Geologie und Tektonik des Nürnberger Beckens

Geologisch gesehen liegt das Hembachgebiet bei Sperberslohe-Furth im Sandsteinkeuper am Südrand des Nürnberger Beckens. Die Keuperschichten werden in dieser Muldenstruktur von den Myophorienschichten (Benkersandstein), den Estherienschichten, dem Schilfsandstein, den Sandsteinen, Tone und Letten der Lehrbergschichten, dem Blasensandstein, dem Coburger Sandstein sowie den Schichtgliedern des Unteren, Mittleren und Oberen Burgsandsteins aufgebaut. Die Tiefenlage des Grundgebirges im Nürnberger Becken läßt sich auf ein Höhenniveau von etwa 100 m bis 150 m unter NN festlegen (vgl. BERGER 1979, BAIER 2000).

Geomorphologisch ist das Nürnberger Becken gekennzeichnet als ein Gebiet mit flachen Formen des relativ tiefgründig verwitterten Sandsteinkeupers und hochgelegenen Schotterdecken sowie den von der Rednitz und ihren Nebenflüssen abgelagerten pleistozänen Sanden.

Die tektonischen Verhältnisse im Nürnberger Becken sind dadurch charakterisiert, daß hier sowohl Verbiegungs- als auch Brucktektonik den Untergrund verformt haben. Entstanden ist das Becken durch Ausweitungstektonik: Bei den Störungen herrschen Abschiebungen vor. Bereits FICKENSCHER (1924) charakterisiert es als tektonisches Einbruchsbecken. DORN (1933) beschreibt es als ein "selbstständiges und doch auch eines der wichtigsten tektonischen Elemente" des mittelfränkischen Raumes: Das Becken stellt "eine in sich durch lokale Verebnungsflächen morphologisch gegliederte, ausgedehnte, terrassenartige Unterbrechung der Schichten gegen Osten dar". Dieser verdankt es auch die auffallend starke Ausräumung dieses Gebietes.

Im Nürnberger Becken sind die wichtigsten Verbiegungselemente im Norden der Nürnberger Sattel und die südlich anschließende Dutzendteichmulde im Gebiet um Fischbach.

Der Nürnberger Sattel erstreckt sich in Nordost-Südwest-Richtung im Bereich zwischen dem Wöhrder See, Ziegelstein und Erlenstegen bis hin zum Weißensee im Nordosten. Seine größte Längserstreckung beträgt etwa 6 km und seine Breite im Westen etwa 0,8 km bzw. im Nordosten rund 3 km (BERGER 1978). Diese große Sattelstruktur fällt nach Westen zur kleineren Fürther Mulde hin ab: Diese stelle eine Westsüdwest-Ostnordost verlaufende, flache Einmuldung dar, deren Kern mit einer Längserstreckung von 1,5 km zwischen Rednitz und Pegnitz liegt (BERGER 1978). Nach Süden flacht der Nürnberger Sattel zur Dutzendteichmulde hin breitflächig ab. Sowohl der Nürnberger Sattel als auch die Fürther Mulde werden an der Rednitztal-Störung abgeschnitten.

Die bereits von V. FREYBERG (1963) beschriebene Dutzendteichmulde verläuft in Ost-West-Richtung an der Südflanke des Nürnberger Sattels. In ihrem Muldentiefsten ist die Grenze Lehrbergschichten - Blasensandstein bis auf ca. 240 m NN abgesenkt. Die längste Erstreckung der Dutzendteichmulde beträgt 5,5 km und verläuft vom Gebiet westlich des Dutzendteiches bis etwa zur Autobahn München - Nürnberg (BERGER 1978). Die Schichten steigen im Süden und Osten der Mulde nur relativ gering an, um weiter in südlichen Richtungen zur Röthenbacher Mulde hin wieder einzufallen.

Am Südrand der erzgebirgisch streichenden Röthenbacher Mulde liegt bei Sperberslohe-Furth das Hembachgebiet. Im Großraum Feucht-Sperberslohe wird die Lagerung des Bezugshorizontes Lehrbergschichten-Blasensandstein durch eine großflächige Verebnung nördlich der Schwarzach auf einem Höhenniveau um 270 m NN bestimmt (BERGER 1979). Im Süden steigen die Streichkurven der Schichten stetig zum Pyrbaumer Sattel an (dessen Kern nördlich von Allersberg auf einem Höhenniveau von 310 m NN liegt) und fallen schließlich ganz im Süden wieder zur Harrlacher Mulde hin ein.

Höhenkarte des Bezugshorizontes Lehrbergschichten-Blasensandstein im Nürnberger Becken

An bruchtektonischen Elementen im Nürnberger Becken ist als dominierendes Element zunächst die über 20 km lange Rednitztal-Störung zu nennen: Diese im Mittel mit 138° streichende Störungszone (BIRZER 1971) schuf die tektonischen Voraussetzungen für das heutige Rednitz-Regnitz-Tal. Das Einfallen dieser Abschiebung beträgt etwa 75° in östliche Richtungen, scheint im Süden jedoch steiler ausgebildet zu sein. Die Sprunghöhen variieren im Süden von 25 bis 30 m, wobei der Ostflügel jeweils absenkt wurde (V. FREYBERG 1963).

Am Südwestrand des Nürnberger Sattels und im Bereich der Dutzendteichmulde befindet sich vermutlich eine Westnordwest - Ostsüdost (flachherzynisch) streichende Störungszone, welche sich an der Erdoberfläche durch den Verlauf des Pegnitztales zwischen Doos und der Nürnberger Altstadt und weiter durch den Verlauf des Fischbachtales bis hin zur Ortschaft Fischbach äußert (BAIER 2001).

Die stark verkieselten Burgsandsteine des südlich anschließenden Wendelsteiner Höhenzuges sind durch ihre hydrothermalen Mineralisationszonen seit langem bekannt. Die hydrothermale Verkieselung der Burgsandsteine fand nicht flächenhaft statt, sondern war an die in großer Anzahl zu beobachtenden, herzynisch streichenden Klüfte gebunden. Diese sekundär verkieselten Sandsteine sind jedoch nicht allein auf den Wendelsteiner Höhenzug beschränkt: So beschreibt FUCHS (1956) Coburger Sandstein mit SiO2-Bindemittel aus einem alten, verfallenen Steinbruch beim Zeltnerweiher im ESE von Nürnberg.

Am Wendelsteiner Höhenzug konnte DORN (1926) ein herzynisches Hauptkluftsystem mit Streichwerten von 104° bis 124° beobachten. FUCHS (1957) stellte am Südlichen Kornberg ein Kluftmaximum von 120° bis 125° fest und berichtet vom kausalen Zusammenhang zwischen stärkerer tektonischer Beanspruchung und starker Verkieselung der Sandsteine. An Diagonal- und Querklüften beobachtete er rheinisch und erzgebirgisch streichende Trennflächen; Harnische sind jedoch vornehmlich an die herzynisch streichenden Klüfte gebunden.

Die flachherzynisch streichenden Störungszonen im Wendelsteiner Höhenzug zeichnen sich dadurch aus, daß hier sowohl Horizontalbewegungen (Blattverschiebungen) als auch vertikale Verwürfe mit teilweise beträchtlichem Versatz stattgefunden haben (RAZIZADEH 1972). So wurden im dortigen Holsteinbruch mehrere herzynisch streichende Störungen beobachtet, ebenso am Südabfall des Nördlichen Kornberges mit einer Sprunghöhe von 28 m (BERGER 1979). Ausschließlich in den herzynisch streichenden Klüften wurden von DORN (1926) und von FUCHS (1957) v.a. im Wernloch in großer Anzahl Minerale wie Baryt, Quarz, Fluorit, Phosphorit und Limonit aufgefunden. Vom großen Bruch am Schneckengraben berichtet KLEIN (1935) von geringen Mengen an Kupferkies, Bleiglanz, Malachit, Kupferglanz und Pyrit; FICKENSCHER (1930) beobachtete weiterhin Bleiglanz und Zinkblende.

Am Südrand des Nürnberger Beckens verläuft schließlich bei der Ortschaft Unterferrieden (8 km östlich des Hembachgebietes bei Sperberslohe-Furth) eine herzynisch streichende Störung, welche sich über eine Distanz von 2,2 km nach Südosten bis in das Tälchen der Schwarzwasser verfolgen läßt. Dieser Bruch weist n. BERGER (1979) eine Sprunghöhe von 15 bis 20 m auf, wobei die Nordost-Scholle gegenüber der Südwest-Scholle abgesenkt wurde.

* Dr. A. Baier; last update: Mittwoch, 04. März 2009 23:42