Geologische Blätter für NordostbayernGeoZentrum NordbayernZur Geologie und zur vorgeschichtlichen Stellung des Hetzlaser Gebirges

bei Neunkirchen am Brand (Oberfranken).

Von Alfons BAIER und Dieter FREITAG

Kurzfassung von: BAIER, A. & FREITAG, D. (1993): Zur Geologie und zur vorgeschichtlichen Stellung des Hetzlaser Gebirges bei Neunkirchen a.Br. (Oberfranken) - Geol. Bl. NO-Bayern 43, 3/4: 271-314, 2 Abb., 3 Taf., 1 geol. Kte., Erlangen 1993.


Der Hetzleser Berg bildet den der Stadt Erlangen am nächsten gelegenen Ausläufer der Fränkischen Alb. Durch das Schwabachtal von der eigentlichen Albhochfläche im Osten abgetrennt, beherrscht er als Zeugenberg das Erlanger Umland. Im Südosten schließt -- durch eine Einsattelung von Hetzleser Berg getrennt -- der Lindelberg an. Der Hetzleser Berg, in älteren Karten auch "Hetzlas" oder "Leyerberg" genannt, bildet zusammen mit dem Lindelberg das sogenannte Hetzlasgebirge.

Im Aufbau dieser Berge sind alle drei Abteilungen der Juraformation Lias, Dogger und Malm beteiligt. Im Rahmen dieser Arbeit soll insbesondere die Geologie des Hetzleser Berges beleuchtet werden. Geologische Karte des Hetzlaser Gebirges

Auf dem 549 m über NN liegenden Hetzlesplateau ist als jüngste Juraschicht das Obere Oxfordien (Malm beta) erhalten geblieben. Die maximal 545 m über NN erreichende Hochfläche des benachbarten Lindelberges wird von Schwammkalken des unteren Malm aufgebaut.

Die am Hetzles aufgeschlossenen Juraschichten, insbesondere die des oberen Doggers, waren schon oft Gegenstand detaillierter Untersuchungen. Der hier vorgelegte Beitrag versucht, den erdgeschichtlichen Aufbau dieses Berges und seine vor- bis frühgeschichtliche Nutzung durch die damaligen Menschen nach dem derzeitigen Kenntnisstand darzulegen. Da die geologische Bearbeitung als regionale Studie erfolgte, wurde besonderer Wert auf eine umfangreiche Profildarstellung gelegt. Hierbei werden alle bisher veröffentlichten Profile wiedergegeben, wobei deren stratigraphische Gliederung teilweise neu bearbeitet werden mußte.

Die Basis des Hetzleser Berges bilden die schwarzgrauen Tonschiefer des Lias delta, welche jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht berücksichtigt wurden. Die Schichtstufen der Berghänge werden von den Gesteinsserien der Posidonienschiefer und Jurensismergeln, den darüberfolgenden Opalinustonen und Doggersandsteinen, Eisenoolithkalken und Ornatentonen bis hin zu den Mergelkalken des Malm alpha aufgebaut. Das Hochplateau des Hetzleser Berges besteht vorwiegend aus weißgrauen Kalken des Malm beta; in der Umgebung von Gleisenhof befinden sich kleinere Schwammriffareale. Das Hochplateau des Lindelberges wird nahezu vollständig von den Schwammkalken des unteren Malm aufgebaut. DORN (1925) vermutet, daß hier die Schwammfazies bereits in den Malm gamma hinaufreicht. Außerdem konnte er am Lindelberg einige größere, jedoch nur geringmächtige Lagen von Frankendolomit beobachten, was darauf hindeuten mag, daß hier die Dolomitisierung bis in den mittleren Malm hinabgegangen war.

Nach der letzten Eiszeit siedelten sich in dem während Jahrtausenden allmählich wärmer werdenden Klima zuerst Flechten und Moose, später Büsche und Bäume in unserem Gebiet an; damit war auch die Möglichkeit zur intensiven Besiedelung durch die Menschen gegeben. Bereits um 6000 v. Chr. waren im Mittelmeerraum und auf dem Balkan die frühen Ackerbauern und Viehzüchter aufgetreten. In mehreren Etappen erreichten diese neolithischen Kulturen um etwa 4500 v. Chr. Mitteleuropa und lösten hier das vergleichsweise archaische Mesolithikum ab. Schließlich erstreckte sich von Ungarn bis in die Niederlande das riesige Siedlungsareal der frühneolithischen "Bandkeramischen Kultur". Die Bauern dieser Zeit siedelten meist in kleineren Dörfern. In unserem Gebiet deuten Lesefunde dieser Kultur auf der benachbarten Ehrenbürg jedoch auch darauf hin, daß dieses Hochplateau von der bandkeramischen Bevölkerung aus einem gewissen Schutzbedürfnis heraus aufgesucht wurde.

Vorgeschichtlicher Mittelpunkt des mittleren und oberen Schwabachtales ist der Lindelberg. Der etwa 1500 m lange und bis zu 150 m breite abgeplattete Bergrücken, der sich von der Südspitze des Hetzleser Berges nach Osten hin verschiebt, ist an allen Hangkanten mit einem teilweise noch bis zu 1 m hohen Ringwall befestigt. ABELS (1986) postuliert für diese Befestigungsanlage ein frühlatenezeitliches Alter. Die Befestigung breitet sich auf der relativ ebenen Malmkalkplatte aus, die im Norden, Osten und Süden zum Juravorland hin stark abfällt. An einigen Stellen des Ringwalles ist im Hangbereich Erde abgerutscht, so daß hier Reste einer Trockenmauer sichtbar werden.

An der Nordwestflanke des Lindelberges, wo über eine Einsattelung die Verbindung zum Hetzleser Berg besteht, führt ein Weg den Hang bis zum Ringwall hinauf. Er fährt in eine 12 bis 15 m breite Torgasse, die aus zwei gegeneinander versetzten Wallenden gebildet wird. Hier lag das Haupttor der Befestigungsanlage. Etwa 80 m nordöstlich des Haupttores befindet sich eine kleine Pforte mit deutlich nach innen gebogenen Wällen. Ein weiteres Tor mag an der Ostspitze der Ringwallanlage gelegen haben.

Auf der höchsten Kuppe des Lindelberges und innerhalb der Südwestecke des Ringwalls liegt ein kleiner, nahezu quadratischer Steinwall ohne vorgelagerten Graben. Die Seitenlängen dieser kleinen Befestigung betragen etwa 50 m. Die Anlage dürfte in frühgeschichtlicher Zeit entstanden sein, ist jedoch urkundlich nicht nachweisbar. Der auf der TK 25 an dieser Stelle verzeichnete Name "Burgstall Lindelburg" ist ein jüngerer, archivalisch nicht überlieferter Begriff. Diese falsche, aber in der einschlägigen Literatur weitverbreitete Namensgebung geht auf den Anfang des 19. Jahrhunderts tätigen Heimatkundler Pfarrer Goldwitzer aus Neunkirchen a. Br. zurück: Dieser forschte nach einen abgegangenen Burgsitz des - urkundlich erwähnten - Geschlechts der Strobel aus Dachstadt und glaubte ihn in der Ringwallanlage am Lindelberg gefunden zu haben.

Funde aus den letzten Jahren zeigten, daß sich auf den Lindelberg bereits in der Urnenfelderzeit (ca. 1300-800 v. Chr.) eine Siedlung befand. Die zentrale, beherrschende Lage des Berges deutet auf eine Mittelpunktsfunktion hin und legt den Schluß nahe, daß diese Siedlung auch befestigt war. Sie ließe sich dann in das dichte Netz urnenfelderzeitlicher Höhenburgen und Siedlungen einreihen.

Auch eine oberhalb Weingarts (am Nordostrand des Hetzles) neu entdeckte kleine Abschnittsbefestigung von etwa 60 x 100 m Größe, in der neben hallstattzeitlicher Keramik auch urnenfelderzeitliche Scherben gefunden wurden, dürfte ebenfalls aus der Urnenfelderzeit stammen (NADLER 1987).

Auch auf dem nach Westen vorspringenden Ausläufer des Hetzles liegt eine große Abschnittsbefestigung mit vermutlich vor- bis Wall der Abschnittsbefestigung am Hetzlesfrühgeschichtlicher Entstehungsgeschichte. Die Befestigungssysteme wurden auf der Hochfläche der Werkkalkstufe unter offenbar planmäßiger und wohldurchdachter Einbeziehung der natürlichen Geländegegebenheiten errichtet. Diese Befestigungssysteme wurden auf dem zwischen 600 m und 300 m breiten Kalkplateau gebaut. Der Bergsporn beginnt sich etwa 100 m vor der Westspitze schnell zu verengen und besitzt auf den letzten 700 m eine durchschnittliche Breite von 300 m.

Aufgrund der Auswertung aller bis heute im oberen Schwabachtal bekannten Fundstellen ergibt sich das Bild einer Siedlungskammer mit der -- vermutlich ab der Urnenfelderzeit -- befestigten Höhensiedlung am Lindelberg als Hauptort und mehreren befestigten oder unbefestigten, untergeordneten Anlagen -- zu denen vielleicht auch Teile der weiter unten beschriebenen Befestigung am Hetzles zu stellen sind -- sowie vielen kleinen Siedlungen und den dazugehörigen Gräberfeldern.

Literaturverzeichnis:

ABELS, B.U. (1986): Archäologischer Führer Oberfranken. Führer zu archäologischen Denkmälern in Bayern: Franken 2: 1-210; Stuttgart (Theiss).

DORN, P. (1925): Die Lagerungsverhältnisse des Hetzlasgebirges.- Erlanger Heimatbuch 1925: 1-6; Erlangen.

NADLER, M (1987): Testgrabung in einer urnenfelderzeitlichen Siedlung bei Großenbuch, Gemeinde Neunkirchen a. Brand, Landkreis Forchheim, Oberfranken.- Archäol. Jhr. Bayern 1986: 71-73; Stuttgart.

abaier@geol.uni-erlangen.de


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* Dr. A. Baier; Mittwoch, 04. September 2013 19:48