Kluftsysteme und Karstphänomene

Geologische Gesteinsschichten sind praktisch immer ein Vielkörpersystem, das von Trennflächen durchzogen ist; diese bestimmen weitgehend das Verhalten des Gebirges bei Beanspruchung un bei Lösungsvorgängen. Die Gesamtheit der Trennflächen (Schicht-, Schieferungs-, Kluft- und Störungsflächen) wird als Trennflächengefüge bezeichnet.

Trennflächen sind meist makroskopisch sichtbare Unstetigkeitsflächen, an denen die Festigkeit des Gebirges herabgesetzt ist. Sie entstehen überwiegend durch mechanische Beanspruchungen, so z.B. durch tektonische Dislokationen.

aktives KarstwassergerinneGÜMBEL (1891) wies bereits auf Beziehungen zwischen dem Höhlenverlauf und den Klüften hin. Die Bindung der Karsterscheinungen an Kluft- bzw. Spaltensysteme erwähnt er im Zusammenhang mit oberirdisch sichtbaren Auslaugungen des Untergrundes, wo z. B. Dolinen geradlinig aneinander gereiht sind. Häufig finden sich in diesen älteren Beschreibungen Bezeichnungen wie "enger kluftartiger Gang" in den Höhlen; dies schloß schon damals die richtige Beobachtung ein, daß die Höhlenbildung an Kluftflächen ansetzt.

Das wirksame Agens bei der Entstehung der Höhlen ist schon bei GÜMBEL das mit Kohlensäure beladene Regenwasser, welches auf Klüften versickert. Die Lösung des Gesteins geht dort besonders rasch vor sich, wo es dem Sickerwasser eine große Angriffsfläche bietet, also dort, wo Kluftflächen vorhanden sind. Daneben bedingt die flächenhaft sehr ausgedehnte Verbreitung des Frankendolomits einen hohen Anfall an Sickerwasser-Mengen für die Auslaugungs-Vorgänge. Schließlich ist die tiefe Lage der Vorfluter in den Tälern bei mächtigem Frankendolomit günstig für die Anlage von Höhlen, weil so das Regenwasser einen langen Weg durch das Gestein zurücklegen muß. Dabei spielt die mechanische Wirkung des subterranen Wassers eine verstärkende Rolle bei der Höhlenbildung.


* Donnerstag, 10. November 2011 16:54