Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Tektonik der Frankenalb


Tektonisch gesehen gehört das nordbayerische Deckgebirge zur Süddeutschen Großscholle. Ihre Ostgrenze zur Böhmischen Masse wird durch mehrere herzynisch streichende, große Störungszonen markiert, wobei die Fränkische Linie das markanteste dieser wohl bereits sehr alt angelegten Lineamente darstellt. Die Anlage dieser Störungen ist durch eine mehrphasige Entwicklung gekennzeichnet, welche bereits im Stefan zu beginnen scheint und deren jüngste Bewegungen bis in das Quartär reichen (SCHRÖDER 1976, 1990). Dieses -- im heutigen Anschnittniveau bis 20 km breite -- Störungssystem ist durch eine teils fiedrig angeordnete, teils staffelartige Bruchtektonik charakterisiert. Sie erstreckt sich von der eigentlichen Hauptaufschiebung der Böhmischen Masse auf das süddeutsche Deckgebirge im E (Fränkische Linie i.e.S.) bis zur Nördlichen Frankenalb im W (PETEREK & SCHRÖDER 1995).

3D-der Frankenalbfurche im Nördlichen Frankenjura zwischen Nürnberg und LichtenfelsIm SW´ Vorland der Fränkischen Linie i.e.S. verläuft das Senkungsgebiet der flachherzynisch streichenden Frankenalbfurche. Dieses für die Nördliche Frankenalb karsttektonisch dominierende Element gehört zu den frühesten Anlagen im Gebirgsbau der Alb. Die auch als "Frankenalbmulde" bezeichnete Synklinalstruktur im Deckgebirge war wahrscheinlich bereits am Ende des Mittleren Keupers embryonal vorhanden (VIOHL 1969), nachgewiesen paläogeographisch wirksam war sie ab dem Oberen Jura (v. FREYBERG 1969). Dieses -- geologisch gesehen schon sehr alt angelegte -- tektonische Senkungsgebiet trennt zwei verschiedene großtektonische Einheiten: Im W grenzt die Frankenalbfurche an den Ostabfall der Südwestdeutschen Großscholle und im E an die Westgrenze des Moldanubikums.

Die in ihrer Längserstreckung über 200 km und in der Breite etwa 5 km bis 8 km messende Frankenalbfurche streicht in herzynischer Richtung durch das Grabfeld und weiter nach SE durch die gesamte Fränkische Alb. Diese große Muldenstruktur wird durch leichte Queraufwölbungen untergliedert: Von NW nach SE folgen die Grabfeldmulde, der bruchtektonisch geprägte Staffelsteingraben und die Hollfelder Mulde, die sich nach N in die "Ziegenfelder Bucht" verbreitert. Der Ailsbachsattel trennt im SE´ Fortstreichen die Hollfelder Mulde von der Veldensteiner Mulde, beides äußerst wichtige Grundwasservorratsgebiete. Von der Veldensteiner Mulde zweigt nach ESE der Auerbacher Furchenast ab. Die Frankenalbfurche zieht weiter nach SE über die Regenstaufer Mulde bis in das Gebiet von Regensburg, wo sie in die große Senkungszone der außeralpinen Molasse einlenkt. Hier setzt sich diese Tiefenstruktur bis über den Inn hinaus fort (FREUDENBERGER & SCHWERD 1996).

Die tiefsten Absenkungsbereiche der Frankenalbfurche befinden sich im S bei Regensburg und inmitten der Frankenalb bei Hollfeld: So ist die Hollfelder Mulde gegenüber Erlangen tektonisch gesehen um 300 m und gegenüber Bayreuth bis 600 m eingesenkt.

Ausbildung des Kluftflächengefüges am Beispiel der FrankenalbfurcheDie Frankenalbfurche wird beiderseits durch Flexuren und Großabschiebungen begrenzt. Zwischen den Flexuren und den Störungen bestehen enge genetische Beziehungen. Die Flexuren mit ihren Biegungsklüften und die Großabschiebungen sind an die gleichen Schollenkanten des konsolidierten Untergrundes gebunden (v. FREYBERG 1969). Sie haben in der Regel das gleiche herzynische Generalstreichen und sind lediglich verschiedene Entwicklungsstadien des gleichen tektonischen Vorganges: Die Flexuren sind "designierte Verwerfungsgebiete". Beim Einsinken des konsolidierten Basements bildete sich ein treppenartiger Schollenbau aus, wobei das auflagernde Deckgebirge als "darübergespannte Haut" zunächst durch Verbiegungen reagierte. Durch die hierbei auftretenden Zugkräfte entstanden -- in Richtung zur abgesenkten Scholle hin -- zunächst Flexuren. In den Flexurzonen bildeten sich sekundär Längs-, Quer- und (untergeordnet) Diagonalklüfte, Scherflächen und schließlich kluftparallele Abschiebungen aus. Die so entstandenen Störungen müssen jedoch nicht exakt über dem Randbruch der Grundgebirgsscholle liegen: Sie können ihn vielfach komplizierter abbilden und so zu Zonen von Störungsbündeln werden. Zeitlich gesehen erfolgte die Ausbildung der Trennflächen im Frankenjura bereits ab dem Präcenoman.


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Freitag, 06. März 2009 14:52