die Familie Faber (den späteren Grafen von Faber-Castell) verkauft.

Reichswald nordöstlich Furth Reichswald im Quellbereich des Höllenbaches

In den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts war im Hembachgebiet zwischen Sperberslohe und Furth ein riesiger Rangier- und Abstell-Bahnhof für die so genannte Breitspurbahn geplant worden: Die Linienführung dieser ins Monumentale vergrößerten neuen Eisenbahn (mit einer Spurweite von drei Metern) sollte im Großraum von Nürnberg über den -- neu zu bauenden -- Bahnhof "Nürnberg-Buch" und über die Breitspurbahnhöfe "Nürnberg-Dutzendteich" sowie "Nürnberg-Märzfeld" weiter nach Süden in Richtung München führen (JOACHIMSTHALER 1985). Obwohl an diesem Projekt bis zum Kriegsende gearbeitet wurde, kam es über das Planungsstadium bzw. die Trassenvermessungen nicht hinaus; aus dieser Zeit stammt jedoch auch die vorzügliche geodätische Aufnahme des Hembachgebiets.

Breitspurbahn

In den Siebziger Jahren wurden die Rangierbahnhof-Neubaupläne wieder aufgegriffen: Als Ersatz für den -- 1898 bis 1903 errichteten -- Gefällebahnhof in der Nürnberger Südstadt plante die Deutsche Bundesbahn im unberührten Reichswald zwischen Sperberslohe und Furth den Neubau eines Flach-Rangierbahnhofes. Der hohe Natur- und Flächenverbrauch und das gestiegene Umweltbewußtsein der Bevölkerung verhinderten jedoch dieses Vorhaben. Seit 1985 unterliegen die ausgedehnten Waldgebiete um Sperberslohe der Bannwaldverordnung und stellen ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Bevölkerung des Nürnberger Großraumes dar. Darüber hinaus wurden hier eine Vielzahl von Grundwasserbrunnen zur Trinkwasserversorgung der Stadt Fürth/Bay. abgeteuft.

Trassenvarianten der Breitspurbahn im Raum Nürnberg

* Dr. A. Baier; last update: Mittwoch, 04. März 2009 23:38