Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Karstgrundwasserschutz in Nordbayern


Eine effektive und wirksame Ausweisung von eng umgrenzten Wasserschutzgebieten ist für die Karstwasseraquifere der Frankenalb nicht möglich. Vom Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft wurde deshalb ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, welcher die mächtigen Grundwasserressourcen im nordbayerischen Karstgebirge vor nachhaltiger Kontamination schützen soll; dieser soll im Folgenden n. KOSCHEL (1999) auszugsweise vorgestellt werden.

So gelten nach administrativer Ansicht tiefreichende Eingriffe in das Karstgebirge wie Steinbrüche aufgrund ihrer flächenhaften Ausdehnung und ihrer Abbautiefe als sehr riskant für das Karstgrundwasser; hinzu kommen hier noch die potentiellen Gefährdungen durch den Fahrzeugverkehr im Werk sowie dem Einsatz von Maschinen auf der ungesicherten Karstoberfläche. Deshalb sieht die Bayerische Wasserwirtschaft Abbauflächen von Steinen und Erden in den Einzugsgebieten öffentlicher Trinkwasserversorgungen als grundsätzlich nicht hinnehmbar an.

Ein vor allem auf den Hochflächen des Karstgebirges seit langem besonders gravierendes Problem stellt die Beseitigung kommunaler Abwässer dar. Falls Kläranlagen überhaupt auf der Karstoberfläche vorhanden waren, wurden noch in jüngster Vergangenheit die gereinigten Wässer versickert und zwar nur in seltenen Fällen flächenhaft, sondern meistens linear über die so genannten Bürgermeistergräben oder sogar durch punktuelle Einleitung in Dolinen mit unterirdischem Abfluß. Infolge zunehmender Erkenntnis der damit verbundenen Problematica wird in Bayern seit Anfang der Neunziger Jahre angestrebt, die verstreuten Ortschaften auf der Karsthochfläche summarisch über große Kläranlagen in den tief eingeschnittenen Karsttälern zu entwässern, um die Abwässer nach hinreichender Klärung in einen leistungsfähigen Vorfluter entsorgen zu können. In Gebieten, wo diese Vorgehensweise aufgrund zu hoher Investitionskosten als kommunalpolitisch nicht opportun erschien, werden die gereinigten Abwässer außerhalb ausgewiesener Wasserschutzgebiete flächenhaft über "Brachwiesen" versickert. Dieses Verfahren wird beispielsweise in der Abwasser-Verrieselungsanlage in Hilpoltstein (Nördliche Frankenalb) angewandt, wo Dolomitgrus einem Paläorelief von Massendolomiten auflagert und somit eine Filterfunktion gegenüber den eingebrachten Schadstoffen ausüben kann (KOCH 1999).

Der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Karstoberfläche kommt nicht wegen ihrer hohen Gefährdungspotentiale, sondern aufgrund ihrer flächenhaften und nahezu ganzjährigen Anwendung eine besondere Gewichtung beim Trinkwasserschutz in Karstgebieten zu. Die administrativen Vorstellungen von einer konsequenten, rechtsordnungsgemäßen Auslegung des Düngemittel- und Pflanzenschutzrechts werden von der Landwirtschaft nicht ohne weiteres geteilt: Vielmehr wird in den ausgedehnten Karstgrundwasser-Einzugsgebieten der Schutz des Trinkwassers vor übermäßigen, flächenhaften Austrag von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln oftmals als ein behördenwillkürliches Übermaß an Anforderungen interpretiert.


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Montag, 23. Februar 2009 22:46