GeoZentrum NordbayernKarsthydrogeologie

im oberen Pegnitz- und Püttlachtal


Im Gebiet der Nördlichen Frankenalb kommt der Fragestellung einer potentiellen Gefährdung der mächtigen Karstgrundwasserkörper eine besondere Gewichtung zu. So werden die bedeutenden Karstgrundwasservorkommen in der Veldensteiner Mulde bei der Ortschaft Ranna zur Versorgung der Stadt Nürnberg genutzt.

Die hydrogeologischen Verhältnisse sind im Karstgebiet zwischen Pegnitz/Ofr., Neuhaus, Gößweinstein und Pottenstein äußerst kompliziert. Zur Klärung der hydrogeologischen Verhältnisse werden u.a. Tracerstoffe in das Karstgrundwasser eingebracht. Diese Markierungsstoffe zeigen u.a. die Fließrichtungen sowie die Ausbreitung des (Karst-) Wasserabstromes in Raum und Zeit an. Sie können quantitative und qualitative Aufschlüsse über bestehende und potentielle Gefährdungen des Karstwassers durch anthropogene und geogene Einflüsse geben. Die praktische Durchführung von Tracerversuchen erweist sich bisweilen jedoch als sehr schwierig sowie als sehr material-, personal- und zeitintensiv.

Die vom Berichterstatter und anderen Autoren bislang gewonnenen Meßergebnisse scheinen darauf hinzudeuten, daß im o.g. Untersuchungsgebiet der Karstwasserabstrom in westsüdwestliche Richtung in den mächtigen Grundwasserkörper der Frankenalbfurche erfolgt; von dort mag er sich dann nach Südosten zur Pegnitz und/oder nach Westen zur Püttlach hin ausbreiten. Auch die Anlage der Trockentäler scheint auf diese unterirdischen Karstwasserströme hinzudeuten.

Einige Beobachtungen deuten darauf hin, daß dieses Geschehen durch den jeweiligen Wasserstand der Pegnitz entscheidend beeinflusst wird. Der alte kretazische Karst reicht im Beobachtungsgebiet weit unter das heutige Vorfluterniveau. So scheinen im Gebiet zwischen Pegnitz und Pottenstein ein oder mehrere alte Karstgerinne auf einem Höhenniveau von etwa +350 m ü.NN zu existieren, durch welches heute die Pegnitz (bei Hochwasser über Ponore an den Uferrändern) einen Teil ihres Wassers an die Püttlach abgibt.

Diese bislang gewonnenen Beobachtungen könnten auf eine zunehmende und massive Gefährdung der mächtigen Trinkwasservorräte bei Ranna hindeuten. Die bedeutenden Karstwasserkörper der Veldensteiner Mulde werden bislang von administrativer Seite aufgrund ihrer Kreideüberdeckung (mit vorwiegenden Waldbestand) als "gering gefährdet" eingestuft.

Sollte sich jedoch die Theorie einer großflächigen Versickerung des belasteten Pegnitzflußwassers in den Karstwasserkörper bestätigen, besteht eine starke Gefährdung der Trinkwasservorräte durch eine immer mehr zunehmende, gleichzeitig irreversible Kontamination.

abaier@geol.uni-erlangen.de


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* Montag, 23. Februar 2009 22:05