GeoZentrum Nordbayern

 

6 Zusammenfassung und Ausblick

 


Die anhand der historischen, heute noch nachweisbaren Wasserversorgung rekonstruierbare Entwicklungsgeschichte der Nürnberger Burganlagen lässt sich aus hydrogeologischer Sicht wie folgt darlegen:

Zu den frühesten Befestigungsanlagen auf dem Burgbergplateau zählt die von FRIEDEL (2007) beobachtete, ursprünglich an ihrer Basis abgedichtete Zisterne unter dem heutigen Palas der Kaiserburg. Diese stellt wohl den ersten Versuch einer Wassergewinnung auf den durch hohe Versickerungsraten charakterisierten Burgsandsteinfelsen dar und dürfte wohl zu einer frühen, relativ kleinen Burganlage gehört haben.

Daneben wurde mit Sicherheit die ursprünglich frei am S’ Berghang ausrinnende Quelle des später in einem Sandsteingewölbe gefassten Margarethenbrunnens genutzt. Vor allem die archaisch anmutende Ausschachtung des Quellbeckens deutet auf ein hohes Alter dieser Quellfassung hin. Trotz ihrer nur geringen Schüttung erschien die Margarethenquelle aber als so bedeutsam, dass sie Jahrhunderte später mit beträchtlichem Aufwand in die neu errichtete Sandsteinmauer des Burgwegs bei der Himmelsstallung integriert und über die Quellkammer zugänglich gehalten wurde.

Die beiden Schachtbrunnen der Burggrafenburg und der Kaiserburg sind untrennbar mit der Bauhistorie dieser beiden Anlagen verknüpft und müssen aus fortifikatorischen Gründen dem jeweiligen Baubeginn der Burgen zugeordnet werden. Vor allem während des durch mannigfaltige kriegerische Auseinandersetzungen gekennzeichneten 10. Jhd. und 11. Jhd. wäre jede auf einem Berg errichtete Befestigung ohne die Möglichkeit einer ausreichenden und ständig verfügbaren Trink-, Brauch- und Löschwasserversorgung nicht überlebensfähig gewesen. Die offenbar von Anfang an untergeordnete Bedeutung der Burggrafenburg äußert sich auch in der relativ geringen Teufe ihres Burgbrunnens; dieser Umstand könnte aber auch auf ein etwas höheres Alter der Burggrafenburg in Relation zur späteren Kaiserburg hindeuten. Der „Tiefe Brunnen“ war hingegen von Anbeginn auf eine große Wasserförderung hin ausgerichtet, scheint aber auch durch seine Ausgestaltung repräsentativen Zwecken gedient zu haben. Möglicherweise wurde dieser „Tiefe Brunnen“ zunächst nur 34 m in das Gebirge abgeteuft und in einem späteren Bauabschnitt bis zu seiner Endteufe von 50 m ausgebaut.

Der weithin bekannte „Tiefe Brunnen“ der Kaiserburg stellt ein seit Jahrhunderten vielfach bestauntes Meisterstück der Brunnenbaukunst dar und ist noch heute ein stark frequentiertes Ziel von Besuchern unterschiedlichster Nationalitäten. Der rund 20 m tiefe Schacht des wohlmöglich älteren Brunnen der Burggrafenburg ist jedoch seit der Mitte des 19. Jhd. abgedeckt und fristet unter einer dünnen Grasnarbe verborgen ein unbeachtetes Dasein. Im Zuge der in jüngster Vergangenheit von der Bayerischen Staatsregierung in vorbildlicher Weise durchgeführten Restaurierung und nachhaltigen Aufwertung der Kaiserburg wäre die Freilegung und der Wiederaufbau dieses „Zweiten Tiefen Brunnen“ auch unter dem Aspekt seiner historischen Bedeutsamkeit sicherlich ein krönender Abschluss.

Areal der alten Burggrafenburg zu Nürnberg.

* Dr. A. Baier, last update: Montag, 09. September 2013 14:45

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