Die "Lügensteine" Zeichnung der Würzbuger "Lügensteine"

Origianal-Abbildung aus der Lithographiae Wirceburgensis Eine der berühmtesten Fälschungen der frühen Wissenschaftsgeschichte sind die sog. Lügensteine, die 1726 dem Würzburger Professor Johannes Bartholomäus Adam Beringer untergeschoben wurde; sie verkörpern Triumph und Tragik eines Wissenschaftlers.

Der Doktor der Medizin und Philosophie Beringer, seines Zeichens Leibarzt des Fürstbischofs von Würzburg, lebte und lehrte um das Jahr 1700 in Würzburg. Neben der Medizin, Chemie und Botanik galt sein besonderes Interesse den Versteinerungen, die im Raum Würzburg gefunden wurden.

Um Prof. Beringer zu schaden, ließen mißgünstige Professorenkollegen und intrigante Studenten im Jahre 1725 künstliche Versteinerungen aus Muschelkalk anfertigen; diese stellten meist fiktive, aber wirklichkeitsnahe Pflanzen und Tiere dar. Doch auch ungewöhnliche Objekte wie Sonnen, Sterne, Kometen und sich begattende Frösche wurden angefertigt, und zusammen mit den anderen Falsifikaten in der näheren Umgebung von Würzburg vergraben.

Im nächsten Schritt wurden von zwei jungen Burschen, die diese Versteinerungen "zu entdecken hatten", Beringer die Falsifikate zugetragen. Prof. Beringer war von den "Neufunden" kritiklos begeistert.

Titelblatt der "Lithographiae Wirceburgensis" Voller wissenschaftlichen Eifer katalogisierte Beringer die nahezu 2000 Figurensteine, wie er sie nannte, und veröffentlichte sie 1726 in seinem prachtvollen Werk, der Lithographiae Wirceburgensis.

Der Schwindel flog erst auf, als Beringer eine Versteinerung fand, die seinen eigenen Namen trug. Die Blamage durch diesen Skandal führte so großen Ansehensverlust Beringers; Behringer zog sich in der Folgezeit fast völlig aus dem öffentlichen Leben zurück und ließ auch alle noch erreichbaren Exemplare seines Buches vernichten.

Schließlich kam es sogar zu einer Gerichtsverhandlung, die jedoch nicht alle Hintergründe der Affäre erhellen konnte.

Beringer starb schließlich als wissenschaftlich und gesellschaftlich ruinierter Mann. Aus heutiger Sicht ist es erstaunlich, daß damals derart plumpe Fälschungen als echt angesehen werden konnten. Somit stellt der Skandal um die Lügensteine auch einen Wendepunkt in dem kritischen Umgang mit Forschungsergebnissen in der Wissenschaftsgeschichte dar.

21 Exemplare der Lügensteine gelangten schließlich in das markgräfliche Kuriositätenkabinett; von hier kamen sie letztendlich in die Sammlung des Instituts für Geologie und Mineralogie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

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* Dr. A. Baier; last update: Montag, 02. Dezember 2002 15:46