Auswertung der Talrichtungen mit dem Programm "STEREONETT"

Für jede Streichlinie wurde der Winkel zwischen Nord und dem jeweiligen Streichen mittels Geodreieck ausgemessen, +90° hinzugezählt (=Einfallsrichtung!) und in eine MICROSOFT© EXCEL©-Tabelle eingetragen; als Einfallswinkel wurden in der EXCEL©-Tabelle jeweils ca. 85° bis 90° angenommen. In die dritte Spalte wurde stets ein "P" (für planar = Fläche) eingegeben (bitte ohne Anführungszeichen in die Tabelle eingeben!). In die vierte Spalte kommt für die Gewichtung der jeweiligen Talsequenz der Ausdruck "//Weight x.xx": Als Gewichtungsfaktor "x.xx" wurde hier für eine Länge von 100 m der Faktor "1.00", für 88 m der Faktor "0.88" und für 199 m der Faktor "1.99" festgelegt -- diese Faktoren sollten jeweils je nach Maßstab und geologischen Gesichtspunkten selbst festgelegt werden, vor allem, wenn es z.B. um den Vergleich zwischen Kluftmessungen in einem kleinen Steinbruch und Talerstreckungen in den Dimensionen des Frankenjuras geht!

Die fertiggestellte EXCEL©-Tabelle wird nun als Text-File abgespeichert:

Starten Sie nun STEREO© 2.4 und laden Sie Ihren eben erstellten Text-File:

Sie haben nun die Möglichkeit, weitere Einfallsrichtung und -winkeldaten mit dem Befehl "Add" einzugeben (die beiden Kästchen links oben und zwar in der amerikanischen Schreibweise x.x!) oder aber vorhandene Daten zu verändern (Taste "Modify"). Bitte beachten Sie, daß bei Flächenangaben "Planar" und bei Linearen "Linear" angeklickt wird!

Unter der quadratischen Schaltfläche mit dem Kreuz können Sie für jede Fläche oder für jedes Linear ein eigenes Symbol auswählen.

Durch Anklicken dieses Buttons erhalten Sie die Darstellung der Polpunkte in der unteren Lagenkugel. Wenn Sie die Maus über das Stereogramm bewegen, zeigt StereoNett in der Statusleiste die Richtung unter dem Mauszeiger an. Wenn Sie Flächenpole konstruiert haben, müssen Sie zusätzlich auf der Tastatur "Shift" drücken, dann wird die Richtung der Fläche angezeigt, deren Pol unter dem Mauszeiger liegt.

Durch Drücken dieses Buttons erhalten Sie die Dichteverteilung der Polpunkte. Wenn Sie die Maus über das Stereogramm bewegen, zeigt StereoNett in der Statusleiste die Dichte in % unter dem Mauszeiger an.

Sie können im Dichte-Stereogramm auch ermitteln, wie eine Fläche liegt, in der zwei Maxima liegen. Klicken Sie dazu mit der Maus im Diagramm auf eines der Maxima und ziehen sie die Maus auf das nächste Maximum. StereoNett zeigt dann die gemeinsame Fläche und den Winkel zwischen den Maxima graphisch an. Alle Zahlenwerte erscheinen in der Statusleiste.

Alternativ können sie sich im "Text View" Winkelbeziehungen zwischen Richtungen berechnen lassen, indem sie zwei Richtungen markieren und "Data->Angular Relation ships" anwählen (oder rechte Maustaste klicken). Schliesslich geben die Eigenwerte und Eigenvektoren noch Aufschluss über die Gesamtverteilung der Probe. Diese können sie sich unter Data Statistiks berechnen lassen. Direkt kann im Dichtediagramme jedoch kein Großkreis eingezeichnet werden. Kennzeichnen Sie also ihre Maxima mittels eines Kreises, schreiben Sie die Prozentangabe daneben und lassen Sie sich dieses Dichtediagramm ausdrucken!

Durch Anklicken dieses Buttons gehen Sie -- im nächsten Schritt -- zurück zur Darstellung der Polpunkte und klicken einen der Polpunkte in diesem Maximum-Bereich mit der rechten Maustaste an. Es erscheint folgendes Fenster:

Markieren Sie "great circle", drücken Sie "ok" und im Stereogramm wird der Großkreis für dieses Maximum gezeichnet -- verfahren Sie mit den anderen Maxima ebenso!

Durch Anklicken dieses Buttons können Sie noch die Kluftrosen berechnen lassen. Jedoch erhalten Sie zunächst die leidlich bekannte, aber für die meisten Untersuchungen leider ungeeignete Darstellung der Einfallsrose! Wählen Sie also:

Unter dem Begriff "Style" können Sie den Typus der Kluftrose sowie die Klassenbreite auswählen:

Wenn Sie -- wie bei den in diesem Beispiel angewandten Talstreichrichtungen -- gewichtete Werte verwendet haben, müssen Sie hier (wie bei den anderen Diagrammen) -- das Kästchen "Weighted Count" aktivieren!

Die Klassenbreiten wählen Sie unter "classes" aus, so z.B.: 36 = 5°, 30 = 6°, 24 = 7,5°, 18 = 10°, 12 = 15°, 8 = 22,5°, 4 = 45°, 2 = 90°.

Alle Diagramme können Sie als wmf-Files speichern und in anderen Vektor-Programmen (z.B. MICROGRAFX© DESIGNER©, COREL© CORELDRAW©) weiterverarbeiten.

Die Übereinstimmung zwischen dem Verlauf der Trockentäler und dem großtektonischem Bau ist für das Untersuchungsgebiet gut nachweisbar. Zu gleichen Ergebnissen kam POLL (1972) im westlich anschließenden Gebiet, wo er im Gebiet um die Zoolithenhöhle herzynisch streichende Kluftscharen beobachten konnte, die als Begleiterscheinungen zur Randflexur der Frankenalbfurche ausgewiesen werden konnten.

Wie eng die Beziehungen zwischen dem Kluftbild und der Entwicklung des Trockentalsystems sind, läßt die topographische Feinstruktur des Trockentalgebiets erkennen: es ist von einem System erzgebirgisch und herzynisch streichender Bruchlinien durchzogen.

Somit passt sich das Trockentalsystem an das fränkische Höhlen- und Kluftsystem an. Die Übereinstimmung zwischen diesem System und den tektonischen Großstrukturen läßt einen genetischen Zusammenhang erkennen. Am deutlichsten werden die Beziehungen bei Betrachtung der herzynisch verlaufenden Talverläufe: Diese sind unmittelbar an den Verlauf der Randstörungen bzw. der Flexuren an der Ostgrenze der Frankenalb-Furche gebunden. Ob die entsprechenden Kluftscharen zeitlich von der Anlage der regionalen Großstrukturen abhängen, läßt sich aus dem engeren Untersuchungsgebiet heraus nicht sicher entscheiden. Jedoch ist die Anlage der Trockental- und der Höhlensysteme indirekt von der Regionaltektonik abhängig.

MICROGRAFX©, MICROGRAFX DESIGNER©, MICROGRAFX PICTURE PUBLISHER©sind Warenzeichen oder eingetragene Warenzeichen der MICROGRAFX Inc. oder der MICROGRAFX (DEUTSCHLAND) Gmbh. MICROSOFT©, MICROSOFT EXCEL© sind Warenzeichen oder eingetragene Warenzeichen der Microsoft Corporation. COREL©, CORELDRAW© sind Warenzeichen oder eingetragene Warenzeichen der Corel Corporation oder Corel Corporation Limited. Das Programm STEREONETT© wurde geschrieben von Herrn Johannes Duyster von der Ruhr University, Bochum. Alle anderen Produkt-, Schrift-, Firmennamen und Logos sind Warenzeichen oder eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Firmen oder Personen.


* Donnerstag, 10. November 2011 17:20