GeoZentrum Nordbayern

 

2 Abriss der frühen Entwicklung Nürnbergs im Spiegel der Reichsgeschichte  

 


Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, die Entstehungsgeschichte der Nürnberger Burganlagen und der zugehörigen Siedlung im Spiegel sowohl der historischen Überlieferungen als auch der neueren geologischen und archäologischen Untersuchungen (vgl. FRIEDEL 2007) zu beleuchten; hierbei sollen die Schwerpunkte auf die Zeitspanne zwischen der vermutlichen Gründung Nürnbergs und dem Ende der Stauferzeit gelegt werden. Untrennbar verknüpft mit der wechselvollen Baugeschichte der Nürnberger Burgen war die Problematik ihrer Wasserversorgung, welche in den anschließenden Kapiteln einer näheren Betrachtung unterzogen werden soll.

Die Nürnberger Burganlagen um 1930.

Die Kaiserburg zu Nürnberg zählt zu den wichtigsten mittelalterlichen Kaiserpfalzen und stellt eine der geschichtlich und baukünstlerisch bedeutendsten Wehranlagen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation dar. Sowohl die Entstehung als auch die frühe Geschichte der Burg und Siedlung Nürnberg sind jedoch noch heute weitgehend unbekannt. Die diesbezüglichen, auf der nur sehr dürftigen Quellenlage des 9. bis 11. Jhd. beruhenden Sagen, Legenden und Spekulationen waren bereits den Chronisten des ausgehenden Mittelalters als unsicher bewusst – ein Umstand, an welchem sich bis heute nur wenig verändert hat. So berichtet MERIAN in seiner 1656 erschienenen "Topographia Franconiae" über die Überlieferungen zur frühen Geschichte von Nürnberg: 

"Es ligt die weitberühmte des Heiligen Röm. Reichs Stadt Nürnberg im Fränckischen Creiß, an der Pegnitz, so bey Fürth in die Regnitz oder Rednitz, und diese förters in den Mayn fället, auff einem sandigten gar harten Boden, da weder Weinwachs, noch Schifffarth ist, die auch nicht eben, sondern auff etlichen Berglein erbauet, deren Hand jedoch durch alle Land gehet. Woher aber ihr Name kommt und wer sie erbauet, davon seynd unterschiedliche Meynungen".

Die 1656 erschienene "Topographia Franconiae", in welcher auch die historische Entwicklung Nürnbergs beim Wissenstand des 17. Jhd. sehr ausführlich dargelegt wird, zählt den bekanntesten Bänden der "Topographia Germaniae". Dieses Hauptwerk des schweizerisch-deutschen Kupferstechers und Verlegers Matthäus Merian des Älteren (1593 - 1650) erschien vom Jahr 1642 ab zunächst in 16 Bänden, denen – posthum von seinen Söhnen fortgeführt – bis 1688 noch weitere folgten. Das Gesamtwerk enthielt schließlich in 30 Bänden insgesamt 92 Karten und 1486 Kupferstiche mit 2142 Einzelansichten von Städten, Ortschaften, Schlössern, Burgen und Klöstern sowie Stadtpläne und Landkarten und war somit eines der größten Verlagswerke seiner Zeit. Neben den geradezu modern anmutenden Recherchen erweisen sich noch heute die von MERIAN nach der Natur aufgenommenen Ansichten in der Perspektive als meisterhaft und stellen oftmals die ältesten zuverlässig dokumentierten Ansichten als Kupferstich oder Radierung der jeweiligen Orte dar (WÜTHRICH 2007).  

Die Tatsache, dass "Nuorenberc" erst im Jahre 1050 urkundlich erwähnt wird, sagt nichts über den Baubeginn der Burganlage und der dazu gehörigen Siedlung aus. Urkunden stehen in dieser Zeit grundsätzlich im Zusammenhang mit Rechtsgeschäften wie Kauf, Verkauf, Erbfall oder Belohnung (vgl. GLEUE 2008). Bei "Nuorenberc" waren die Besitzverhältnisse offenbar am Anfang unstrittig, so dass keine Urkunden ausgestellt werden mussten.

Zu Beginn des Mittelalters lebte der Adel noch nicht in Burgen; seine Wohnsitze wurden "curtis" oder "villa" genannt. Viele dieser Herrensitze waren bis in das 9. Jahrhundert hinein unbefestigt, wie auch die Pfalzen der Könige und Herzoge (KRAHE 2008). Im Bereich der Nürnberger Kaiserburg kann jedoch – nach den neuesten archäologischen und bauhistorischen Untersuchungen – eine Befestigung auf dem Burgbergplateau und eine S’ davon entstandene Siedlung spätestens seit dem 10. Jahrhundert belegt werden. So unterstreichen der Fund eines frühmittelalterlichen Keramikfragments in den Pegnitzaufschüttungen sowie weitere Keramikfunde aus dieser Zeit im Nürnberger Altstadtgebiet und im Bereich der Nürnberger Burg, dass entlang der Pegnitz-Niederterrasse eine kleine Ansiedlung im Schutze einer Adelsburg bestand, welche vor dem beurkundeten Jahr 1050 zerstört wurde (FRIEDEL 2007).

MERIAN (1656) vermutet die Gründung des heutigen Nürnberg im Zuge der Fränkischen Landnahme dieses Gebietes: "... Dann es haben vorzeiten diese Gegend die Schwäbische Hermunduri bewohnet, deren Nachbarn die Norici, oder wie Althameius aput Capitolinum in vita M. Antonii wil, die Varistae, in der Obern-Pfalz, gewesen: Die Noric aber haben zur Gräntze den Inn und die Donau gehabt, und sich hineinwarts gegen Italia oder Welschland erstrecket. Aber nachmals, und zwar lang nach Christi Geburt, als die Hunni das Noricum, nemlich einen Theil Oesterreich, Steyer, Kärnten, das Salzburgische Bistumb und angräntzende Länder verwüsteten, haben sich theils Norici, wegen mehrer Sicherheit in dieser Gegend, allda sich auch theils der Bojen oder Bayern vorhero nidergelassen hatten, begeben, und wegen bequemlichkeit der zweyen Wasser Pegnitz, und Rednitz oder Regnitz, ihre Hämmer und Schmidten (auf welche Kunst sie sich sonderlichen verstanden) daherumb auffgerichtet, und ferner zu ihrer Sicherheit auff den Berg, auff welchem noch heutiges Tags das Schloß stehet, Anfangs ein schlechtes Castell auffgeführet, dahin folgends ein Flecken, und also fortan eine Stadt erbauet worden, welches Castell, so in alten Brieffen Castrum Noricum genennet wird, unter dem Fränkischen Gebiet gewesen, und allbereit zu denen Zeiten Kayser Carols des Grossen gestanden ist".

Die Bezeichnung "Kastell" (lat. "castellum" und Verkleinerungsform von "castrum" = "befestigter Ort") war zunächst im Römischen Reich als Oberbegriff für befestigte Truppenstandorte gebräuchlich. Im europäischen Früh- und Hochmittelalter wurde der Begriff "Castrum" für eine befestigte Höhensiedlung angewandt: So erwähnt beispielsweise im 8. Jhd. der langobardische Geschichtsschreiber und Mönch Paulus Diaconus in seiner Langobardengeschichte, auf der nicht erhaltenen Historiola des Abtes Secundus von Trient fußend, für das Jahr 590 zahlreiche "castra" im mittleren Alpenraum (POHL 1994).  

Zur Zeit des Karolingers Karl der Große (768 - 814) lag das Gebiet des heutigen Nürnberg an der E-Grenze des Fränkischen Reiches. Hier verliefen alte Verkehrswege wie die N-S-Verbindung entlang des Regnitz-/Rednitztales, der alte Heeres- und Handelsweg nach SE in Richtung Regensburg sowie der von hier in E' Richtung abzweigende, schon in vorgeschichtlicher Zeit benutzte Handelsweg nach Böhmen, welcher vom 14. Jhd. ab als "Goldene Straße" Berühmtheit erlangen sollte. 

Als fränkischer König und späterer römischer Kaiser unterwarf und christianisierte Karl von 772 bis 806 in mehreren Feldzügen die Sachsen sowie die Sorben und erweiterte hierdurch die E-Grenze des Reiches bis zur Elbe. Auch Böhmen geriet in den Jahren 805 und 806 in fränkische Abhängigkeit und wurde tributpflichtig. Neben diesen militärischen Erfolgen bestanden die hervorragenden Verdienste Karls I. in der Erneuerung und Verbesserung der alten merowingischen Verwaltung, in einer erfolgreichen Münzreform mit Einführung einer Silberwährung, dem forciert vorangetriebenen Straßen- und Brückenbau und der Förderung weitreichender Handelswege (HERM 1988); hierdurch bedingt gewannen Zoll- und Marktabgaben stark an Bedeutung und wurden zu königlichen Hoheitsrechten (Regalien).

Bei einer postulierten Gründung Nürnbergs zu karolingischer Zeit würde sich dieser, wohl hauptsächlich zu militärischen Zwecken errichtete Ort in die Reihe der schriftlich bezeugten oder vermuteten Königshöfe und Pfalzen von Hallstadt, Forchheim, Fürth, Roth, Weißenburg und Treuchtlingen (ELLMERS 1993) entlang der durch das Regnitz-Rednitz-Rezat-Tal verlaufenden Altstraße einreihen. Während der W‘ Nürnberg gelegene Königshof und spätere Marktflecken Fürth stets eine überwiegend merkantile Ausrichtung aufwies (vgl. WINDSHEIMER 2007), deuten die Straßennamen der S‘ der Nürnberger Burg entstandenen Siedlung mit Benennungen wie „Söldnersgasse“ oder „Schmiedgasse“ auf den vorwiegend militärischen Charakter Nürnbergs hin.  

MERIAN (1656) berichtet über diese Zeit: "... Herr D. Leonhard Wurffbain der Stadt Nürnberg Consiliarius & c. schreibe An. 1651, den 8. Merz, an mich, daß etlicher Meynung nach, Kayser Carl der Grosse, ungefehr umbs Jahr Christi 790. in 800. Nürnberg zur Stadt angelegt haben soll, wie er aus dem Land zu Schwaben, durch das Nordgaw, auff Böheimb gezogen, und dieselbe Provintz mit Gewalt angegriffen; und ein Meilwegs von Nürnberg gegen auffgang der Sonnen, bey einem Ort, genant Furt, oder Uberfahrt, in Form seines damals gebrauchten Zelts, eine sonderbare noch auff den heutigen Tag stehende Capellam auffgericht haben soll".

Die romanische Rundkapelle in Altenfurt im SE von Nürnberg.

Die von MERIAN erwähnte "Capellam" stellt die – in ihrer heutigen Form vermutlich erst in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts erbaute – Rundkapelle „Zu dem Altenfurt“ dar. SCHEDEL (1493) schreibt hierüber: "… Karolus hielte sein wartt mit dem dritten teil des heers zu Nurmberg und in den nahenden enden daselbst umb und pawed in form und gestalt seins gezeltes bey Nurmberg ein kirchlein das nachfolgend durch babst Leo den dritten, der dem benannten Karolo gein Padepouren in Sachssen nach zohe, auff dem widerweg gein Rom in sannt Katherinen der iunckfrawen und martrerin ere (= Ehre) geweiht worden ist und jetzo zu dem alten furt genant wirdt". Das ahd. Wort "furt" sowie die mhd. Bezeichnung "vurt" ist maskulinen („männlichen“) Genus und bedeuten sinngemäß soviel wie "Möglichkeit zur Hinüberfahrt" (MACKENSEN 1985); im vorliegenden Fall erscheint die Notwendigkeit einer Furt über die rund 10 m breite sumpfige Talaue des Langwasserbaches im Nürnberger Stadtteil Altenfurt noch heute als offensichtlich.  

Nach dem Tod Karls zerfiel das Reich: Sein Sohn und Nachfolger Ludwig der Fromme (814 - 840) vermochte die Einheit des Reiches nicht gegen die Herrschaftsansprüche seiner eigenen Söhne zu behaupten. Deren Kämpfe gegeneinander führten zur Aufteilung des Reiches, wobei das Westreich Karl dem Kahlen (843 - 877), das Ostreich Ludwig dem Deutschen (843 - 876) und ein von der Nordsee bis nach Unteritalien reichendes Mittelreich Lothar (843 - 855) zufiel. Nach dem frühen Tod Lothars wurde der N-Teil seines Mittelreiches 870 zwischen West- und Ostfranken aufgeteilt: Diese neue Grenze zwischen den beiden Frankenreichen entspricht der Sprachgrenze zwischen den sich damals herausbildenden Völkern der Franzosen und Deutschen (DIETRICH 1956a).  

Zu Beginn des 10. Jahrhunderts kam es in Ostfranken zu einem Machtkampf zwischen den fränkischen Babenbergern und den Konradinern, vermutlich die Brüder des ostfränkischen Königs Arnulf von Kärnten (850 - 899). Arnulf aus dem Geschlecht der Karolinger  war von 876 bis 887 Markgraf von Kärnten, 887 bis 899 ostfränkischer König und von 896 bis 899 römisch-deutscher Kaiser. Die als "Babenburger Fehde" bekannte Auseinandersetzung endete, neben der wahrscheinlichen Eroberung Bambergs, mit dem Tod Adalberts von Babenberg, welcher nach einer Schlacht mit dem königlichen Heer – trotz der Zusicherung freien Geleits – enthauptet wurde. Danach verloren die Babenberger alle Ämter und Besitztümer im Herzogtum Franken.

Für diese Zeitspanne berichtet MERIAN (1656) über Nürnberg: "... Als folgends Herzog Albrecht in Francken, und Graf zu Bamberg, bekandter massen, umb sein Leben kommen, ist solcher Ort [= Nürnberg], welcher vorhero zu den Zeiten Carli Magni schon den Christlichen Glauben gehabt, von Kayser Ludwig dem dritten, Kayser Arnolffs Sohn, dem Reich unterwürffig gemacht worden".  

Ludwig "das Kind" (893 - 911) war der einzige Sohn von Kaiser Arnulf. Im Februar 900 wurde Ludwig IV. (nicht Ludwig III., wie MERIAN irrtümlich berichtet) im Alter von sechs Jahren in der Pfalz Forchheim zum König des Ostfrankenreiches erhoben, wobei diese Zeremonie die älteste überlieferte ostfränkische Königskrönung darstellt. Trotz seines kindlichen Alters stand Ludwig im Zentrum des staatlichen Lebens. Allerdings konnte er aufgrund seiner kränklichen und schwachen Konstitution keine eigene Regierung ausbilden; die tatsächliche Gewalt ging vom Adel und den Bischöfen aus. Im September 911 starb König Ludwig im Alter von 18 Jahren; mit ihm erlosch die Linie der ostfränkischen Karolinger. Nach Ludwigs Tod wurde der ostfränkische Herzog Konrad der Jüngere zum König des Ostfrankenreiches gewählt. Konrad I. (911 - 918) konnte sich jedoch gegen die fränkischen Stammesfürsten so wenig durchsetzen, dass Lothringen sich sogar dem Westfrankenreich anschloss. So zerfiel das Reich zunehmend (DIETRICH 1956a).

Spätestens im 10. Jhd. entstand auf dem Nürnberger Burgberg auch die erste, heute noch nachweisbare Befestigungsanlage, welche bereits die Größe der heutigen Anlage hatte. So konnte im Bereich des Burghofes der heutigen Nürnberger Kaiserburg der 6,0 m x 8,5 m große Grundriss eines Gebäudes beobachtet werden, welches 0,8 m senkrecht in das anstehende Gestein eingetieft war. Im Areal der späteren Burggrafenburg wurde in dieser Bauphase der Fels horizontal abgearbeitet; hier konnten an der N-Seite der Burg eine Palisade und S' hiervon die Reste zweier Gebäude nachgewiesen werden (FRIEDEL 2007).

3D-Darstellung der Burg zu Nürnberg (?)9. bis 10. Jhd.

Vom 10. Jhd. ab stieg infolge der zunehmenden, durch unvorstellbare Brutalität charakterisierten Ungarneinfälle und durch die innovative Einführung der "schweren Reiterei" (gepanzerte Ritter zu Pferde) das Bedürfnis auch des niederen Adels, bislang ungesicherte Herrensitze zu befestigen oder neue Burgen zu errichten. Diese Burganlagen boten nicht nur Sicherheit vor unerwarteten Überfällen und höheren Wohnkomfort, sondern waren auch ein bewusstes Signal der Stärke, welche der Adel über die Untertanen ausübte (KRAHE 2008).

In diesem Konsens ist wohl auch die frühe, aus Stein errichtete Nürnberger Burg zu sehen, welche – neben der visuellen Machtdemonstration – vor allem als strategisch wichtiger Punkt zum Schutz der Handelsstraßen und der beiden Flüsse im damaligen Grenzgebiet des ostfränkischen Reiches und als militärische Ausgangsbasis für die Feldzüge in E' und SE' Richtungen diente. Die im 10. Jhd. erbaute Nürnberger Befestigung besaß nahezu die Ausdehnung der heutigen Burg (FRIEDEL 2007). Über den Grabungsbefunden erstreckt sich eine großflächig erfasste, dünne Brandschicht mit Keramik des 10. Jhd., welche die Zerstörung der großen Anlage belegt. Wie bei vielen Burgen fehlt jedoch auch in Nürnberg ein urkundlicher Nachweis dieses Bauwerkes.

MERIAN (1656) berichtet über diese Zeit im Nürnberger Gebiet: "Dieweilen es aber umb selbige Gegend sehr unsicher worden, haben die teutsche Kayser eine Besatzung ins Schloß gelegt, und den Inwohnern gewisse Gesetz fürgeschrieben: Insonderheit Kayser Conrad der Erste, umb das Jahr Christi 912 welcher die Stadt alten verständigen Männern ehrliches Herkommens, zu regieren, und die Wälder von der Rauberey sauber zuhalten, befohlen: welche zu solchem Ende etliche Söldner angenommen und unterhalten, so täglichen die Wälder und Strassen durchstreifften, und wann sie schädliche Leuth anträffen, dieselbe in die Stadt führen solten. Inmassen bey der Stadt Nürnberg noch heutiges Tages gebräuchlich, deren auch solch Alt-Herbringen, mittler zeit von denen Römischen Kaysern confirmirt, und in vim Commissionis perpetuae Lehensweis auffgetragen worden".  

Nach dem Tod Konrads I. ging die ostfränkische Königswürde an den sächsischen Herzog Heinrich über. Heinrich gelang es, auch die Schwaben und Bayern zur Anerkennung seiner Oberhoheit zu bewegen, und auch Lothringen trat dem ostfränkischen Reich wieder bei. Diese Erfolge Heinrich I. (919 - 936) bedingten die Gründung eines eigenen deutschen Königtums. Als hervorragende Leistung gelang ihm die Integration der Herzöge in das ostfränkische Reich und hierbei vor allem die Anerkennung seines Königtums durch Arnulf von Bayern, welcher ihn danach bei den Kriegszügen gegen Böhmen und Ungarn unterstützte (DIETRICH 1956b).

Diese Zeit scheint sich auch in den Schilderungen von MERIAN (1656) widerzuspiegeln: "Umb berührter Ursachen willen, daß die Stadt Nürnberg der Rauberey mächtig gewehret, haben sich zu erwehnter Zeit auch viel Adeliche dapffere Geschlecht dahin gethan, durch welche die Stadt hernacher jederzeit in guter Policey und Ordnung erhalten worden".  

Nach dem Tod Heinrich I. wurde – in Abkehr von der karolingischen Praxis seiner Vorgänger – das Reich nicht mehr geteilt, sondern an seinen ältesten Sohn Otto vererbt, welcher 936 in Aachen gekrönt wurde. Otto I. (936 - 973) festigte die Erfolge seines Vaters durch die Erschaffung eines leistungsfähigen Beamtentums. Bistümer und Reichsabteien wurden mit Königsgut ausgestattet, und vom König ernannte und mit weltlichen Ämtern belehnte Bischöfe und Äbte erhielten Hochgerichtsbarkeit sowie Markt-, Zoll- und Münzrecht. Otto I. ließ das Burgensystem ausbauen, unter dessen Schutz sich die Städte zu Marktplätzen entwickeln konnten (DIETRICH 1956b).  

MERIAN (1656) berichtet hierüber: "Unter Kayser Ottone I. oder Magno, soll Anno 938. zu Nürnberg die erste Reichsversammlung seyn gehalten worden. Unter welchem Ottone I. wie auch beyden folgenden Ottone II. und Ottone III. die Stadt Nürnberg so weit zugenommen, daß etliche Graffen und Edle, und unter denselben sonderlichen die Graffen von Nassau, sich daselbst nidergelassen, und gewohnet haben".  

Im Kampf gegen die Ungarn gewann Otto I. im Jahr 955 die entscheidende Schlacht bei Augsburg, was das Reich von der ständigen Wiederholung ihrer Raubzüge befreite; noch im selben Jahr gelang ihm auch ein Sieg über die Slawen. Nach der Eroberung des Königreichs Italien (961) ließ er sich 962 in Rom vom Papst zum Kaiser krönen. Die Vermählung seines Sohnes Otto II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu bedeutete die Anerkennung des Kaisertums durch Byzanz und letztlich die Erneuerung des Reichs Karls des Großen, als dessen legitimer Nachfolger sich Otto I. empfand.  

Bereits 961 wurde der noch junge Otto II. (973 - 983) durch seinen Vater Otto I. zum Mitkönig und 967 zum Mitkaiser erhoben, um ihm die Nachfolge zu sichern. Als 973 sein Vater starb, trat der erst 18-jährige Otto die Alleinherrschaft an. Er schloss die bayerische Linie der Liudolfinger von der Königsherrschaft aus und sicherte hierdurch seinem Sohn Otto III. die Nachfolge. Er scheiterte jedoch beim Versuch, auch Süditalien dem Reich anzugliedern, sowohl am Widerstand von Byzanz als auch an den von Sizilien zum Festland vordringenden Sarazenen. Sein Feldzug gegen die Araber endete 982 in einer katastrophalen Niederlage, was in Verbindung mit dem plötzlichen Tod des erst 28-jährigen Kaisers in Italien einen großen Slawen-Aufstand im E des Reiches zur Folge hatte. Hierdurch bedingt gingen die Gebiete E' der Elbe sowie Böhmen und Mähren dem ostfränkischen Reich verloren und das Nürnberger Gebiet wurde wieder zum strategisch/militärischen Grenzbereich.

Otto III. (983 - 1002) wurde bereits als Dreijähriger zum deutschen König gewählt. Während der Zeit seiner Unmündigkeit wurde das Reich von seiner Mutter Kaiserin Theophanu und von seiner Großmutter Kaiserin Adelheid von Burgund verwaltet. Im Laufe seiner Regentschaft fügte er jedoch der Sicherung der deutschen Ostgrenze schweren Schaden zu, indem er im Jahre 1000 ein eigenständiges polnisches Erzbistum in Gnesen begründete und somit die dortigen Unabhängigkeitsbestrebungen indirekt unterstützte. Anfang 1002 verstarb Otto III. unweit Rom wahrscheinlich an den Folgen einer Vergiftung (DIETRICH 1956b).  

Ottos Nachfolger Heinrich II. (1002 - 1024) stammte aus der bayerischen Nebenlinie der Ottonen. 1002 wurde Heinrich zum ostfränkischen König gewählt. Im Februar 1014 krönte ihn der Papst zum Kaiser. Heinrich gelang es, die deutsche Lehenshoheit über Polen wieder herzustellen und hierdurch die Ostgrenze zu sichern.  Nach der Interpretation von FRIEDEL (2007) soll die vermutlich durch König Heinrich II. um 1003 zerstörte Nürnberger Adelsburg bis zu ihrem Wiederaufbau längere Zeit brach gelegen haben; diese Vermutung gründet sich aber allein auf die Tatsache, dass der nachfolgende Kaiser Konrad II. 1025 und 1030 noch im E' Nürnberg gelegenen Mögeldorf urkundete, bevor 1050 der Hoftag in Nürnberg stattfand. Gleichwohl berichtet MERIAN (1656) über diese Zeitspanne: "Kayser Heinrich der II. hat sonderlich gern zu Nürnberg sich auffgehalten, und viel wichtige Reichs-Sachen daselbsten entscheiden lassen. Dergleichen wird vom Kayser Heinrich dem III. Anno 1050. gelesen".  

Im Reich stärkte Heinrich II. durch Schenkungen und Neugründungen insbesondere die Bistümer als Stützen der königlichen Herrschaft: So geht das im Jahr 1007 neu geschaffene Bistum Bamberg auf diesen Herrscher zurück. Heinrich II. war mit Kunigunde von Luxemburg verheiratet, welche nach ihrer im Jahre 1200 erfolgten Heiligsprechung noch heute in Franken große Verehrung genießt. Die Ehe des Kaiserpaares blieb allerdings kinderlos, so dass Heinrich II. der letzte Kaiser aus dem Geschlecht der Ottonen war. Nach dem Tod Heinrich II. führte Kunigunde die Reichsgeschäfte wenige Wochen weiter und behielt auch die Reichsinsignien in ihrer Gewalt, um sie dem gewählten Nachfolger als Herrschaftsbevollmächtigung zu übergeben.

Der 1024 zum König des Ostfrankenreichs erwählte und 1027 zum römisch-deutschen Kaiser gekrönte Konrad II. entstammt wahrscheinlich dem alten Adelsgeschlecht der Widonen und gilt als Begründer des neuen Königshauses der Salier (DIETRICH 1956b).   

Für das Jahr 1024 wird Nürnberg erstmals in einer – bis heute erhalten gebliebenen – mittelalterlichen Schrift erwähnt: Die bis zum Jahr 1164 von dem Mönch Theodorus Monachus verfassten und später von seinen Nachfolgern weitergeführten "Annales Palidenses" (Jahrbücher von "Pöhlde", ein um 928 am SW' Harzrand gegründetes Kloster) stellen eine in lateinischer Sprache verfasste, heute in Oxford verwahrte Original-Handschrift dar, welche als umfangreiche Weltchronik neben christlichen Heilsepisoden vor allem die weltliche Geschichte bis zum letzten Viertel des 12. Jhd. beschreibt. Die von PERTZ (1859: 48-96) veröffentlichten und von WINKELMANN (1863, 1894) in die deutsche Sprache übersetzten "Pöhlder Annalen" gelten als wichtige Quelle für den Geschichtsverlauf jener Zeit.  

Für das Jahr 1024 schildern die "Annales Palidenses" die nach dem Tod Heinrichs II. notwendige Anberaumung einer Reichsversammlung in Mainz, bei welcher die Wahl eines neuen Königs erfolgen sollte. Hierzu kam auch der Bruder von Kaiserin Kunigunde, "Herzog Heinrich von Bayern mit viertausend Mann herbei, ganz sicher dessen, dass man die Regierung auf ihn übertragen werde"; dieser Heinrich V. (von Bayern) hatte durch die Gunst von Kaiser Heinrich II. im Jahr 1004 das Herzogtum Bayern erhalten. Die – teilweise bestochenen – Fürsten bevorzugten jedoch Konrad als künftigen König. Als Folge hiervon "überließ er  [der bayerische Herzog Heinrich V.] sich dem Neide und entzog sich dem Frieden, und soweit seine Macht reichte, suchte er die inneren Theile des Reiches nicht nur durch Plünderung heim, sondern legte sie sogar in Asche" (n. WINKELMANN 1894).

Nach der erfolgten Krönung belagerte Konrad II. den bayerischen Herzog Heinrich in Regensburg, welcher sich schließlich ergab und die Gnade des Königs erbat. Danach wurde Heinrich ein enger Gefolgsmann Konrads II., wobei jedoch Rivalitäten und Eifersüchteleien weiterbestanden. Schließlich brachen durch ein Intrigenspiel des Würzburger Bischofs die alten Gegensätze wieder hervor und die Kämpfe begannen erneut: "Als der König nun von neuem mit dem Herzog zusammentraf, warf er den Feind nieder, nachdem von beiden Seiten viel Blut vergossen war, und siegte. Auf diese Weise wurde Herzog Heinrich aus dem Land vertrieben und ein Flüchtling und begab sich in den Dienst Stephans, des christlichen Königs der Ungarn. Als dieser aber den Hergang der Sache erfuhr, ließ er ihm am Karfreitag Fleisch vorsetzen, und als dieser davor zurückschreckte und nach dem Anlass fragte, erklärte er ihm: "Gegen den Bruder zu toben und noch heute Fleisch zu essen ist dir gleichermaßen erlaubt". So sanft gezüchtigt kehrte er [in das Ostfrankenreich] zurück und zum Ausgleich entließ er Norenberg an das Reich".

Möglicherweise geht die großflächige Zerstörung der frühen Nürnberger Burganlage, welche FRIEDEL (2007) anhand einer dünnen, aber weiträumig verfolgbaren Brandschicht mit Keramikresten des 10. Jhd. belegen konnte, auf die Eroberung und Zerstörung der Befestigung durch Herzog Heinrich von Bayern zurück. Die in den Annalen erwähnte Rückgabe Nürnbergs an das Reich Konrads II. müsste dann ungefähr auf das Ende des Jahres 1025 zu datieren sein; erst einige Zeit später erscheint der erneute Wiederaufbau der Burg denkbar.  

Die Herrschaft Konrads II. war gekennzeichnet durch eine relative Ruhephase des Reiches; sein großer politischer Verdienst bestand in der Wiederherstellung und Festigung der Königsgewalt in Deutschland (DIETRICH 1956b). Im Jahr 1026 bestimmte Konrad mit Zustimmung der Fürsten seinen neunjährigen Sohn Heinrich zum Nachfolger; 1039 starb Konrad II.

Der zu Beginn des 11. Jahrhunderts, zeitgleich mit der Dynastie der Salier, in Deutschland großräumig vorangetriebene Burgenbau äußerte sich zunächst in überwiegend relativ bescheidenen Anlagen. Selbst größere Burgen wiesen meist noch keinen Mauerring auf, sondern waren von einem mächtigen Wall umgeben, welcher die im Innenbereich errichteten Steinbauten schützte (KRAHE 2008). Im Gegensatz hierzu erfolgte jedoch in Nürnberg bis etwa 1040 auf der höchsten Bergkuppe der heutigen Kaiserburg und auf den Überresten der zerstörten Vorgängerburg der Neubau einer gut strukturierten und auf hohe Ansprüche ausgelegten Burganlage.

Die Baumaßnahmen umfassten die Errichtung eines vermutlich eingeschossigen, rund 160 m2 großen und qualitativ hochwertig ausgestatteten Saalbaus sowie eines mächtigen Rundturmes, wobei dieser Bergfried mit der beachtlichen Mauerstärke von zwei Metern vielleicht schon ein Gegenstück im Bereich des heutigen Sinwellturmes hatte. Im Bereich der späteren Burggrafenburg wurde entlang der Nordflanke eine Palisade gebaut: Die einfache Befestigungsbauweise und die weiteren, im Gegensatz zu den Gebäuden der Kaiserburg nur in Holzbauweise errichteten Gebäude deuten darauf hin, dass dieser Teil der Befestigungsanlage wohl nur die Rolle einer Vorburg innehatte (FRIEDEL 2007).

3D-Darstellung der Burg zu Nürnberg 11. Jhd.

Heinrich III. (1039 - 1056) wurde von seinem Vater Konrad II. im Jahre 1028 zum Mitkönig erhoben und mit den Herzogtümern Bayern und Schwaben ausgestattet. Das politische Interesse Heinrich III. lag hauptsächlich in der Aufrechterhaltung der Hegemonialstellung des Reiches im E. Im Jahre 1039 fiel er in Polen ein und eroberte Krakau; im Jahre 1042 unterwarf Heinrich Böhmen und fügte es als Herzogtum in den Reichsverband ein. 1044 schlug der König die zahlenmäßig überlegenen Ungarn.

Im Jahre 1050 wird "Nuorenberc" gleich zweimal in schriftlichen Quellen erwähnt. Einerseits berichten die Niederaltaicher Reichsannalen von einem Reichstag Heinrichs III. in Nürnberg, wobei hier mit den bayerischen Fürsten ein Abwehrkrieg gegen die Ungarn beschlossen wurde (FRIEDEL 2007). Weiterhin erfolgte auf diesen Reichstag die Freilassung einer Leibeigenen namens Sigena: Die darüber ausgestellte Urkunde vom 16. Juli 1050 wird als der erste schriftliche Beleg für die Existenz Nürnbergs angesehen und gilt bis heute zur Festschreibung des vermeintlichen Stadtgründungsdatums. Elf Jahre später beurkundet auch der nachfolgende König Heinrich IV. den Ortsnamen "Norenberg" in der Urkunde Nr. 10 des Hochstift Augsburg (REITZENSTEIN 2009).  

Die ursprüngliche Bedeutung des Orts- und Burgnamens "Nuorenberc" führt REITZENSTEIN (2009) neben dem Grundwort ahd. "berc" (= "Berg") auf den Personennamen eines – urkundlich allerdings nicht belegbaren – "Nuoro" zurück. Dieser ahd. Name ist durch einen während des II. Weltkriegs in Aalen gefundenen germanischen Halsring des mittleren 5. Jdh. bis beginnenden 6. Jhd. belegt, auf welchen in Runenschrift der Name "noru" ersichtlich ist (BAMMELSBERGER 2000). Eine vergleichbare, wenn auch historisch falsche Herleitung des Ortsnamen findet sich bereits in der ca. 1490 verfassten Chronik des Ritters Hans Ebran von Wildenberg (vgl. ROTH 1905): "Norix, des starcken Hercules sun ... auch sprechen etlich, er hab gepawet ein burgk auf einem perg, ist nach im genent worden Norixperg, itz genant Nürmberg".

Im Gegensatz hierzu führt MAAS (1995) das Bestimmungswort des Nürnberger Burg- und Ortsnamen auf die ahd. Begriffe "Nor" oder "Nür" = "nackter Fels" zurück; Nebenformen hierzu sind westfälisch "Nörre", hessisch "Nürn" und tirolisch "Narren". Als analoge Flurnamen zum Nürnberger Ortsnamen nennt MAAS die "Nürburg" in der Eifel, den "Nürnberg" bei Weiterode über Bebra, die beiden "Narrenkogel" bei Silz und Umhausen in Tirol, in Franken das alte Steinbruchgelände "Nürnranken" bei Günthersbühl sowie den Ort "Nurn am Nurnberg" im Lkr. Kronach.  

Möglicherweise sind die beiden, zunächst diametral voneinander verschieden anmutenden Versuche der Ortsnamensdeutung von "Nuorenberc" trotzdem zutreffend. Denkbar wäre die Benennung einer ersten, heute längst vergangenen Burganlage nach dem Namen ihres Erbauers in vorsalischer Zeit; diese Vermutung lässt sich auch durch die jüngsten Grabungsergebnisse im Bereich der Kaiserburg stützen. Einige Jahrhunderte nach der Gründung mag die Angleichung der mittlerweile unverständlich gewordenen Ortsbenennung an eine den natürlichen geologischen und topographischen Gegebenheiten entsprechende Bezeichnung im Sinne der "Burg auf dem Felsenberg" erfolgt sein, wobei offenbar der alte Burgname etwas länger im Bewusstsein der Bevölkerung verblieb als die Bezeichnung der Stadtsiedlung zu Füßen der Befestigungsanlage.  

Im Jahr 1053 wurde Heinrich IV. (1056 - 1106), der älteste Sohn Kaisers Heinrich III.,  im Alter von nur drei Jahren von seinem Vater als Mitkönig eingesetzt. Heinrich IV. war nach dem plötzlichen Tod seines Vaters von 1056 ab römisch-deutscher König und von 1084 bis zu seiner – durch seinen Sohn Heinrich V. erzwungenen – Abdankung im Dezember 1105 deutscher Kaiser. Er musste sich im Reich in langen Kämpfen gegen den sächsischen und fränkischen Adel durchsetzen. 1076 ließ er den Papst von der Bischofssynode in Worms absetzen; als Reaktion hierauf verhängte der Papst den Kirchenbann über Heinrich IV. und entband die deutschen Fürsten von ihren Treueeid. Im Winter 1077 ertrotzte Heinrich durch den Bußgang nach Canossa die Aufhebung der Exkommunikation und rettete hierdurch sein Königtum.  

Heinrich IV. bildete im Jahre 1065 aus dem Reichsgut "Nuorenberc" und dessen Umland einen eigenen Hochgerichts- und Verwaltungsbezirk. Für das Jahr 1097 ist für "Nuorenberc" erstmals die Bezeichnung "castrum" überliefert. Diese Benennung findet sich auch anlässlich der Belagerung der Nürnberger Burg im August und September 1105: König Heinrich V. hatte seinen Vater Kaiser Heinrich IV. für abgesetzt erklärt und belagerte das Nürnberger "castrum", in welchem sich sein Vater und dessen Gefolgsleuten verschanzt hatten (FRIEDEL 2007).

Dies war dadurch bedingt, dass zu Weihnachten 1104 des Kaisers Sohn Heinrich die Führung einer Gruppe junger Fürsten übernahm, welche sich zur Rebellion gegen den alten Herrscher entschlossen hatten. Nachdem sich der Sohn Heinrich der Unterstützung des Papstes versichert hatte, kam es 1105 zu zahlreichen Kampfhandlungen mit seinem Vater Heinrich IV., welche jedoch ohne militärisch relevanten Erfolg blieben.

In diesem Jahr geriet auch Nürnberg in die Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn und wurde als kaisertreue Stadt zerstört.  MERIAN (1656) bericht über diese Kämpfe: "Nachmals, als die beyde Kayser Heinrich der Vierdte und Fünffte, Vater und Sohn, wider einander kriegeten, und es Nürnberg mit dem Vatter hielte, hat sie der Sohn, umb das Jahr 1105. belagert, und nach 31. Stürme, so Er davor verlohren, endlichen über das Wasser herein an dem Ort, so man wegen der grossen Gegenwehr, die da geschehen, noch heutiges Tages im Obern- und Untern Weehr, nahe bey dem Dendelmarck, nennet, erobert, und wie theils wollen, alles, Jung und Alt in der Stadt erstochen, auch die Kinder in der Wiegen schleiffen und verbrennen lassen. Es wurde Nürnberg hernach Rudenberg genent, und lag also 33. oder 34. Jahr öde, und obwoln theils meynen, es seye damals auch das Schloß erobert worden, so findet es sich doch aus den Jahrbüchern, daß solches eine Jungfrau blieben, und von einem dapffern Mann, Namens Gottfried, erhalten worden".  

Nachdem Ende 1105 beschlossen wurde, den Streit auf einem Hoftag in Mainz zu entscheiden, sicherte Heinrich V. seinem Vater freies Geleit zu. Der alte Kaiser wurde jedoch inhaftiert und zum Thronverzicht gezwungen. Im Januar 1106 wurde Heinrich V. zum König gewählt; sein Vater starb im August 1106. 

Unter Heinrich V. (1106 - 1125) erfuhr die Nürnberger Burg wohl eine beträchtliche Weiterentwicklung. In dieser Zeit begann in Deutschland auch die Blüte des Burgenbaus. Bislang gehörte im deutschen Reich die Genehmigung zum Bau einer Burg durch einen Adeligen, gleich welchen Ranges, zu den königlichen Rechten, wobei diese "Regalien" vor allem zu Beginn des Mittelalters auch tatsächlich von den Königen wahrgenommen wurden. Vermutlich schon am Ende des 11. Jahrhunderts erfolgte aber die Übertragung der Regalien vom König auf kirchliche und weltliche Landesherren, was den Bau von Tausenden neuer Burgen im 12. und 13. Jahrhundert ermöglichte. So war es bereits seit dem 11. Jahrhundert üblich geworden, dass jeder Adelige sich wenigstens ein "festes Haus" oder einen Wohnturm, vorwiegend jedoch eine Burg erbauen ließ (KRAHE 2008).

Mit dem Tod Heinrich V. 1125 starb das Haus der Salier aus. Durch die starke Einflussnahme des Papstes wurde der sächsische Herzog Lothar von Supplinburg, ehemals Unterstützer Heinrich's V. im Thronkrieg gegen dessen Vater, zum König gewählt. Die Besiedelungs- und Christianisierungsbestrebungen des slawischen Osteuropas wurden unter Lothar III. (1125 - 1137) wieder verstärkt aufgenommen. 1125 kam es zwischen Lothar III. und den Staufern unter Herzog Friedrich II. sowie dessen Bruder Konrad zu Kämpfen um das Erbe der Salier. Die Auseinandersetzungen steigerten sich in den folgenden Jahren. In diesem Zusammenhang nennt Otto von Freising, einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber des Mittelalters, in seinem ab 1156 begonnenen Werk "Gesta Friderici Imperatoris" ("Die Taten Kaiser Friedrichs") das "castrum Noricum" (vgl. WAITZ & SIMSON 1912): Hier scheiterte nämlich 1127 ein Feldzug Lothars gegen Konrad und Friedrich.  

Die Vorgeschichte zu dieser blutigen Auseinandersetzung war, dass des Staufers Friedrich II. jüngerer Bruder Konrad von 1124 bis 1127 eine Pilgerfahrt ins Heilige Land unternommen hatte; diese Reise diente zur damaligen Zeit weniger für die Stärkung des Seelenheils als vielmehr zur Erhöhung der politischen Reputation. Nach seiner Rückkehr wurde er von den schwäbischen und fränkischen Anhängern der Staufer auf der Reichsburg Nürnberg zum Gegenkönig erwählt. Nachdem die beiden Staufer Friedrich und Konrad nach der Wahl Lothars von Supplinburg die Nürnberger Burg als Hausgut deklariert hatten, versuchte Lothar III. im Jahre 1127 die Burg wieder dem Reichsgut zuzuschlagen; nach vergeblicher Belagerung Nürnbergs musste sich der König jedoch vor den zum Entsatz heranziehenden Staufern zurückziehen.  

Erst im Jahr 1130 gelang Lothar die Eroberung Nürnbergs, das für die staufische Seite Partei ergriffen hatte. Die Zerstörung der Burg ist durch Brandschichten und Schäden an den Mauern belegt (FRIEDEL 2007). Weiterhin findet sich in den Aufzeichnungen eines Heilsbronner Mönches der Vermerk, dass die durch Brandeinwirkung geschmolzenen Bleidächer der Nürnberger Burg dem 1132 gestifteten Kloster Heilsbronn geschenkt wurden, wo das Blei zur Dachdeckung und zur Herstellung von Brunnenröhren Verwendung fand (MUCK 1879). Einige Jahre nach der Eroberung schenkte Lothar III. die Burganlage seinem Schwiegersohn Heinrich von Bayern, welchen er sie wohl für dessen Unterstützung bei seiner Kaiserwahl 1133 zugesagt hatte. Hierdurch wurde die Burg für einige Jahre zur Grenzbefestigung des Herzogtums Bayern (SCHIEBER 2000).

Bei den Kampfhandlungen des Jahres 1130 war der Saalbau auf der Kaiserburg zerstört worden, wurde im Anschluss hieran jedoch auf größerer Grundfläche wieder aufgebaut. Direkt N' des Saalbaus entstand ein großer Wohnturm mit einer Innenfläche von 210 m2, zu dessen Bau der um 1040 errichtete, mächtige Burgfried abgebrochen werden musste (FRIEDEL 2007).

MERIAN (1656) berichtet über diesen Abschnitt der Stadtgeschichte: "Unter Kayser Lothario hat sich dieser Ort wieder herfür gethan, und sonderlichen bey Regierung Kayser Conraden des Dritten, sich stattlich erholet und das Jahr Christi 1140. welcher auch 10. Jahr hernach, als Er aus dem Heiligen Land wieder ins Reich kommen, mit seiner Gemahlin gern daselbsten gewohnet".

Der Staufer Konrad wurde nach dem Tod Lothars III. auf Betreiben des Papstes zum König gewählt. Die Regierungszeit Konrad III. (1138 - 1152) war hauptsächlich erfüllt von ergebnislosen Kämpfen gegen das einflussreiche Geschlecht der Welfen. Unmittelbar nach seiner Wahl zum König belagerte Konrad III. im Jahr 1138 die Nürnberger Burg, in welcher sich die Reichsinsignien befanden: "Von der alten ... Zuneigung der Bürger begünstigt, sah Conrad die Stadt bald in seine Hände übergehen" (JAFFÉ 1845). So erlangte der Stauferkönig Konrad III. im Jahr 1138 Nürnberg wieder vom Herzogtum Bayern zurück; er hielt sich in den darauf folgenden Jahren längere Zeit in der Stadt auf, festigte das königliche Gut und es begannen die Umbauarbeiten der bestehenden Wehranlage zur späteren Kaiserburg.

Im Jahr 1138 wird mit einem Gottfried (von Raabs) erstmals auch ein Nürnberger Burggraf beurkundet: Die Burggrafschaft hatte Konrad III. mit Gericht und Verwaltung an die niederösterreichischen Edelfreien von Raabs verliehen. Aus den Urkunden geht jedoch nicht hervor, ob dieses Amt neu eingerichtet oder nur bestätigt wurde (FRIEDEL 2007). Neben den o.a. Verweis von MERIAN (1656) weisen jedoch auch die jüngsten Grabungsergebnisse in der Burggrafenburg darauf hin, dass ein königlicher Amtsträger wohl bereits seit 1105 vorauszusetzen ist.  Im Südteil der Burggrafenburg errichtete Gottfried I. von Raabs eine kleine Burgkirche, den Vorgängerbau der späteren Walburgiskapelle. In dieser Zeit wurde auch die Palisadenbefestigung durch eine Wehrmauer ersetzt.

Die Walpurgiskapelle als eines der letzten noch erhalten gebliebenen Bauwerke der alten Burggrafenburg auf dem Burgberg zu Nürnberg. Foto: Harald Rosenberg/Erlangen.

Vermutlich noch während der Regierungszeit von Konrad III. erfolgte der Bau des Fünfeckigen Turms als Bergfried der Burggrafenburg (FRIEDEL 2007). In den Jahren nach 1138 erlangte Nürnberg durch die jährlichen Besuche Konrads III. besondere Bedeutung: So findet sich in dem Werk Otto von Freising's zum Jahr 1146  (vgl. WAITZ & SIMSON 1912) der Hinweis: "in oppido principis quod Noricum seu Norinberch appellatur" ("in der Stadt des Fürsten, die Noricum oder Norinberch genannt wird").

Der "Fünfeckige Turm" der 1420 zerstörten Burggrafenburg zu Nürnberg.

1148 brach der König zum Zweiten Kreuzzug ins Heilige Land auf und beließ seinen zehnjährigen Sohn Heinrich in der Obhut Nürnbergs.  Spätestens bis 1150 hatte die Nürnberger Burganlage bereits die Ausmaße der heute noch bestehenden Befestigung erlangt: Sie umfasste damals eine Grundfläche von ungefähr 10.600 m2, wobei auf die Burggrafenburg rund 4.500 m2 entfielen. Hierbei wird durch die Gestaltung der Kaiserburg der hochherrschaftliche Anspruch verdeutlicht, welcher sich in der E' anschließenden Burggrafenburg mit ihren kleineren Bauwerken nicht verwirklichen ließ. In dieser architektonischen Aussage manifestierten sich die Trennung der beiden Burgteile sowie das Amtsträgerverhältnis der Burggrafen zum deutschen Kaiser (FRIEDEL 2007).  

Friedrich, der Neffe Konrads III., wurde 1152 zum König gewählt. Zu Beginn seiner Regierungszeit legte Friedrich I. Barbarossa (1152 - 1190) zunächst die Auseinandersetzungen mit den Welfen durch einen Reichslandfrieden bei. Durch rücksichtslose Einziehung ehemals verloren gegangenen Reichsgutes, das er dann durch Ministerialen als Beamte verwalten ließ, stärkte Friedrich I. die Macht seines Königtums; weiterhin fand die niedere Ritterschaft in seinen Diensten neue Aufgaben.

Heinrich der Löwe, der Herzog von Sachsen und ein Vetter Friedrich Barbarossas, erhielt das unter Konrad III. verlorene Bayern zurück. Burgund gewann Friedrich durch Eheschließung dem Reich zurück, Pommern und Böhmen wurden Reichslehen und Polen sowie Ungarn erkannten die Oberhoheit des deutschen Königs an. Den Papst befreite Friedrich I. von der ständigen Gefahr einfallender Normannen und wurde dafür von diesem im Jahr 1155 zum Kaiser gekrönt. Durch die Vermählung seines Sohnes Heinrich mit Konstanze von Sizilien gelang Friedrich Barbarossa schließlich die Eingliederung des normannischen Süditalien in das Reich, was eine ungeheure politische, militärische und finanzielle Stärkung des fränkischen Königtums zur Folge hatte.

Der untere Teil der Doppelkapelle auf der Nürnberger Kaiserburg um 1930.

Den Nürnberger Kaufleuten garantierte Friedrich Barbarossa im Jahre 1163 kaiserlichen Schutz und Handelsfreiheit im gesamten Reich; dieses Handelsprivileg wurde von den nachfolgenden Herrschern immer wieder bestätigt.  Vermutlich unter Friedrich I. Barbarossa (und anschließend unter seinem Sohn und Nachfolger Heinrich VI.) wurden auf der Nürnberger Kaiserburg alle Gebäude abgebrochen und durch den heute noch bestehenden Palas mit der anschließenden Doppelkapelle ersetzt.

Der vermutlich unter Friedrich I. Barbarossa und anschließend unter seinem Sohn und Nachfolger Heinrich VI. errichtete Palas der Nürnberger Kaiserburg.

Friedrich Barbarossa hielt in dem nunmehr hochrangigen Repräsentationsort zwischen 1163 und 1181 fünf Hoftage ab, nahm hier 1183 die Unterwerfung der Stadt Alessandria entgegen, erließ 1186 ein Landfriedensgesetz und empfing im Jahre 1188 Gesandte aus Byzanz (FRIEDEL 2007). Im Jahre 1190 erlitt Friedrich Barbarossa während eines Kreuzzuges im Fluss Saleph den Tod durch Ertrinken.

Das Werk Friedrichs wurde von seinem Sohn Heinrich VI. (1190 - 1197) fortgeführt. Er unterhielt ein stehendes Heer von Rittern. Mit der Anerkennung der Lehenshoheit des Kaisers über England, der Verwaltung ganz Italiens durch deutsche Ministeriale, der Oberhoheit Siziliens über Nordafrika und der Akzeptanz der zyprischen und armenischen Könige bezüglich der Lehensabhängigkeit vom Reich erlangte das deutsche Kaisertum seine bislang größte Machtfülle.

Auf der Nürnberger Burggrafenburg übernahm 1190/91 Friedrich III. von Zollern, ein getreuer Gefolgsmann Heinrichs VI., das Lehen des Burggrafenamtes. Friedrich hatte um 1185 Sophia von Raabs, die Tochter des alten Burggrafen Konrad II. von Raabs, geheiratet. Nach dem Tod seines Schwiegervaters, der keine männlichen Nachkommen hinterließ, wurde Friedrich mit der Burggrafschaft Nürnberg belehnt und nannte er sich von diesem Zeitpunkt ab Friedrich I. von Nürnberg-Zollern: Seitdem ist der Familienname Hohenzollern gebräuchlich.  

Im Jahre 1196 bestimmte Heinrich VI. seinen erst zwei Jahre alten Sohn Friedrich als Nachfolger. Infolge des plötzlichen Tod Heinrichs VI. im Jahr 1197 begannen – bedingt durch das Wiederaufflammen der alten staufisch-welfischen Rivalitäten – elementare Krisenjahre für das Reich. Aufgrund der Minderjährigkeit Friedrichs ließ sich Heinrich des Löwen Sohn Otto zum König wählen, was die Wahl Philipps von Schwaben – des Bruders Heinrich VI. – als Gegenkönig zur Folge hatte. Papst Innozent III. ergriff sofort Partei für Otto IV. (1198 - 1215) und ließ sich zum Vormund des minderjährigen Friedrich bestimmen. Allerdings vermochte der vom Papst gestützte Otto IV. erst nach der Ermordung von Philipp von Schwaben im Jahre 1208 und nach seiner Kaiserkrönung 1209 allgemeine Anerkennung in Deutschland zu erringen.  

Drei Jahre später kam Friedrich II. (1211 - 1250) mit Unterstützung des Papstes an die Macht und fand in Deutschland sofort allgemeine Anerkennung. In den Folgejahren prägte der Aufstieg Friedrichs II. signifikant das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Diese wohl bedeutendste Herrschergestalt des deutschen Mittelalters hatte vor allem die imperiale Wiederherstellung des Weltreiches seines Vaters Heinrich IV. zum Ziel, wobei Italien das finanzielle und Deutschland das militärische Rückgrat seiner nahezu absolutistischen Herrschaft darstellte. Eine straff zentralisierte Verwaltung durch besoldete Berufsbeamte, ein modernisiertes Steuersystem, ein erstes Reichsgesetz in deutscher Sprache mit der Einführung von schriftlichen Prozessverfahren und ein planmäßiger Ausbau der Landesverteidigung waren kennzeichnend für seine Herrschaft.

Den geistlichen Fürsten übergab er 1214 Münz- und Zollrecht und überließ ihnen die Gerichtsbarkeit sowie das Recht zur Anlage von Burgen; dieselben Hoheitsrechte verlieh er 1232 den weltlichen Fürsten. Die Selbstständigkeit der landesherrlichen und bischöflichen Städte schränkte er ein, während er die Entwicklung der Reichsstädte ausdrücklich förderte: So begannen in dieser Zeit auch die Nürnberger Bürger verstärkt "Kaufmannschaft zu treiben in fremde lant", um Nahrung zu suchen, "wann umb Nurenberg ein sandiger spröder poden ist" (MEISTERLIN 1488). Der von Friedrich II. im Jahre 1219 erlassene Große Freiheitsbrief leitete vor allem durch die Verleihung eigener Gerichtsbarkeit und Steuerhoheit die Entwicklung Nürnbergs zur Freien Reichsstadt ein.

Der vermutlich um 1215 erbaute "Heidenturm" auf der Kaiserburg zu Nürnberg.

 Auf der Nürnberger Kaiserburg erfolgte die Fertigstellung des von Friedrich I. Barbarossa begonnenen, 56 m x 13 m großen Palas – wohl unterbrochen aufgrund der "Kronwirren" zwischen König Otto IV. und Gegenkönig Philipp von Schwaben – erst unter Friedrich II. (FRIEDEL 2007).

Für die Zeit um 1225 ist in Deutschland der Höhepunkt des Burgenbaus zu beobachten: Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Errichtung steinerner Burganlagen im deutschen Reich geradezu explosionsartig zugenommen. Nach den Überschlagsberechnungen von KRAHE (2008) wurden im deutschsprachigen Gebiet des Reiches rund 18.000 Burganlagen unterschiedlicher Größe gebaut, wobei der Hauptteil während der Stauferzeit im 12. und 13. Jahrhundert errichtet wurde.  

In den Saal des Palas der Nürnberger Kaiserburg wurde während der Herrschaft Friedrich II. zwischen 1216 und 1236 eine massive, innen aufwendig verzierte, ziegelgedeckte Rundkapelle eingebaut, die wahrscheinlich zur sicheren Aufbewahrung der Reichskleinodien diente, bereits am Ende des 13. Jhd. jedoch wieder abgebrochen wurde (FRIEDEL 2007, 2011). In der nunmehr stark expandierenden Stadt Nürnberg entstanden von 1230 bis 1260 die großen Kirchenbauten von St. Sebald und St. Lorenz.

Im Jahre 1239 führte der Streit wegen eines nicht angetretenen Kreuzzuges zum Bann Friedrich II. durch den Papst. Nürnberg ergriff Partei für den Kaiser, woraufhin der päpstliche Gegenkönig Heinrich Raspe mit burggräflicher Unterstützung Stadt und (Kaiser-) Burg angriff und eroberte (BOSL 1971).  Nach Friedrich II. plötzlichen Tod folgte ihn sein Sohn Konrad IV. (1250 - 1254) auf den Thron; dieser starb jedoch bereits nach knapp fünf Jahren. Friedrichs zweiter Sohn Manfred fiel 1266 in der Schlacht von Bebevent und sein dritter Sohn Enzio, welcher bereits 1249 in die Gewalt der Bolognesen gefallen war, verstarb 1273 in der Gefangenschaft.  

Nach dem Tod des in Deutschland bereits 1247 von der päpstlichen Partei zum Gegenkönig gewählten Grafen Wilhelm von Holland versank vom Jahr 1256 ab das Reich in den Wirren des Interregnums. Das Reichsgut als Grundlage der Königsmacht der Staufer ging verloren, und Fehden sowie Raubrittertum waren an der Tagesordnung. Rechtskodifikationen wie der Sachsenspiegel Eike von Repkow‘s (vgl. SCHOTT 1991) versuchten Ersatz zu schaffen für die fehlende Ordnung einer Rechtspflege.

Der um 1280 erbaute Sinwellturm und das 1563 über dem Tiefen Brunnen errichtete Brunnenhaus auf der Kaiserburg zu Nürnberg.

 Im Oktober 1273 beendete die Krönung Rudolfs von Habsburg (1273 – 1291) das Interregnum. Die Politik Rudolfs konzentrierte sich stark auf die Wiedererlangung des im Interregnum verstreuten Königsgutes. Während seiner Regierung gewann die Nürnberger Burg wieder stark an Bedeutung: Die zu dieser Zeit getätigten umfangreichen Um- und Neubauten auf der Kaiserburg – wie der Bau des Sinwellturms und die Erneuerung des Palas – deuten darauf hin, dass die Burganlage vom König als Symbol der jahrhundertelangen Herrschertradition angesehen wurde (FRIEDEL 2007). 

Der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaute Sinwellturm auf der Kaiserburg zu Nürnberg. Foto: Florian Huber/Kiel.

  Unter Karl IV. (1346 - 1378) galt Nürnberg als die vornehmste und am besten gelegene Stadt des Reiches und wurde als die wichtigste Stadt nach Prag angesehen. MERIAN (1656) berichtet hierüber: "Zu den Zeiten Kayser Carol des Vierten, umb das Jahr Christi 1350. ist Nürnberg gewaltig erweitert, mit neuen Mauern umbgeben, und folgens, wie jetzt zu sehen, mit doppelten starken Mauern, weiten und tieffen Gräben, mächtigen Thürnen, stattlichen Brustwehren, Pasteyen und dergleichen bevestiget worden".

Burg und Stadt Nürnberg aus der Weltchronik des Hartmann Schedel (1493).

Der Aufstieg Nürnbergs zur freien Reichsstadt wurde durch die 1356 von Karl IV. verliehene "Goldene Bulle" beschleunigt. Dieser bis 1806 gültige Erlass enthält neben genauen Modalitäten der Königswahl die Bestimmung, dass jeder neu gewählte Kaiser seinen ersten Reichstag in Nürnberg abzuhalten habe. Hierdurch stieg Nürnberg neben Frankfurt und Aachen zur dritten Hauptstadt des Reiches auf und war ab diesem Zeitpunkt die wohl meistprivilegierte Stadt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Diese Bedeutung wurde später noch verstärkt durch den im September 1423 durch König Sigismund (1411 - 1437), den Sohn Kaiser Karls IV., bestimmten Erlass, Nürnberg die Reichskleinodien "zu ewiger Verwahrung" zu übertragen. In der Folgezeit wurde Nürnberg zum führenden Tagungsort der Reichsversammlungen, wobei der Höhepunkt der reichsstädtischen  Gestaltungskraft zwischen 1350 und 1550 lag (FRIEDEL & FRIESER 1999).

Bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts war es in Nürnberg zum Ausbruch eines seit langem schwelenden Streites zwischen der Stadt und dem Burggrafen gekommen. Dieser Konflikt lag teilweise darin begründet, dass der Burggraf dazu übergegangen war, vermögende Nürnberger Kaufleute auf seine Burg zu entführen und nur gegen Lösegeldzahlungen wieder freizulassen. Im Jahre 1367 ließ der Rat der Stadt die Burggrafenburg "bei dem noch vorhandenen fünfeckichten Thurn" mit einer Mauer absperren; Im Jahr 1377 erfolgte durch die Stadt der Bau des "Luginsland", um mit diesem hohen Turm "in alle Winkel des burggräfischen Hofs sehen zu können" (MÜLLNER 1984).

3D-Darstellung der Burg zu Nürnberg Anfang 15. Jhd.

Während des Städtekrieges 1388 standen sich Stadt und Burggraf als Feinde gegenüber: Im Zuge dieser Auseinandersetzung nahm die Stadt die Burggrafenburg offensichtlich ein, da sie sich im Separatfrieden 1389 verpflichtete, dem Burggrafen seine "Veste zu Nürnberg" wieder zurückzugeben (FRIEDEL 2007).  

Im Oktober 1420 brannte der wittelsbachische Pfleger in Lauf mit Unterstützung der Stadt Nürnberg die Burggrafenburg nieder. 1427 kaufte die Stadt die Überreste der Burggrafenburg von Burggrafen Friedrich VI.; mit dem Erwerb der beiden Burghuten der Kaiserburg 1429 und 1432 befand sich schließlich die gesamte Burganlage im Besitz der Stadt. In den Jahren 1494 und 1495 ließ der Rat auf dem E' Terrain der ruinierten Burggrafenburg die heute noch erhaltene Kaiserstallung errichten (FRIEDEL 2007). Allerdings zeigten die im Herbst 2012 im Zuge von Renovierungsarbeiten getätigten Ausschachtungen an der S-Seite der Kaiserstallung, dass dieses markante Bauwerk unmittelbar auf dem anstehenden Fels gegründet ist und somit der von Friedel in diesem Bereich vermutete ehemalige Halsgraben der Burggrafenburg als nicht existent angesehen werden muss.

Der "Fünfeckige Turm" der alten Burggrafenburg (links), die "Kaiserstallung" (Mitte) und der "Luginsland" (rechts) auf dem Burgberg zu Nürnberg. Foto: Harald Rosenberg/Erlangen.

Mit der Fertigstellung der Kaiserstallung war das heute noch sichtbare Gesamtbild der Nürnberger Burg weitgehend vollendet. Im E des Burgberges liegen die reichsstädtischen Bauten der Kaiserstallung und des Turms "Luginsland"; W' hiervon schließen der "Fünfeckige Turm" und die "Walpurgiskapelle" als die letzten noch erhalten gebliebenen Bauwerke der alten Burggrafenburg an. Der Hauptteil des Berges wird von der Kaiserburg mit dem Palas und der Kemenate, dem "Heidenturm" mit der romanischen Doppelkapelle, den Wirtschaftsgebäuden mit dem "Tiefen Brunnen" und dem alles überragenden "Sinwellturm" eingenommen. Im N und W ist der gesamten Burganlage das zwischen 1538 und 1545 durch den italienischen Festungsingenieur Fazuni erbaute, mächtige System der Bastionen vorgelagert. 

3D-Darstellung der Burg zu Nürnberg Anfang 21. Jhd.

Im 15. und 16. Jhd. lebten und arbeiteten in Nürnberg etwa 50.000 Einwohner. In dieser Blütezeit zählte Nürnberg zu einer der größten Städte der damaligen Zeit und wurde aufgrund seiner Bauten und Kunstschätze, seines Reichtums und seiner weltoffenen Politik als "Florenz des Nordens" bezeichnet. Die Nürnberger Burg wurde von der Stadt bis in das 17. Jahrhundert weiter ausgebaut.

Im Dreißigjährigen Krieg war die Gegend um Nürnberg Schauplatz eines mehrere Jahre dauernden Stellungskriegs der Kriegsparteien, wobei die Stadt und die Burg aber nicht erobert wurden. In der Folgezeit verlor die Burg ihre militärische Bedeutung.

Während der napoleonischen Kriegswirren erlitten Nürnberg und sein Umland schwere Verwüstungen: Sowohl innerhalb der alten Reichsstadt als auch in den Vororten herrschten desolate Verhältnisse. Die im Jahr 1806 vollzogene Eingliederung der Stadt Nürnberg in das Königreich Bayern beendete die  reichsstädtische Epoche.

Nach 1830 begannen unter dem bayerischen König Ludwig I. auf der Nürnberger Burg umfangreiche baukonservierende Maßnahmen und Umgestaltungen. Auch während des III. Reiches erfolgten Umbauten der Kaiserburg, welche im Rahmen der jährlich stattfindenden Reichsparteitage als symbolträchtige Kulisse für das Regime sowie als Unterkunft für hohe Staatsgäste dienen sollte.

Kaiserburg vor dem II. Weltkrieg

In der Endphase des II. Weltkrieges, am 02. Januar 1945, bombardierten 514 britische Lancaster und 7 Mosquitos die Stadt Nürnberg und die Burganlagen; während dieses verheerenden Luftangriffes wurden innerhalb von 25 Minuten 2.304 Tonnen Bomben und Luftminen abgeworfen. Als Ergebnis waren 16.593 Gebäude vernichtet oder beschädigt worden, 1794 Menschen fanden den Tod, 3333 Personen wurden verletzt und 100.000 wurden obdachlos. Alleine die Löscharbeiten in der Stadt dauerten sieben volle Tage. Auf der Nürnberger Burganlage wurden bei diesem Bombenangriff und bei den folgenden Kampfhandlungen bis Mitte April 1945 rund 80 % der Gebäude zerstört (vgl. MOSSACK 1952, SCHRAMM 1988).

Blick auf den Sinwellturm und auf das zerstörte Brunnenhaus des Tiefen Brunnen am Ende des II. Weltkriegs.

Vom Jahr 1947 ab begann durch das Landbauamt Nürnberg der Wiederaufbau der Nürnberger Burgen in historischer Form und wurde erst 1981 vorläufig abgeschlossen.


   * Dr. A. Baier, last update: Samstag, 20. September 2014 01:57

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