GeoZentrum Nordbayern

 

1 Einleitung

 


Über die ersten Anfänge von Stadt und Burg Nürnberg sind keine gesicherten schriftlichen Zeugnisse überliefert. Zwar verläuft hier entlang des Pegnitztals über das im E bei Hersbruck anschließende Högenbachtal der schon in vorgeschichtlicher Zeit stark frequentierte Handelsweg nach Böhmen. Da jedoch im Nürnberger Becken weder Bodenschätze noch Energieressourcen oder fruchtbare Böden vorhanden waren, erschien im Mittelalter eine auf Produktion und Handel beruhende Stadtgründung als wenig vorteilhaft. Hingegen bot sich der unvermittelt inmitten der ebenen Landschaft rund 60 m aufragende und weithin sichtbare Burgsandsteinfelsen -- der heutige Burgberg -- für die Errichtung einer militärisch bedeutsamen und machtpolitisch beeindruckenden Befestigungsanlage geradezu an.

Rekonstruktion des Nürnberger Burgfelsen in vorgeschichtlicher Zeit

Die möglicherweise auf eine Gründung des 9. Jhd. zurückgehende Nürnberger Burganlage war in den folgenden Jahrhunderten auf das engste verbunden mit der Entwicklung und dem politischen Geschehen des karolingischen Ostfrankenreiches und des sich hieraus bildenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Die bereits im 10. Jahrhundert archäologisch belegte Burg wird 1050 erstmals urkundlich erwähnt. Die Burg setzt sich im Einzelnen aus der Kaiserburg, der 1420 weitgehend zerstörten Burggrafenburg und den reichsstädtischen Bauten zusammen. Vor allem als Reichsburg der Salier und Staufer war die Nürnberger Kaiserburg bis ins Spätmittelalter Schauplatz von Hoftagen und anderen bedeutenden reichspolitischen Ereignissen. Nach mannigfaltigen kriegerischen Handlungen, Zerstörungen und Wiederaufbauten, Umgestaltungen durch deutsche Kaiser und Könige, einem nahezu gänzlichen Untergang in der Endphase des II. Weltkrieges und der historischen Wiederherstellung im letzten Jahrhundert stellt die majestätisch ausgebreitete Nürnberger Burg bis heute das Wahrzeichen der Stadt dar.

Blick auf Walburgiskapelle und Sinwellturm auf der Burg zu Nürnberg

Seit rund 130 Jahren wird versucht, durch archäologische Untersuchungen und bauhistorische Betrachtungen die Anfänge und die frühe Entwicklung dieser bedeutenden Befestigungsanlage zu ermitteln. Während im 19. Jhd. noch die Gründung der Burg in fränkischer Zeit vertreten wurde (vgl. WINKLER 1898), gewann später an Bedeutung die bis heute als allgemeingültig angesehene These von MUMMENHOF (1908), welche die Gründungszeit der Burg zwischen 1025 und 1050 ansetzt.

Im Verlauf der letzten 15 Jahre geriet jedoch -- bedingt durch die von NADLER (1988) begonnenen und von 1990 ab von FRIEDEL (2007, 2011) weitergeführten archäologischen, kunst- und bauhistorischen, dendrochronologischen und vermessungstechnischen Untersuchungen auf der Nürnberger Burg -- das anfangs so fest erscheinende Gebilde aus historischen Daten und dazwischen eingespannten Thesen, das die Literatur bislang vermittelte, zunehmend ins Wanken. Am vorläufigen Ende stand sowohl für die Nürnberger Kaiserburg und für die Burggrafenburg eine grundlegende Neubewertung der historischen Situation (FRIEDEL 2007).

Eine elementare Grundvoraussetzung für die Nutzung einer (früh-) mittelalterlichen Burg war die ausreichende Versorgung  der Bewohner mit Trink- und Brauchwasser. Ohne die ständige und ausreichende Verfügbarkeit dieses überlebensnotwendigen Nahrungsmittels war  eine Burg in Friedenszeiten und vor allem im Verteidigungsfall ohne praktischen Nutzen. Der bekannte "Tiefe Brunnen" auf der Nürnberger Kaiserburg wurde erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt, ist jedoch vermutlich ebenso alt wie die Befestigungsanlage selbst. Die Brunnenanlage ist bis zum heutigen Tage weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben und stellt ein einzigartiges Dokument der Technikgeschichte und früher Ingenieurbaukunst dar.

Der Tiefe Brunnen auf der Kaiserburg zu Nürnberg

Daneben existieren noch die knapp unterhalb des Burgbergplateaus ausrinnende Margarethenquelle und der Schacht des -- seit dem 19. Jhd. abdeckten -- Brunnens der ehemaligen Burggrafenburg, welcher das Ziel künftiger Untersuchungen darstellen soll.

Im Auftrag der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen untersuchten Forschungstaucher der „Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie (AMLA)“ des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Wasserwirtschaftsamt Nürnberg und der Abteilung Höhenrettung der Nürnberger Berufsfeuerwehr im April sowie im November 2012 in insgesamt 27 Tauchgängen den Tiefen Brunnen der Nürnberger Kaiserburg. In Kooperation mit dem Geozentrum Nordbayern der FAU Erlangen-Nürnberg wurde der Brunnenschacht dokumentiert sowie Gesteins- und Wasserproben entnommen und untersucht. Initiiert und projektiert wurde das Forschungsunternehmen von Hans Fricke von der Außenstelle Tutzing des Max-Planck-Instituts Bremen und Alfons Baier vom GZN Erlangen.

Die Abteilung Höhenrettung der Nürnberger Berufsfeuerwehr vor dem Tiefen Brunnen auf der Kaiserburg zu Nürnberg Vorbereitungen zum Einfahren in den Tiefen Brunnen auf der Kaiserburg zu Nürnberg

* Dr. A. Baier, last update: Montag, 09. September 2013 14:40

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