Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Einführung


In Franken bestehen mehrere hydrologisch voneinander unabhängige, ergiebige Grundwasserleiter. Die hieraus gewonnenen Wässer reichen von artesisch auslaufenden Mineralwässern über die in den Keupersandsteinen auftretenden Grundwasserhorizonte bis hin zu den Doggeraquiferen und den mächtigen Karstwasserkörpern der Frankenalb.

Karstquelle Lillachquelle E´ Weißenohe (Nördliche Frankenalb)Viele dieser Grundwasservorkommen unterliegen einer zunehmenden Gefährdung durch anthropogene Schadstoffeinträge. Bei nahezu allen oberflächennahen Aquiferen ist heute zu beobachten, daß menschliche Aktivitäten in Form von dichter Besiedlung und Industrialisierung oder besondere Erschließungen wie Bergbau, Verkehr und Tourismus sowie vor allem die intensive landwirtschaftliche Nutzung eine quantitative und qualitative Beeinträchtigung der Grundwasservorkommen bedingen. In besonderer -- und für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung sehr relevanter -- Weise sind hiervon Karstgrundwasserleiter betroffen. Die durch Lösungsvorgänge erweiterten Wasserwege im Karstsystem, die sich für die Grundwasserneubildung durch hohen Mengeneintrag der gefallenen Niederschlagsmengen als sehr günstig erweisen, werden hier zum Nachteil: Die weiträumigen geöffneten Trennflächen an der Oberfläche des Karstgebirges begünstigen nicht nur den Zutritt der Wässer, sondern auch den Eintrag der mit den Oberflächenwässern transportierten, gelösten oder suspendierten Stoffe.

Während in Porenwasseraquiferen beim unterirdischen Abfluß noch Filterungsvorgänge wirksam sind, kommt in den weitgeöffneten unterirdischen Gerinnen von Karstgebirgen der Fragestellung einer potentiellen Gefährdung der mächtigen Grundwasserkörper eine besondere Gewichtung zu. So werden beispielsweise in der Nördlichen Frankenalb die bedeutenden Karstgrundwasser-Vorkommen der Veldensteiner Mulde zur Versorgung der Großstadt Nürnberg genutzt. Da in Karstgebieten aufgrund der vielfältigen Verkarstungserscheinungen die hydrogeologischen Verhältnisse besonders kompliziert sind, können die hierdurch bedingten, bestehenden und potentiellen Gefährdungen des Karstwassers durch anthropogene und geogene Einflüsse nur durch umfangreiche karsttektonische und hydrogeologische Beobachtungen beurteilt werden.


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Montag, 23. Februar 2009 22:36