GeoZentrum NordbayernEine kurze Geschichte

der Frankenalb

von Alfons Baier


Einleitung

Die Frankenalb ist ein Mittelgebirge, das sich vom Ries nach Osten bis Regensburg hinzieht, hier nach Norden umbiegt und sich am Westrand des Bayerischen Waldes, des Böhmerwaldes und des Fichtelgebirges bis zum Staffelstein nahe des Mains erstreckt. Man hat die Namensbezeichnung "Alb" früher von dem lateinischen Ausdruck "montes albi" (die weißen Berge) hergeleitet. Wahrscheinlich ist jedoch der Begriff "Alb" eine alte keltische Bezeichnung und bedeutet "Gebirgsweide".

Albhochfläche bei Wolkenstein/Ofr.

Die in der Frankenalb verbreiteten Gesteine sind Teil der Süddeutschen Großscholle, des Fränkisch-Schwäbischen Schichtstufenlandes, dessen stratigraphisch vom Keuper bis Kreide reichende Sedimentgesteine dem Alten Gebirge im Osten vorgelagert sind. Die Schichten fallen sanft nach Südosten ein, wobei die Verkippung des Schichtpackets wahrscheinlich durch die ab dem Tertiär erfolgte tektonische Heraushebung von Schwarzwald und Odenwald verursacht wurde. Erosions- und Akkumulationsvorgänge des Tertiärs und Quartärs haben in dieses nur von germanotyper, d. h. Bruchtektonik betroffene Sedimentpaket eingegriffen: Zertalung und Verebnung, tiefgründige Verwitterung und lineare Erosion, verknüpft mit einer intensiven Verkarstung der Kalkgesteine, sind die wesentlichen Merkmale der jüngsten Landschaftsformung.

In der reizvollen Landschaft der Alb ist eine vollständige Abfolge von den Sandsteinen des oberen Keupers über die Lias- und Doggergesteine bis zu den Kalk- und Dolomitschichten des Malms aufgeschlossen. Dazu kommen noch Albüberdeckung genannte Verwitterungslehme auf der Jurahochfläche, Flugsande aus der letzten Eiszeit, Fließerde- und Hangschuttbildungen, die Füllungen der Täler und die jungen Quellkalke.

Als die in der Frankenalb verbreitete Schichtenfolge in einem küstennahen Gebiet, in welchem ein ständiger Wechsel zwischen kontinentalen und marinen Bedingungen und schließlich ein flaches Schelfmeer bestand, zur Ablagerung kam, war die (heute unter diesen Sedimenten liegende) Kruste längst durch mehrere Gebirgsbildungen konsolidiert. Der Altmeister der Tektonik Hans Stille hat das Eo- und Paläo-Europa genannt.

Zur Zeit der Trias wurde Meso-Europa an den im Norden und Nordosten unseres Gebietes liegenden Nucleus angebaut, im wesentlichen durch Akkumulation von Beckensedimenten, die dann schließlich weiter im Süden, als Neo-Europa gebildet wurde, zu den Faltengebirgen des alpidischen Systems (als Folge eines Aufdriftens des afrikanischen Kontinents auf Europa) geformt wurden.

Der Sedimentstapel des Fränkischen Tafellandes liegt weitgehend unbeeinflusst durch diese Vorgänge im mesoeuropäischen Krustenteil. Er beginnt, stratigraphisch gesprochen, mit dem oberen Teil der Trias. Die Lebewelt war damals im Zuge ihrer Entwicklungsgeschichte bei den Pflanzen bis zur Stufe der Gymnospermen (= Nacktsamern, z.B.: Palmfarne, Nadelhölzer und Ginkobaum) entwickelt, im Tierreich wurde die Entwicklungsstufe der Ammoniten, Saurier und der Urvögel erreicht.

Hydrogeologie der Frankenalb

Im Gebiet der Fränkischen Alb bestehen mehrere hydrologisch voneinander unabhängige Grundwasserleiter. Vom Liegenden zum Hangenden sind dies der Burgsandstein, der Rhätsandstein, der Doggersandstein, der Malmkarst sowie -- untergeordnet -- die quartären Talfüllungen.

Im Albvorland sind vor allem Burgsandstein und Doggersandstein ergiebige Aquifere, aus denen zahlreiche perennierende Quellen entspringen. Die Burgsandsteine sind meist gut gebankt sowie gut geklüftet und weisen ein relativ großes Wasserspeichervermögen auf. Der tonig ausgebildete Feuerletten stellt die Grundwasserdeckschicht dieses Aquifers und gleichzeitig die Grundwassersohle des Rhätsandstein-Aquifers dar. Die Rhätsandsteine besitzen ähnlich gute grundwasserleitende Eigenschaften wie der Burgsandstein. Beim Doggersandstein wirkt der unterlagernde Opalinuston (Dogger alpha) in seiner Gesamtmächtigkeit wasserundurchlässig und stellt die Sohle des Dogger-Aquifers dar. Grundwasserleitend sind die gebankten und meist gut geklüfteten Eisensandsteine des Dogger beta. Der im oberen Teil des Doggersandsteins anstehende Disciteston wirkt regional als weitere Aquiclude. Die darüber folgenden Sandsteine des obersten Dogger beta sowie die Oolithkalke und Mergelkalke des Dogger gamma bis epsilon besitzen ebenfalls grundwasserleitende Eigenschaften; sie werden - obwohl durch den Disciteston vom unteren Doggersandstein getrennt - formal noch zum Dogger-Aquifer gezählt.

Der Ornatenton des Dogger zeta bildet zusammen mit den Kalkmergeln des Malm alpha eine Aquiclude, die den Dogger-Grundwasserleiter vom überlagernden Malm- Karstaquifer hydrologisch trennt.

Ornatenton

In den höheren Malmeinheiten ist überwiegend ein zusammenhängendes Grundwasserstockwerk ausgebildet. Lediglich im Malm gamma sind den Schichtcarbonaten Kalkmergellagen zwischengeschaltet, so daß hier regional "schwebende Grundwasserstockwerke" auftreten können. In seiner Gesamtheit stellt der Malm-Aquifer ein mächtiges, ergiebiges Karstwasser-Reservoir dar, welches aber aufgrund der karstspezifischen Oberflächenentwässerung und dem damit verbundenen Eintrag von Schadstoffen zunehmend gefährdet ist.

Die Gesteine der Trias

Im Westteil der Frankenalb liegt das durch weiche Hügelformen gekennzeichnete Albvorland. Hier stehen die ältesten geologischen Schichten an: Sandsteine und Tone des Mittleren Keupers (Obere Trias) mit einem Alter von etwa 200 Mio. Jahren. Die sandigen Böden auf diesen Gesteinen sind meist mit Kiefernwäldern bestanden; eine landwirtschaftliche Nutzung findet nur im geringen Umfang statt. Darüber folgen Tone des Feuerletten und die Sandsteine des Rhätolias. Böden aus Feuerletten können nur mit erheblichem Maschinenaufwand bearbeitet werden, daher werden sie meist als Grünland genutzt. Die Rhätolias-Sandsteine ergeben nährstoffarme Böden, die überwiegend forstwirtschaftlich genutzt werden.

Die Ablagerungen der Keuperzeit entstanden küstennah in sumpfigen Seenplatten, Flußdelten, Verlandungsbereichen und Lagunen. Unser Gebiet war damals also noch überwiegend Festland, das nur kurzzeitig vom Meer überflutet wurde.

Die Gesteinsfolgen des Jura

In der folgenden Jurazeit (vor rd. 195 Mio. Jahren) lag für die nächsten 60 Mio. Jahre ganz Süddeutschland im Herrschaftsbereich eines Flachmeeres; in dieser Zeit wurden wegen ständiger Absenkung der Kruste mächtige Gesteinsfolgen am Meeresgrund abgelagert. Die Jura-Sedimente bilden heute den größten Teil der in der Frankenalb auftretenden Gesteine.

Albvorland bei Sengenthal/Opf.

In Deutschland hat Leopold V. BUCH (1837) die von Alexander V. HUMBOLDT aufgestellte Jura-Formation in drei Abteilungen gegliedert: Einen Unteren oder Schwarzjura (= Lias), einen Mittleren oder Braunjura (= Dogger) und einen Oberen oder Weißjura (= Malm); diese Benennungen beziehen sich auf die in den drei Abteilungen vorherrschenden Gesteinsfarben. Ein Schüler Leopold V. BUCH´s, F.A. QUENSTEDT, unterschied zur feineren Gliederung die drei Abteilungen in je sechs einzelne Stufen, die nach den ersten Buchstaben des griechischen Alphabetes (Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon und Zeta) bezeichnet sind: So zählt der zum untersten Dogger gehörende Opalinuston zum Braunjura alpha, der darüberfolgende Eisensandstein zum Braunjura beta. Hiermit war erstmals in der Geschichte der Geologie die feinstratigraphische Gliederung einer Formation geschaffen worden. Die Juraformation wurde somit zur methodischen Ausgangsbasis für die gesamte paläontologische und stratigraphische Forschung.

Dreigliederung des Jura

Die Meeresablagerungen des Schwarzjura (Lias) entstanden in einem noch sehr küstennahen Bereich des Jurameeres. Im Unteren Lias wurden grobkörnige Sandsteine abgelagert. Die mergeligen Kalke des Lias gamma und vor allem der blaugraue Amaltheen-Ton (Lias delta) sind aufgrund der reichen Fossilführung bekannt. Auch die Posidonien-Schiefer des Schwarzjura epsilon enthalten viele äußerst gut erhaltene Fossilien. Der Posidonienschiefer entstand im sauerstoffarmen Milieu. Interessant ist, daß diese Tonsteine relativ viel Erdöl enthalten, das im letzten Krieg auch abgebaut wurde; er ist also ein echtes Erdölmuttergestein. Die fossilreichen Jurensis-Mergel sind die obersten Schichten des Schwarzjura. Sie enthalten viele kleine, aber gut erhaltene Ammoniten.

fränkisches Erdöl

Im Braunen Jura (Dogger) entstanden Schelfmeer-Bildungen, deren vorherrschend braune Gesteinsfarbe von feinverteilten Eisenverbindungen hervorgerufen wird. In der untersten Doggerstufe, dem Opalinuston, tritt das Eisen in den Tonen noch in Form von Pyrit auf. Im darüberliegenden Eisensandstein (Dogger beta) kommen bereits Eisenerzflöze vor. Die Eisensandsteine wurden früher gerne als Baumaterial verwendet. Aus dem Oberen Braunjura (Dogger gamma bis zeta) stehen Oolithkalke und -mergel sowie als oberste Doggerschicht der Ornatenton an. Dieser Schichtabschnitt ist auch durch ein Auftreten von oft vorzüglich erhaltenen Versteinerungen gekennzeichnet.

Juraschichten im Steinbruch Sengenthal/Opf. Stratigraphie der Juraschichten im Steinbruch Sengenthal/Opf.

Der Weiße Jura (Malm) ist die klassische "Formation" der Kalke und Dolomite. Verkarstung und damit verbundene Höhlenbildung prägen in eindrucksvoller Form die Malm-Landschaft. Die verkarsteten Malmgesteine reichen von den hellen Mergeln und Mergelkalken des untersten Malm alpha bis zu den Riffdolomiten des Malm zeta. Diese hellen Mergel, Kalke und Dolomite bilden das Dach der Frankenalb.

Die hellen bis weißen Gesteinsfarben des Malm sind bedingt durch das starke Vorherrschen von Carbonatgesteinen. Wechseld starke Tonanteile in den Kalken bewirken eine Wechselfolge von Mergeln, Mergelkalken, Kalkmergeln und Kalken: Bei einem hohen Tonanteil herrschen graue Gesteinsfarben vor; je reiner der Kalk ist, umso mehr tendiert seine Farbe zu Weiß. Generell nimmt der Tonanteil in den Karbonaten vom Unteren zum Oberen Malm ab: Die reinsten Kalke finden sich im obersten Malm.

Abgelagert wurden diese mächtigen Kalke und Mergel am Grund eines flachen und warmen Schelfmeeres, das damals Süddeutschland bedeckte und das im Süden mit dem großen und tiefen "Ur-Mittelmeer", der Tethys, in Verbindung stand. Neben den geschichteten, Ammoniten und Saurierreste führenden Kalken und Mergeln wuchsen auf Schwellen am Meeresboden Kalkschwämme, die im Lauf der Jahrmillionen große Schwammriffe mit Algenkrusten bildeten.

fossiles Riff: der "Müllersfelsen" bei Streitberg/Ofr.

Wahrscheinlich schon während des obersten Jura wurden die oberen Bereiche der Malmschichten -- und hier vor allem die Riffkalke -- durch Zufuhr von Magnesium in Dolomit (den sogenannten Frankendolomit) umgewandelt. Diese mächtigen Riffdolomite bauen zusammen mit den tafelbankigen Dolomiten die charakteristische Kuppenlandschaft des Albhochlandes auf. Vieles deutet darauf hin, daß die Dolomitkuppen schon im subtropischen Klima der älteren Kreidezeit aus dem umgebenden Gestein herauspräpariert wurden. An Steilhängen zeigen sich die massigen Riffdolomite heute als schmutziggraue, blockartig zerlegte Felstürme mit glatten Wänden.

freigelegter Kegelkarst in Tüchersfelden/Ofr.

Die Verkarstung

Die Weißjuragesteine unterliegen seit der Kreidezeit, also seit 135 Mio. Jahren, der Verkarstung. Der Name "Karst" wurde von der Bezeichnung des östlichen Hinterlandes von Triest (Slowenien) abgeleitet, in welchem auch ein geologisch ähnlich aufgebautes Kalkgebirge auftritt. Bemerkenswert ist, daß der Fränkische und Oberpfälzer Jura das größte und das am frühesten durchforschte Karstgebiet Deutschlands ist. Generell versteht man in der Geologie unter der Verkarstung die Auflösung vor allem von Kalk- und Dolomitgesteinen (aber auch Stein- und Kalisalzen, Anhydriten, Gipsen sowie des kalkreichen Löß) durch das mit (aus der Luft und aus dem Oberboden stammende) Kohlendioxid angereicherte Niederschlagswasser. Die so gelösten Stoffe werden dann mit dem Wasser zum geringen Teil oberirdisch, in der Hauptsache aber unterirdisch abgeführt. Jedes Karbonatgestein enthält auch unlösliche Bestandteile, die bei der Lösung als Rückstände übrigbleiben. Sie können an der Erdoberfläche allmählich angereichert werden und bilden dann meist eine lehmige Decke. Bei einer solchen Lehmüberdeckung der Gesteine spricht man vom "bedeckten" Karst, im Gegensatz zum "nackten" Karst, bei welchem das Gestein offen zutage liegt. In der Frankenalb gab es -- neben dem heute noch in Weiterbildung befindlichen Karstsystem -- noch mindestens zwei ältere Verkarstungsphasen, deren Karstsysteme heute zwar großenteils fossilisiert sind, jedoch auf die rezent ablaufenden Vorgänge einen nicht unerheblichen Einfluß ausüben.

In der Unterkreide wurde Süddeutschland tektonisch gehoben; Unser Gebiet wurde Festland und es kam es unter feuchttropischen Klimaverhältnissen zur Ausbildung des typischen Kegelkarstes. Die Malmtafel wurde sehr stark verkarstet und abgetragen. Damals entstanden die Poljen sowie ausgedehnte, tief in den Untergrund hinabreichende Höhlensysteme. Die meisten Höhlen der Frankenalb wurden damals bereits angelegt und auch die meisten Hohlraumsysteme, denen die rezenten Karstwässer folgen und die sowohl die Trockental sowie die Dolinenbildung steuern, gehen auf diese erste Verkarstungsphase zurück. Die Auswirkungen der Verkarstung machen sich in Trockentälern, Karrenbildungen, Dolinen, Höhlen und letztlich auch in der rezenten Wasserarmut auf der Albhochfläche bemerkbar.

Rekonstruktion der Transgression des obercretazischen Meeres in den Kegelkarst der späteren Frankenalb Das obercretazischen Meer im Kegelkarst der späteren Frankenalb

Mit dem Beginn der Oberkreide setzten Meereseinbrüche aus dem Ostalpen-Karpathenraum nach Ostbayern ein. Der erste Meeresvorstoß im Untercenoman folgte wahrscheinlich einer nur schmalen Erosionsfurche längs der Pfahlzone und drang bis in die Gebiete der heutigen Mittleren und Nördlichen Oberfalz, vielleicht sogar bis nach Hollfeld vor. Die Oberkreide-Sedimente verschütteten das Unterkreide-Karstrelief vollständig. Mit dem Eintritt des Untercenoman-Meeres in die Täler des Juragebirges stieg auch der Karstwasserspiegel in der Malmtafel an. Hier kam es zum Abtransport der in den Höhlen lagernden, eisenreichen Verwitterungsmassen in die wassererfüllten Poljen, in die meeresüberfluteten Täler am Jura-Ostrand sowie in die Oberpfälzer Bucht.

Schema des "bedeckten Kegelkarstes"

Am Ende der Oberkreide zog sich das Meer wieder zurück. Unser Gebiet wurde Festland, und es begannen die Abtragungsprozesse, welche bis heute andauern. Bereits im Alttertiär setzte -- unter tropischen Klimabedingungen -- flächenhafte Korrosion und erneute Verkarstung der Malmtafel ein. Im Laufe der Jahrmillionen wurden durch die ständig fortschreitenden Erosions- und Korrosionsvorgänge die Oberkreidesedimente immer mehr abgetragen, so daß das unterkretazische Relief teilweise wieder freigelegt und auch weiter erodiert sowie korrodiert wurde.

Von den höherliegenden kretazischen, zeitweise reaktivierten, dann wieder trockengefallenen Höhlensysteme blieben teilweise nur noch Reste erhalten, welche heute auf isolierten Bergkuppen liegen und oftmals nur noch ein dünnes Dach aufweisen. Die erste Anlage der heutigen (Trocken-) Talsysteme erfolgte vermutlich ab Miozän. Die nahezu vollständige Ausräumung der Kreidesedimente und somit die Wiederaufdeckung der unterkretazischen Malmkarstoberfläche erfolgte mit Beginn des Pliozäns. Die groben Züge der heutigen Landschaft entstanden bis zum späten Tertiär.

(?) kreidezeitl. Flußhöhle: Sonnenuhr bei Rinnenbrunn/Opf.

Das auffälligste Merkmal von Karstregionen ist das weitgehende Fehlen von oberirdischen Flüssen: Die Entwässerung dieser Landschaften erfolgt seit Jahrmillionen unterirdisch. Die Niederschläge versinken in den Klüften und Spalten der Karbonatgesteine, wobei sich diese Trennfugen im Gebirge ständig unter der Einwirkung des im Niederschlagswasser enthaltenen Kohlendioxids erweitern und im Laufe von Jahrtausenden zu teils beträchtlichen unterirdischen Hohlräumen werden. Durch das Zusammenspiel von ober- und unterirdischer Auflösung und Entwässerung entstand auf den Kalk- und Dolomitgesteinen in Jahrmillionen die reizvolle und kleinräumige Karstlandschaft des Fränkischen und des OberpfäIzer Jura. Diese ist durch eine Fülle von besonderen Geländemerkmalen gekennzeichnet, die kurz beschrieben werden sollen:

Auf den Hängen ätzen die herabrinnenden kohlendioxidreichen Regen- und Schneewässer parallele, durch scharfe Grate voneinander getrennte Furchen in die Kalk- und Dolomitgesteine. Diese Karren sind also Lösungsrinnen, die durch das hangabwärts abfließende Niederschlagswasser (Rillenkarren) oder durch oberflächennahes Aufweiten von Gesteinsklüften (Kluftkarren) entstehen. Es bilden sich bizarre Kannellierungen, Rinnen, Näpfe und tiefe Klüfte; dazwischen blieben teils messerscharfe Grate, teils breite Tafeln stehen. Durch die weitere Korrosion der kohlendioxidreichen Wässer wurden die Klüfte zu den sog. Karrenbrunnen oder auch zu ausgeprägten, manchmal mehrere hundert Meter tiefen Schachthöhlen erweitert. Karren kommen vor allem bei harten und reinen Kalken vor. In Dolomiten ist die Karrenbildung auf Kluftkarren beschränkt. Hohlkarren sind Formen der unter Vegetationsbedeckung erfolgten Weiterbildung von Rillenkarren. Unregelmäßige Löcher und Vertiefungen (sog. "Opferschüsseln", wie sie z.B. im "Druidenhain" bei Wohlmannsgesees/Ofr. zu beobachten sind) -- entstanden durch Lösung unter einer Vegetationsdecke.

"Opferschüssel"; Druidenhain bei Wohlmannsgesees/Ofr. "Kluft- und Hohlkarren"; Druidenhain bei Wohlmannsgesees/Ofr.

Die Karsthochfläche ist gebietsweise von Lösungstrichtern, den Dolinen, übersät. Dolinen (slowenisch "dolina" = Tälchen) sind flache und trichterförmige Geländemulden mit unterirdischem Abfluß. Ihr Durchmesser reicht von wenigen Metern bis zu einigen Hektometern und entsprechender Tiefe. Übergänge gibt es zu den steilwandigen Karstschloten ("Jamas").

Aus mehreren, einst selbständigen Dolinen können große Formen ("Uvalas") zusammenwachsen. Die Dolinen entstehen in verkarstungsfähigen Gesteinen vor allem dort, wo etwas leichter verwitterbare dünnbankige Kalke vorliegen, und zwar an den Stellen, an denen das Niederschlagswasser bevorzugt in den Untergrund eindringen kann, so vor allem über den Kreuzungspunkten von Gesteinsklüften und in Störungszonen. Zur Bildung von Dolinen müssen zuerst große Kalkmengen gelöst werden; weil hierzu viel Wasser nötig ist, haben sie in der Regel ein großes oberirdisches Wassereinzugsgebiet.

Doline bei Birkenreuth/Ofr. "Uvalas"

Zuerst entstehen so Lösungsdolinen, später können sich hieraus steile Karstschlotten entwickeln. Die Lösungsdolinen kommen im nackt zutageliegenden Fels vor, die Nachsackungsdolinen treten im durch Rückstandslehme bedeckten Karst auf. Schwemmlanddolinen -- trichterartige Karsteintiefungen unter einer Lehmdecke -- bilden sich durch Setzungsvorgänge der Lehmdecke über einem ausgelaugten Untergrund.

Fellner-Doline bei Gössweinstein Fellner-Doline bei Gössweinstein

Die Einsturzdolinen entstehen durch das Einbrechen einer Höhle im Untergrund; sie entsprechen dem "Erdfall" der Ingenieurgeologie und stellen ein erhebliches Gefahren- und Schadenspotential für die allgemeine Flächennutzung, insbesondere für Bauwerke und Verkehrswege dar.

Erdfall bei Münchs, (Gemeinde Betzenstein, Nördl. Frankenalb) Erdfall bei Münchs, (Gemeinde Betzenstein, Nördl. Frankenalb)
Erdfall bei Moggast, (Gemeinde Ebermannstadt, Nördl. Frankenalb) Erdfall bei Moggast, (Gemeinde Ebermannstadt, Nördl. Frankenalb)

Charakteristisch für die unterirdische Entwässerung von Karstgebieten sind die zahlreichen Versickerungsstellen und "Schlucklöcher" (Ponore), in welche nicht nur kleine, periodisch auftretende Rinnsale, sondern ganze Bäche und Flüsse in die Tiefen des Gebirges hineinströmen oder -stürzen und von dort den unterirdischen Wasserläufen zuströmen. Viele Dolinen wirken als Ponordolinen: Im nördlichen Pegnitzgebiet wirken von 550 kartierten Dolinen 76 als periodisch tätige Ponore.

Ponor-Einbruch des "Speckbaches" bei Auerbach/Opf.

Die Ponorhöhlen stellen ständig oder periodisch aktive Wasserhöhlen dar. Liegen sie oberhalb des Vorfluterniveaus, besitzen sie meistens ein oberirdisches Einzugsgebiet, aus dem das Niederschlagswasser über einen der Höhle vorgelagerten Ponorgraben in diese hineinströmt und am Höhlenende über offene Klüfte oder Schächte in den Tiefen des Gebirges versinkt. Bei einer -- wie am "Wasserberg" bei Pegnitz/Ofr. -- im Vorfluterniveau liegenden Ponorhöhle versinkt ein oberirdisches Fließgewässer im Gebirge und wird somit zum Höhlenfluß oder -bach. Ein typisches Beispiel für eine Ponorhöhle und somit für die Oberflächenentwässerung im Karst stellt das Hohlloch bei Hamberg (Ldkr. Neumarkt/Opf.) dar. Der Höhleneingang des "Hohllochs" befindet sich am Grund einer trichterförmigen Doline. Während der Schneeschmelze oder bei starken Niederschlägen sammelt sich das Wasser in dieser Geländemulde und fließt durch den Höhlengang in einen Schacht, in dem es in die tiefergelegenen Karsthohlräume weitergeleitet wird. Dieses Wasserableitungssystem, das in dieser oder ähnlicher Weise überall auf der Karsthochfläche ausgebildet ist, ist im Schacht des Hohlloches zwar teilweise mit Schlamm- und Gesteinsmassen zugefüllt; trotzdem versickert auch heute noch das Niederschlagswasser schnell in der Schachtauffüllung, vereinigt sich in der Tiefe mit anderen Karstwasserströmen und tritt nach kurzer Zeit im Tal wieder als Quelle zutage.

Ponorhöhle

Die größten Karsthohlformen sind die Poljen. Dies sind langgestreckte, geschlossene Bodensenken mit Größen zwischen 5 und 50 km2; sie entwässern stets unterirdisch und sind -- besonders in den Dinariden -- im Frühjahr durch temporär auftretende Seen erfüllt. Ihre Entstehung entspricht prinzipiell jener der Dolinen; bei der Genese von Poljen kommt aber zur Karstgesteinsauflösung durch kohlendioxidreiche Niederschlagswässer noch die Carbonat-Erosion und -Korrosion durch Höhlenflüsse im Karstkörper hinzu. Als "fossile Poljen" in der Frankenalb können die große Polje in der "Central impact area" im Truppenübungsplatz Grafenwöhr und jene im Gebiet um Königstein angesehen werden.

Karsthydrographisch können in der Frankenalb drei Hauptwasserwege unterschieden werden:

1.) Die tief eingeschnittenen, teils "canyonartigen" Haupttäler mit perennierenden Flüssen,

2.) die ausgedehnten, nur zur Schneeschmelze oder nach Starkniederschlägen wasserführenden Trockentalsysteme auf den Höchflächen und

3.) das im Gebirgskörper ausgebildete Trennflächengefüge, welches mittelbar die Entstehung der wasserwegsamen Karstphänomene (z.B. Höhlen, Ponore, Dolinen, Karstquellen) sowie die Anlage der (Trocken-) Täler bedingt hat.

canjonartiges Flußtal bei  Pottenstein/Ofr. Trockental bei Wolkenstein/Ofr.

Die wasserführenden Haupttäler der Frankenalb sind tief in das Karstgebirge eingeschnitten und stehen mit ihren Wasserreichtum im krassen Gegensatz zu den wasserlosen Hochflächen der Alb. Die Haupttäler markieren im tiefen Karst das Vorfluterniveau: Hier tritt das im umliegenden Karstgebirge strömende Wasser über teils starke Karstquellen wieder zu Tage.

Die in der Frankenalb stark ausgeprägten Trockentalsysteme sind auf das heutige Gewässernetz hin ausgerichtet; sie sind wesentlich engmaschiger als die heutigen Talnetze der benachbarten nichtverkarsteten Gebiete. Die Trockentäler zeigen alle geomorphologischen Formen fluviatiler Erosion. Ihre Ausformung erfuhren diese Trockentalsysteme unter eiszeitlichen Bedingungen durch die oberflächlich abfließenden Schmelzwässer über die -- durch Permafrost "plombierten" -- Karsthohlräume. Im Pleistozän existierten andere Formen und Ausbildungen der Seiten- und Tiefenerosion als heute. Über den periglaziären Dauerfrostboden konnten sich die Schmelzwasserströme nicht allzusehr in die Tiefe sägen, waren aber andererseits während der sommerlichen Tauperioden sehr wasserreich. Entsprechend dem zyklischen Klimagang im Quartär entstanden so in den Kaltzeiten Akkumulationen; in den Warmzeiten war wiederum Tiefenerosion möglich. Durch dieses Wechselspiel fluviatiler Akkumulations- und Erosionsvoränge können die verschiedenen geomorphologischen Kennzeichen der fränkischen Trockentäler -- wie lange, canjonartige Schluchten und flächige, kesselartige Ausbildungen -- schlüssig interpretiert werden.

Trockental bei Oberleinleiter/Ofr.

Die Trockentäler mögen in ihrer ursprünglichen Anlage ein wesentlich älteres, vor der jüngsten Talbildung bereits bestehendes Karstwasserentwässerungssystem zurückgehen. Viele Trockentäler münden heute "hängend" in das Vorflutertal. Sie verdanken ihr postglaziäres Trockenfallen auch den Verkarstungsvorgängen: ihre wasserarmen Gerinne haben der weiteren Einschneidung des Vorfluters nicht folgen können und sind heute in den Untergrund versunken. Der Abfluß aus den Trockentälern fand im Gebirge ein älteres Karstwasserentwässerungssystem vor, das nur reaktiviert zu werden brauchte; hierdurch läßt sich das "schlagartige" Trockenfallen dieser Talsysteme (das sich in den hängenden Talmündungen manifestierte) sowie die in den Tälern zu beobachtenden, oftmals "in Reihe auftretenden" Ponore erklären.

Die Verkarstung erweist sich in wasserwirtschaftlicher Hinsicht als sehr problematisch, da die Wasserfilterung im Karst denkbar schlecht ist. Durch Niederschlagswasser aus dem Boden ausgewaschene Schadstoffe -- wie Nitrate als Folge intensiver Felddüngung oder ausgebrachte Pestizide -- werden schnell und ohne wirksame Filterung in das Grundwasser eingebracht. In diesem herrschen nicht wie bei Porenwasserleitern wohldefinierte Wasserwegsamkeiten, besteht also keine langsame Durchwanderung, sondern der unterirdische Abfluß findet in offenen Klüften, Gängen und Schlotten sehr rasch statt. Das Grundwasser kann daher oft schon nach wenigen Tagen an Quellen ungefiltert wieder austreten. Deshalb ist es äußerst wichtig, in Karstgebieten auf einen strengen Grundwasserschutz zu achten.

aktives Karstwassergerinne

Das in den Untergrund des Karstgesteins einsickernde Niederschlagswasser ätzt dort die schmalen Gesteinsfugen und -klüfte zu klaffenden Spalten und Röhren aus: So entstehen im Lauf der Jahrtausende weitverzweigte Höhlensysteme, durch die das Karstwasser strömt. Diese unterirdischen Gerinne treten in tiefeingeschnittenen Tälern wieder als Karstquellen zutage, wobei deren Quellschüttungen in einigen Fällen bis zu mehreren tausend Kubikmetern pro Stunde betragen können. Ein schönes Beispiel für eine Karstwasserquelle ist die Springerquelle bei Brunn (nordöstlich Lauterhofen/Opf.): Sie ist als Quelltopf ausgebildet und schüttet -- je nach Karstwasserstand -- zwischen 200 und 1000 l/s.

Karstquelle

Höhlen markieren den unterirdischen Weg des Wassers von der Karstoberfläche zum Vorfluter. Große Teile der fränkischen Höhlensysteme wurde bereits in der Unterkreide angelegt; hier entstanden vor allem große Flußhöhlen, deren Reste heute u.a. als isolierte Höhlenruinen auf Bergkuppen zu beobachten sind. Bei jungen Höhlensystemen geht die Hohlraumbildung zunächst durch bloße Erweiterung von Klüften und Schichtfugen vonstatten. Die Gesteinsschichten liegen im Gebirge nie ungestört vor, sondern wurden meist mehr oder weniger stark über die Bruchgrenze hinaus tektonisch beansprucht. Sie stellen felsmechanisch ein Vielkörpersystem dar, das von Trennflächen durchzogen wird. Die Korrosion des CO2-reichen Wassers beginnt immer an diesen wasserwegsamen Trennflächen, so an Klüften und -- vor allem -- an evtl. vorhandenen Störungs- und Mylonitzonen. Sie führt zunächst zu Aufweitung dieser Gesteinsfugen; irgendwann werden diese Trennflächen so stark erweitert, daß das Wasser hierin abfließen kann.

Klufthöhle

Entscheidende Bedeutung für die fortschreitende Ausformung der Karsthohlräume hat das "Prinzip der Selbstverstärkung" (BEHRMANN 1919): Eingetiefte Wasserwege im Karstgebirge ziehen das Wasser regelrecht an, wodurch diese Hohlräume ständig und immer stärker erweitert werden. Häufig sind daher Kluft- (vertikal-elliptischer Querschnitt) und Schichtfugenhöhlen (horizontal-linsenförmiger Querschnitt). Höhlenerweiterungen wie "Dome" und "Hallen" entstehen durch das Wechselspiel von chemischer Auflösung und Nachbruch des Höhlendaches. Die weitere Entwicklung der Karsthohlräume bis zum Erdfallstadium hängt dann nur noch von der gesteinsspezifischen Verkarstungsanfälligkeit und der jeweiligen Menge an CO2-reichen Niederschlagswässern ab.

Höhlenhalle

Haben sich genügend große Höhlen-Querschnitte gebildet, durch die das Wasser fließen kann, können durch die Erosionskraft der Höhlenbäche tiefe Schluchten und steilwandige Canons geschaffen werden. In Höhlenabschnitten mit langsamen Wasser-Strömungsgeschwindigkeiten bilden sich oft Gangquerschnitte mit einem umgekehrten (oben engen und unten weiten) "Schlüssellochprofil". Durch diese Vorgänge entsteht in den Tiefen des Gebirges schließlich ein mitunter weitverzweigtes, labyrinthartiges System von wassererfüllten Gängen, wobei die unterirdischen Gerinne, Bäche und Flüsse -- nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren -- miteinander in Verbindung stehen. An Stellen, an denen Höhlenbäche mit unterschiedlichen Karbonatgehalten zusammenfliesen, treten Mischungskorrosions -Kolke vom Zentimeter- bis in den Meterbereich auf. Die unterirdischen Gerinne treten schließlich an einem Gebirgshang oder in einem Karsttal wieder als Pseudoquellen zutage.

Karstwasserspiegel

Im Laufe der Zeit sinkt durch die fortschreitende Verkarstung des Gebirges und weiteres Einschneiden der Täler das Vorfluterniveau und somit auch der Karstwasserspiegel in tiefere Höhenniveaus ab. Während in den Tiefen des Gebirges neue Höhlen gebildet werden, fallen die bislang wassererfüllten Höhlengänge trocken: Die trockengefallenen Höhlen weisen also auf das vorzeitliche, auf ein höherliegendes Vorfluterniveau eingestelltes Stadium der Karstwasserentwicklung hin.

fossile Karstwasserstands-Marken

Diese Höhlen werden nicht mehr aktiv weitergebildet: In ihrem Inneren wachsen oft vielgestaltige, teilweise bizarre Sintergebilde heran. Aus dem durch die Trennfugen herabsickernden, Hydrogencarbonat-gesättigten Wasser fällt Calciumcarbonat aus. Dieser Vorgang ist dadurch bedingt, daß beim Zusammentreffen der kalkhaltigen Sickerwässer mit der Höhlenluft eine Druckentlastung (und somit CO2-Entgasung) des Sickerwassers stattfindet und daß das chemische Gleichgewicht zwischen Höhlenluft-CO2-Gehalt und dem im Sickerwasser gelösten Calciumhydrogencarbonat gestört ist: Für die neuen Verhältnisse ist das Wasser mit Kalk übersättigt. Der Überschuß an Kalk fällt in fester Form aus, wobei im Laufe der Zeit vielfältige Tropfsteine, Wandversinterungen, Sintervorhänge, Tropfwasserbecken und (bei leichten Windbewegungen der Höhlenluft) bizarr verschlungene Excentriques entstehen.

Versinterung eines fossilen Karstwasserweges

trockengefallenes Karstwassergerinne

Die Entstehung der Tropfsteine kann so veranschaulicht werden: Das von oben einsickernde, mit gelöstem Kalk gesättigte Wasser sammelt sich an einem Punkt der Höhlendecke. Dort scheidet dieses Wassers etwas Calciumcarbonat aus; ein anderer Teil des Wassers tropft auf den Höhlenboden. Sowohl an der Höhlendecke als auch beim Auftreffen eines Wassertropfens am Höhlenboden wird der im Wasser gelöste Kalk wieder als Calzit ausgeschieden. So entstehen zunächst dünne Kalkröhren, die dann in langer Zeit zu Sinterablagerungen oder zu großen Tropfsteinen heranwachsen. Die von der Höhlendecke nach unten wachsenden Tropfsteine werden als Stalaktiten und die sich vom Höhlenboden nach oben ausbildenden Tropfsteine als Stalagmiten bezeichnet.

"Große Halle" in der Schönsteinhöhle bei Streitberg/Ofr.

Senkrecht gegenüberstehende Stalaktiten und Stalagmiten können nach langer Zeit regelrecht zusammenwachsen und mächtige Tropfsteinsäulen bilden. Die Tropfstein- und Sinterbildungen sind bisweilen sehr farbenprächtig: Weiße Farben deuten auf sehr reinen Calcit hin; gelbe bis rötlichbraune Färbungen werden durch Beimengungen von Eisenoxiden verursacht und graue bis schwarze Farben durch solche von Manganoxiden.

Wandsinter

Höhlensee

Schließlich beginnt das Greisenalter der Höhlen: Durch fortschreitende Verwitterung und Gesteinskorrosion können Partien der Decken und Wände einstürzen; die Höhlenböden werden rasch von großen Block- und Verbruchshalden bedeckt oder es findet gar durch die Einschwemmung von Sedimenten eine teilweise Wiederverfüllung statt. Bei oberflächennahen Höhlen bricht nicht selten die gesamte Decke bis zur Erdoberfläche durch, wobei letztlich eine steilwandige Einsturzdoline entsteht. Mit fortschreitender Abtragung des Gebirges zeugen manchmal nur noch kleine, isoliert im Gelände stehende Höhlenruinen von einem uralten, ehemals weitverzweigten Hohlraumsystem.

Höhlenruine "Schwingbogen" bei Streitberg/Ofr.

Die Albüberdeckung

Große Teile der Albhochfläche werden von lehmig-toniger Überdeckung eingenommen. Unter der Albüberdeckung liegen oft die sog. Schutzfeldschichten aus der Kreidezeit: Sie bestehen aus bunten, gelegentlich sandigen bis kaolinitischen Lehmen. Ihr Auftreten vor allem in den Karstwannen beweist, daß unsere Karstlandschaft zumindest teilweise in der Unterkreidezeit entstand und damit über 100 Mio. Jahre alt ist. In der Oberkreide wurden (unter lateritischen Verwitterungsbedingungen) auch die Farberden gebildet, die u. a. bei Amberg, Pommelsbrunn und Betzenstein -- bis in die Neuzeit hinein -- abgebaut wurden.

Die lehmig-tonige Albüberdeckung entstand unter dem tropischen Klima des Tertiärs durch die Verwitterung von Malmkalken und -mergeln. Die Lehme der Albüberdeckung wurden während der Eiszeiten durch Vorgänge des Bodenfließens (Solifluktion) umgelagert und mit geringer verwitterten Malmrückständen und Kreideresten vermischt. Heute lagern die meist 5 bis 15 m mächtigen Albtone und -lehme größtenteils über gebankten Kalken und greifen nur selten über die Dolomitvorkommen hinweg. Sowohl die Schutzfeldschichten als auch die Tone der Albüberdeckung wirken als wasserstauende Horizonte, auf denen sich das Niederschlagswasser in kleinen Tümpeln sammelt. Nur an den Stellen, an denen diese wasserundurchlässigen Schichten auftraten, konnten früher die Bewohner der Albhochfläche ihre Ortschaften gründen, da dort durch die sog. "Hüllen" eine -- wenn auch geringfügige -- Wasserversorgung gewährleistet war.

In den Lehmen und Tonen der Albüberdeckung finden sich regional -- in stark wechselnder Konzentration -- rotbraune bis schwarze, erbsen- bis bohnenförmige Erzkügelchen bis etwa 2 cm Durchmesser. Diese sogenannten Bohnerze sind Brauneisenerz-Konkretionen, die ihre Entstehung einer Eisenerzausfällung aus Verwitterungslösungen im Boden verdanken. Wahrscheinlich bereits von der Hallstattzeit ab (ca. 500 v. Chr.) wurden diese Bohnerze in vielen Erzschürfen abgebaut und zu Eisen verhüttet.

Bohnerze

Wenn man bedenkt, daß die Erfindung der Eisenverhüttung und -verarbeitung bis hin zum Stahl auch in unserer Zeit bestimmend für Arbeit, Wirtschaft und Kriegsführung geblieben ist, wird erst bewußt, welchen wichtigen Schritt die Verwendung dieses Materials in der Menschheitsgeschichte bedingt hat. Aufgrund der vergleichsweise geringen Qualität des auf der Albhochfläche anstehenden Eisenerzes dürfte es jedoch als Handelsprodukt wohl keinen großen Absatz gefunden haben. Vielleicht ist dies auch der Grund dafür, daß die vor- und frühgeschichtliche Bevölkerung der Frankenalb offenbar keinen allzu großen Wohlstand besaß.

Das Quartär

Vor etwa 2 Mio. Jahren machte sich in den Polargebieten der Erde eine durchgreifende Temperatur-Abkühlung bemerkbar, welche zu einem zyklischen Klimagang führte. Er ist gekennzeichnet durch einen Wechsel von Kaltzeiten (Glazialen) und Warmzeiten (Interglazialen) des Pleistozäns. Nach einem längeren Zeitraum, in welchem diese Zyklen noch weniger deutlich sind, entwickelte sich das Eupleistozän, das im Alpengebiet durch die Eiszeiten Günz, Mindel, Riß und Würm gekennzeichnet ist. Die Frankenalb lag zwischen den Alpengletschern im Süden und dem nördlichen Inlandeis; hier erstreckte sich also eine Tundra und Kältesteppe ähnlich dem heutigen Sibirien. Tiefreichende Wechselgefrornis über einem Dauerfrostboden arbeitete die Gesteinshorizonte auf, und der im Sommer stark wasserhaltige Boden wanderte als Fließerde und Blockschutt die Hänge herab. Lang anhaltende, eisige Winde verwehten das verwitterte Gesteinsmaterial als Flugsand oder Löß und lagerten es in geschützter Position wieder ab. Im letzten Abschnitt der Erdgeschichte, dem nur 10.000 Jahre langen Holozän, entstanden Flugsandablagerungen und Dünen.

Inmitten der kahlen Tundrenlandschaft war im Pleistozän auch die Wasserführung der Flüsse anders als heute: Über dem Dauerfrostboden konnten sie sich nicht in die Tiefe sägen, waren aber während der Auftauperioden im Sommer sehr wasserreich. Entsprechend dem zyklischen Klimagang entstanden so in den Kaltzeiten in den Tälern Akkumulationen. In den Warmzeiten war wiederum Tiefenerosion möglich.

Die Nacheiszeit, das Holozän, entspricht im Grunde einer Interglazialzeit. In dem während Jahrtausenden allmählich wärmer werdenden Klima siedelten sich erst Flechten und Moose, später Büsche und Bäume in unserem Gebiet an. Damit war auch die Möglichkeit zur Besiedelung durch die Menschen gegeben. Im 16. vorchristlichen Jahrhundert, im sogenannten Subboreal, führten die meisten Trockentäler der Albhochfläche noch Wasser, was im übrigen einige von ihnen bis in das Mittelalter hinauf taten. Die heutigen Flußtäler waren damals überwiegend versumpft und zur Dauerbesiedlung nicht geeignet. Die relativ gute Wasserversorgung der Albhochfläche war einer der Hauptgründe für ihre damalige dichte Besiedlung; so befinden sich beispielsweise die Überreste der Siedlungen aus der Hügelgräberbronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) häufig oberhalb der ehemaligen Quelltöpfe in den heutigen Trockentälern.

Wohl von der frühen Hallstattzeit (ca. 750 v. Chr.) ab besiedelten die Kelten unser Gebiet. Die Bauern und Krieger dieses Volkes kultivierten nach fast schon modern anmutenden Methoden das Land, bauten auf den Dolomitkuppen der Alb beeindruckende Höhenfestungen und hinterließen die ersten bis heute erhaltenen religiösen Bauten, die sog. Vierecksschanzen.

zur Page "Houbirg bei Happurg"Die vorgeschichtlichen Menschen bauten -- ebenso wie ihre Nachfahren im Mittelalter -- die in Kriegszeiten notwendigen Befestigungen bevorzugt auf beherrschenden Höhen über weitem, flachem Land oder über größeren Wasserläufen bzw. längeren Talzügen. Hierzu eigneten sich vor allem die Zeugenberge im Albvorland (z.B. Ehrenbürg bei Forchheim, Staffelberg bei Staffelstein, Buchberg bei Neumarkt/Opf.) und die schroff aufragenden Riffdolomitbastionen der Albhochfläche (z.B. die "Houbirg" bei Happurg/Nürnberger Land). Auch der aus Riffdolomit bestehende Alte Schloßberg bei Burggaillenreuth/Ofr. trägt einen vorgeschichtlichen Ringwall, der eine etwa 2 ha große Innenfläche umschließt.

frühkeltischer Bronzering

Viele Karsthöhlen dienten von der Jungsteinzeit über die Bronze- bis zur Eisenzeit den Menschen als Begräbnis- und wohl auch als Opferstätten. Pittoreske Schachthöhlen wie die Espershöhle bei Leutzdorf/Ofr. wurden von den vorgeschichtlichen Menschen als Kult- und Opferplätze genutzt: Vermutlich waren diese natürlichen Schächte chthonischen (=unterirdischen) Gottheiten sowie der Welt der Verstorbenen geweiht, bezogen sich also auf die "Unterwelt".

Archäologische Grabungen (z.B. in der Jungfernhöhle bei Tiefenellern/Ofr.) förderten u.a. umfangreiches Fundmaterial zutage wie Steinwerkzeuge, Bronzeschmuck, Knochengeräte und Tongefäße. Problematisch erscheinen die hier wie an vielen anderen Stellen gefundenen menschlichen Schädel- und Skelettreste, so auch die von Kindern: Sie scheinen darauf hinzudeuten, daß unsere (prä-)keltischen Vorfahren anscheinend (rituellen?) Kannibalismus betrieben.

Jungfernhöhle bei Tiefenellern

Höhlen waren ja nie leidlich bequeme oder naheliegende Unterkunftsräume für die vorgeschichtlichen Menschen, sondern sie wurden schon in frühester Zeit ausgesprochen kultisch genutzt. Von dem Zeitpunkt an, an welchem der Mensch den Bau selbständiger Unterkünfte beherrschte, in denen man bequemer und gesünder leben konnte, nutzte er die Höhlen trotzdem als Kulträume weiter. Auch das heutige Aufstellen von Heiligenbildern in Höhlen und auch die vielfache Einrichtung von Lourdesgrotten ist ohne eine gewisse, wenn auch nur unbewußte Überlieferung aus diesen vergangenen Zeiten nicht denkbar. Hingegen sind die in vielen Karsthöhlen angetroffenen, bereits versinterten Extremitätenknochen, Schädel- und Rippenfragmente sowie Backen- und Reißzähne von Höhlenbären darauf zurückzuführen, daß sich in der Eiszeit die Bären, wenn sie ihr Ende nahen fühlten, in die Höhle zum Sterben zurückzogen und die Knochen nach ihrem Tod auf natürliche Weise in tiefergelegene Höhlenteile geschwemmt wurden.

Zu den jüngsten geologischen Ablagerungen in der Frankenalb zählen die Quellkalke des Holozän. Diese Quellkalke treten meist an den kalkreichen Karstquellen an der Grenze Malm alpha/beta oder -- etwas seltener -- an der Grenze Dogger/Malm ("Ornatenton-Quellhorizont") auf. Durch CO2-Abgabe (infolge Druckentlastung, Wassererwärmung und CO2-Aufnahme von Pflanzen) wird aus den harten Quellwässern Kalk ausgeschieden. Diese Quellkalke bilden in Nebentälern -- wie im Lillachtal östlich von Dorfhaus/Ldkr. Forchheim (Nördliche Frankenalb) -- buckelförmige Lager ("Gehängetuffe"), Talfüllungen ("Bachtuffe") oder amphitheaterähnliche Talabschlüsse. Wegen ihrer leichten Verwendbarkeit als Baumaterial haben diese Kalktuffe schon früh die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen.

Kalktuffterrassen der Lillach bei Weissenohe Kalktuffterrassen der Lillach bei Weissenohe

Zu den auffälligsten, aber nur selten auftretenden Quellkalkvorkommen zählen die sogenannten Steinernen Rinnen. Eine derartiges Naturdenkmal ist u.a. an der "Steinerne Rinne südlich Erasbach" in der Nähe von Berching/Opf. zu beobachten. Hier entspringt an einer Quelle unterhalb der Dogger/ Malm-Grenze ein kleiner Bach; von der Quelle ab fließt er auf über 50 m Länge in einem natürlich entstandenen, etwa 0,5 m hohen Travertindamm. Dieser Damm wurde von dem Bach in langer Zeit selbst geschaffen: Dem an der Bachquelle austretenden kalkreichen Malmwasser wurde das Kohlendioxid entzogen, wodurch beständig beiderseits des kleinen Baches der im Wasser gelöste Kalk ausfiel. So entstand zuerst ein kleiner Travertindamm, auf dem der kleine Bach floß. Im Laufe von vielen Jahrzehnten wuchs -- aufgrund der beständigen Kalkausfällung aus dem Bachwasser -- der Damm immer mehr in die Höhe. Schließlich kann eine Dammhöhe von über 1 m und eine Länge von mehr als 100 m erreicht werden: Eine derartige "Steinerne Rinne" hat beispielsweise der Rohrbach bei Weißenburg geschaffen.

"Steinerne Rinne"

Die bewaldete Albhochfläche wurde wohl bereits vom frühen Mittelalter an durch Eingriffe von Menschenhand zur heutigen Karstlandschaft: Die Wälder wurden großenteils abgeholzt und die Flußtäler künstlich entwässert, so daß auch in den Tälern Siedlungen entstehen konnten. Mit dieser zunehmenden, teils natürlichen, teils künstlichen Entwässerung sank jedoch auch der Grundwasserspiegel im Juragebirge stark ab. Die Folge war, daß die Albhochfläche anthropogen immer mehr verkarstete und die Quellen in den höhergelegenen Talsystemen versiegten, diese Täler also zu Trockentälern wurden. Die Lebensverhältnisse auf der Albhochfläche wurden so -- durch den immer größer werdenden Wassermangel -- immer ungünstiger, während in den tiefgelegenen Flußtälern durch die Entwässerung der vermoorten Böden stets mehr fruchtbares Land gewonnen wurde.

Karstlandschaft bei Pottenstein/Ofr.

Die Folgen der Verkarstung

Die intensiven Verkarstungserscheinungen in den Kalken, Mergeln und Dolomiten der Weißjuraschichten bedingten eine extreme Wasserarmut auf der Alb, unter der die Bevölkerung auf der gesamten Albhochfläche jahrhundertelang zu leiden hatte. Überwiegend wird die Karsthochfläche aus stark wasserdurchlässigen Dolomitkuppen aufgebaut, die durch große Trockentalwannen getrennt sind. Infolge der Verkarstung der Kalk- und Dolomitgesteine versickert hier das Niederschlagswasser schnell im Untergrund. Die Böden der Karstwannen bestehen neben den braunen Alblehmen vielfach aus bunten, oft leuchtend roten, grobsandigen Lehmen der sog. Schutzfeld-Schichten aus der Kreidezeit. Die Ortschaften auf der Albhochfläche wurden bevorzugt auf diesen -- nur regional verbreiteten -- wasserstauenden Schichten angelegt: Hierdurch war es möglich, sogenannte Hüllen anzulegen, in denen das Oberflächenwasser in Tümpeln gespeichert wurde. Diese Hüllen dienten zur Minimaldeckung des Wasserbedarfs von Mensch und Tier. Weiterhin wurde das Regenwasser von den Hausdächern in Zisternen aufgefangen. Eine Rohrnetz-Wasserversorgung für die Ortschaften gab es bis vor etwa 50 Jahren noch nicht.

"Hüll" in Moggast/Ofr.

Eine Folge dieser harten Lebensbedingungen und der ständigen Wassernot war die geringe Bevölkerungsdichte auf der Karsthochfläche: Während 1936 im Deutschen Reich durchschnittlich 136 Menschen pro km2 lebten, betrug beispielsweise die Einwohnerdichte im Karstgebiet zwischen Schwarzer Laaber und Lauterach/Opf. nur etwa 20 Menschen/km2 und in Teilen des Bezirksamtes Parsberg sogar nur 14 Einwohner pro km2. Das in seiner Qualität sehr schlechte Wasser aus Zisternen und Hüllen führte darüber hinaus auch zu einer erschreckend hohen Säuglingssterblichkeit: Nach Berichten des Gesundheitsamtes Parsberg lag sie im Jahre 1906 bei 42 Prozent, im Jahre 1915 bei etwa 37 Prozent und verringerte sich bis zum Jahre 1936 auf lediglich rund 30 Prozent. Die Stellungnahmen des Bayerischen Landesamtes für Wasserversorgung zu der geplanten Fernwasserversorgung vermittelten erschreckende Eindrücke von der damaligen Wassernot der Bevölkerung auf der Albhochfläche:

"... auf den Höhenzügen und an deren Abhängen treten oft Felsen zutage; zwischen den Höhenzügen liegen sogenannte Trockentäler, die vollständig wasserlos sind, weil der Grundwasserspiegel erheblich tiefer liegt. Erst die Sohle der noch stärker eingeschnittenen Bachtäler führt Grundwasser, das selten als Quelle austritt. Im ganzen Gebiet wie auch in den übrigen nicht durch Wasserleitungen versorgten Jura herrscht eine erschreckende Wasserlosigkeit. Die Bevölkerung muß jeden Tropfen Regenwasser mühsam in Zisternen und offenen Wasserlöchern sammeln. In einem Ort befindet sich ein Feuerweiher, der zugleich Viehtränke ist. Die Speisung erfolgt durch Regenwasser und aus den umliegenden Dungstätten. Das Wasser ist deshalb jaucheartig. Bei den Anwesen befinden sich zumeist Zisternen, in denen das Dachwasser gesammelt wird, das eine ähnliche Farbe hat. In den meisten anderen Orten sind die Gemeinschaftshüllen so angelegt, daß sie nicht nur vom Regenwasser, sondern auch von den Dungstätten gespeist werden können, damit, wie sich ein Anwesenbesitzer ausdrückte, ja kein Tropfen verlorengeht. Wenn das Regenwasser zu Ende geht, muß das Wasser für Mensch und Vieh von weither aus den Bächen geholt werden. Dabei sind steile Höhenzüge auf schlechten Wegen zu überwinden. Jede Fahrt beansprucht fünf Stunden. Hat jemand kein Fuhrwerk, muß er für die Fuhre 7 bis 8 Reichsmark bezahlen. Die Folgen dieser Wasserarmut sind offensichtlich. Die Bevölkerung ist stark verschuldet, sieht ärmlich und abgearbeitet aus. Ebenso wie ihre Behausungen sind auch ihre Ortschaften verschmutzt. Die Gegend wird deshalb auch "Sibirien" genannt. Das Vieh ist klein, abgemagert und über den Durchschnitt abgearbeitet. Bewohner, Vieh und Gegend machen einen trostlosen Eindruck..."

Im Gebiet von Hohenfels/Opf. wurden die Baukosten für eine projektierte Wasserversorgungsanlage -- wegen der dünnen und zersplitterten Besiedlung und der dadurch bedingten großen Ausdehnung des Rohrnetzes -- auf die damals immense Summe von 3,6 Millionen Reichsmark veranschlagt. Da diese Geldsumme durch staatliche Zuschüsse nicht zu finanzieren war und auch die meist stark verschuldeten Bauern zur Deckung der Baukosten nicht herangezogen werden konnten, wurde dieses Gebiet 1938 ausgesiedelt und als Truppenübungsplatz für die Wehrmacht ausgewiesen. Nach dem Kriege erfolgte die Erweiterung durch die nunmehr hier stationierten amerikanischen Truppen bis auf die heutige Größe.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Bevölkerung der Frankenalb einen beträchtlichen wirtschaftlichen Aufschwung v.a. durch die starke Zunahme des Fremdenverkehrs und den hierdurch bedingten Ausbau der Infrastruktur. Heute präsentiert sich diese romantische Karstlandschaft als ein überwiegend wohlhabendes, gut erschlossenes Urlaubs- und Erholungsgebiet mit einer Vielzahl von Freizeitangeboten.

Luftkurort Pottenstein/Ofr.

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