GeoZentrum NordbayernMischungskorrosion

im Karstwasserkörper

von Alfons Baier


Das Phänomen, daß die Vermischung verschieden harter Gewässer Korrosionserscheinungen in Trink- und Abwasserleitungen hervorruft, war in der Praxis der Wasserversorgung seit langem bekannt. In der Karsthydrogeologie erkannte jedoch erst BÖGLI (1964) die Bedeutung der Mischungskorrosion für die subterranen Verkarstungsvorgänge: Durch die hierdurch hervorgerufenen chemischen Reaktionen kann die Korrosion von Karbonaten auch im Karstwasserkörper selbst stattfinden. Die Mischungskorrosion tritt - im Gegensatz zur Normalkorrosion - im gesamten Karst auf, an der Oberfläche ebenso wie in den tiefsten Teilen des Karstwasserkörpers.

Mischungskorrosion findet überall da statt, wo sich zwei Gleichgewichtswässer mit unterschiedlichen Kalkgehalten oder verschiedenen Wassertemperaturen mischen. Durch die Vermischung der beiden Wässer enthält die neue Mischung überschüssiges CO2, das sofort wieder Kalk löst. Diese zusätzlich gelöste Kalkmenge wächst mit dem Ausmaß des Unterschieds der beiden Ausgangskonzentrationen: Vermischen sich z.B. zwei Wässer mit 10 mg/l und 400 mg/l gelösten Kalk im Verhältnis 1:1, so beträgt die zusätzlich gelöste Kalkmenge 51 mg/l. Durch die Mischungskorrosion lassen sich die im Karstgebirge beobachteten großen Lösungshohlräume (auch jene tief unter der Karstwasseroberfläche) schlüssig erklären. Das Phänomen, daß die größten Hohlräume im Karstgebirge nicht an der Eintrittsstelle des Wassers, sondern im Innern des Gebirges zu finden sind, wird auf derartige Vorgänge zurückgeführt. Es ist ein "Paradoxon der Mischungskorrosion", daß umso mehr zusätzlicher Kalk gelöst wird, je höher die Konzentration des einen kalkreicheren Ausgangswassers war .


*Dr. A. Baier; last update: Mittwoch, 04. September 2013 20:12

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