Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Grundwasser-Deckschichten


Die Karsthochfläche der Frankenalb wird überwiegend aus stark wasserdurchlässigen Dolomitkuppen aufgebaut, die durch große Trockentalwannen getrennt sind. Die Böden der Karstwannen bestehen neben den braunen Alblehmen vielfach aus bunten, oft leuchtend roten, grobsandigen Lehmen der sog. Schutzfeld-Schichten aus der Kreidezeit oder aus der sog. Lehmigen Albüberdeckung.

Große Erwartungen bezüglich des Karstgrundwasserschutzes wurden noch in jüngster Vergangenheit in diese -- dem Karstgebirge auflagernden -- tonigen Grundwasser-Deckschichten gesetzt. So herrschte noch in den Sechziger Jahren die Meinung vor, daß die kreidezeitlichen und quartären Deckschichten, deren sandig-toniges Material auch in viele Hohlräume des Untergrundes verschwemmt ist, eine ausreichende Filterung und Reinigung der zirkulierenden Wässer bewirken. Durch die Kartierung der zahlreichen Ponore und Dolinen in den Einzugsgebieten wurde zwar die Gefahr erkannt, daß nicht einwandfreies Oberflächenwasser direkt in die offenen Karstkanäle und somit zum Quellaustritt gelangen kann, bevor es genügend gereinigt ist. Diese potentielle Gefährdung wurde damals jedoch als ausgeschlossen angesehen, da eine gute Filterwirkung der -- zwischen den offenen Spalten angenommenen -- mit Tonen und Sanden erfüllten Speicherräume postuliert wurde. So wurde beispielsweise der hauptsächliche Grund für die gute Qualität des Karstwassers um Neuhaus/Peg. -- nämlich die damals sehr dünne Besiedelung und der dichte Waldbestand in den Grundwassereinzugsgebieten -- seinerzeit zwar nur nebensätzlich angeführt, vorausschauend aber als "hoch einzuschätzende Eigenschaft für eine Wasserversorgungsanlage" charakterisiert (vgl. TILLMANN & TREIBS 1967).

Im Karstgebirge der Frankenalb gelangen nahezu die gesamten Niederschläge -- soweit sie nicht verdunsten -- in kurzer Zeit in das Karstgebirge und zwar sowohl punktuell durch Ponore sowie Ponordolinen als auch flächenhaft als Sickerwasser durch die Klüfte und Hohlraumsysteme in den Malmgesteinen, wobei die sandigen oder lehmig-tonigen Grundwasserdeckschichten nur eine gewisse zeitliche Verzögerung bewirken. Der in diesem Zusammenhang während der letzten Jahrzehnte neu gewonnene Erfahrungsschatz bedingte, daß heute in der bayerischen Landesplanung bereits kleinräumige Eingriffe in die schutzwirksame Grundwasserüberdeckung -- wie beispielsweise eine normale Baugrube -- als gravierendes Risiko für den Trinkwasserschutz angesehen werden.

Die summarisch als "Albbedeckung" zusammengefassten, meist tonig-lehmig ausgebildeten Decksedimente sind in der Frankenalb das Ergebnis einer komplexen Verknüpfung von Verwitterungs-, Abtragungs- und Sedimentationsprozessen (MEYER & SCHMIDT-KALER 1991). Generell lassen sich die Decksedimenteinheiten der Oberkreide, des Tertiärs und des Quartärs von den Verwitterungsrückständen der Malmkarbonatkorrosion und deren Umlagerungsprodukten unterscheiden; hinzu kommen noch äolisch transportierter Löß des Pleistozäns, welcher rezent in Lößlehm umgewandelt und ebenfalls in die Umlagerungsprozesse einbezogen wurde (TRAPPE 1999).

Die lehmig-tonige Albüberdeckung entstand unter dem tropischen Klima des Tertiärs aus Umwandlungsprodukten älterer Albsedimente und Verwitterungsresten des Kalkuntergrundes sowie Erosionsresten der Oberkreidesedimente. Diese Sedimente wurden zunächst im Tertiär in Senken zusammengespült. Während der Glazialzeiten des Quartärs erfolgte eine weitere Umlagerung durch Solifluktionsvorgänge und intensive Vermischung mit geringer verwitterten Malmrückständen sowie Kreideresten. Rezent lagern die meist 2 m bis 15 m mächtigen Albtone und -lehme größtenteils über gebankten Kalken und tafelbankigen Dolomiten und greifen nur selten über die Dolomitkuppen hinweg.

Vor allem die -- sehr heterogen zusammengesetzten -- tonig-lehmigen (Residual-) Sedimente der sog. Albüberdeckung, in welchen bisweilen noch Relikte cretazisch-tertiärer Decksedimente eingelagert sein mögen, stellen vorwiegend die zwar geringmächtigen, aber flächenhaft verbreiteten Karstgrundwasser-Deckschichten in der Nördlichen Frankenalb dar.

Im Gebiet des Veldensteiner Forstes treten weiterhin noch die mächtigen Sandstein- und Tonsedimente der Oberkreide auf, welche den hier sehr markant ausgeprägten Kegelkarst bedecken. Diese sog. Schutzfeldschichten bestehen vorwiegend aus bunten, gelegentlich sandigen bis kaolinitischen Lehmen. Ihr Auftreten vor allem in den Karstwannen beweist, daß die Karstlandschaft zumindest teilweise in der Unterkreidezeit entstand und damit über 100 Mio. Jahre alt ist. In diesem Zusammenhang mag darauf hingewiesen werden, daß in der Oberkreide (unter lateritischen Verwitterungsbedingungen) auch die Farberden entstanden, die u. a. bei Amberg, Pommelsbrunn, Betzenstein und Königstein bis in die Neuzeit hinein abgebaut wurden.


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Montag, 23. Februar 2009 22:47