Darstellung des Trennflächengefüges im SCHMIDT´schen Netz

Lagenkugel-DiagrammWie bereits angedeutet, wird bei der Auswertung der Trennflächen mittels der Kluftrose nur die Richtungshäufigkeit des Streichens ermittelt und nicht der Einfallswinkel und die Einfallsrichtung sowie die geometrische Beziehung zwischen den einzelnen Flächen.

Schema des SCHMIDT´schen NetzesFür die Darstellung des Trennflächengefüges wird daher i.a. die Lagenkugel n. SCHMIDT (1925) verwendet: In der flächentreuen Polarprojektion der unteren Lagenkugel erscheinen die geologischen Flächen (oder Lineare) entweder als durch den Mittelpunkt gehende Großkreise (GK) oder als Durchstoßpunkte (P) der Flächennormalen im Mittelpunkt. Hierbei denkt man sich alle im Gelände gemessenen tektonischen Elemente (parallel mit sich selbst) in den Mittelpunkt einer Kugel verschoben und bildet sie auf der unteren Kugelhälfte ab.

Lineare (z.B. Harnischstreifen, Faltenachsen) erscheinen so unmittelbar mit ihrem Durchstoßpunkt durch die untere Kugelhälfte.

Ebenen (z.B. Kluft-, Störungs- u. Schichtflächen) stellt man durch ihre Pole dar. Randnahe Flächenpole bedeuten somit steileinfallende, mittelpunktnahe Flächenpole flachliegende Flächen. Zur Wahrung der Übersicht sollten den verschiedenen tektonischen Elementen unterschiedliche Symbole zugeordnet werden (z.B. Kluft = Raute, Schichtfläche = Kreuz etc.).

Dichtemaxima im SCHMIDT´schen NetzDie statistische Auswertung erfolgt erfolgt über das Auszählen der Durchstoßpunkte in den Kleinkreisen: Somit erhält man Flächen gleicher Besetzungsdichte und eine Darstellung der unteren Lagenkugel mit einem Dichteplan der Durchstoßpunkte z.B. aller eingemessenen Klüfte eines Aufschlusses/Gebietes ("Spiegeleier"). Den Maxima des Dichteplans und somit der Durchstoßpunkte der Flächennormalen werden nun die entsprechenden Großkreise zugeordnet.

Darstellungsarten des TrennflächengefügesIm Resultat ergibt sich letztlich eine perspektifische Darstellung der unteren Lagenkugel mit den Großkreisen der Maxima-Trennflächen. Diese Auswertung wird für jeden Aufschluß durchgeführt sowie -- durch Addition der Meßwerte der einzelnen Aufschlüsse -- für größere Gebiete und Einheiten und letztlich für ein gesamtes Untersuchungsgebiet.

Enge tektonische Zusammenhänge bestehen auch zwischen Talzügen und dem im jeweiligen Gebiet vorherrschenden Trennflächengefüge. Hierzu wird zunächst der Verlauf der Täler als Kluftrose ausgewertet.

In einem zweiten Schritt wird die Streichrichtung eines (Trocken-) Tales pro Streckeneinheit gemessen und somit gewichtet. So nimmt das (sehr verdienstvolle!) Sharewareprogramm "Stereonett" von Herrn Dr. J.P. DUYSTER (Ruhr University, Bochum) automatisch einen Gewichtungsfaktor von 1,0 als "normal" an. Ein "weight factor" von 0,5 zählt also nur um die Hälfte, ein Faktor von 10 um das zehnfache stärker. Bei der Auswertung aller Talrichtungen ist der Faktor also relativ zu verwenden. Wenn in den Aufschlüssen des Untersuchungsgebiets nur Klein- und Mittelklüfte mit einer Horizontalerstreckung von 10 m beobachtet wurden, muß im Relation hierzu eine Talsequenz mit 100 m Streichrichtungs- Länge mit dem Gewichtungsfaktor 10 bedacht werden. Letztlich soll sich in der Auswertung ein naturgetreues Abbild der Talrichtungen ausdrücken.

Bei der Auswertung der Talrichtungen im SCHMIDT´schen Netz wird -- falls beobachtet -- entweder die Einfallsrichtung und -winkel der für die Talrichtung verantwortlichen Trennflächen verwendet (Gewichtung anhand der Talsequenz-Länge beachten!) oder aber ein Einfallen der Trennflächen von 90° angenommen. Zur Erinnerung: Die Einfallsrichtung steht senkrecht auf der Streichrichtung. Bei einer Fäche also entweder 90° zur Streichrichtung dazuzählen oder abziehen [130°/85° NE = 40°/85°; 130°/83° SW = 220°/83°].

Das Sharewareprogramm STEREONETT© wurde geschrieben von Herrn Johannes Duyster von der Ruhr University, Bochum.


* Donnerstag, 10. November 2011 17:15