Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Die Karstlandschaft bei Neuhaus/Peg.


Mit Ausnahme der Pegnitz gibt es im Karstgebiet um Neuhaus/Peg. kein nennenswertes dauernd fließendes Oberflächengewässer. Die Talhänge und die steil aufragenden Dolomitkuppen in diesem Raum sind großenteils von Nadel- und Laubholzwäldern bestanden. Typisch für die Dolomitkuppenalb sind lichte Kiefernwälder, die mit Fichtenbeständen und Buchenmischwäldern durchsetzt sind. Im Gegensatz hierzu stehen die Obstbaum-, Acker- sowie Weideflächen auf der Albhochfläche und in den Talauen des Pegnitztales.

Blick auf Krottensee und Neuhaus/Peg.

Die Karsterscheinungen im Gebiet SE´ Neuhaus/Peg. sind derart zahlreich und vielfältig, daß sie schon frühzeitig das Interesse der Karstforschung auf sich zogen (vgl. SPÖCKER 1924). Bereits 1936 wurde hier vom Fränkischen Albverein der "Karstkundliche Wanderpfad" eingerichtet; dieser romantische Lehr- und Wanderweg wurde im Jahre 2004 in überarbeiteter, modernisierter Form neu eröffnet. In jüngster Vergangenheit wurde von der Marktgemeine Neuhaus/Peg., verbunden mit mannigfaltiger, externer Unterstützung die Errichtung eines "Karstzentrums und -museums" projektiert.

Großtektonisch gesehen befindet sich das Karstgebiet um Neuhaus/Peg. am SE-Rand der Veldensteiner Mulde. Während in der Veldensteiner Mulde -- im Bereich des Muldentiefsten -- die Schichtlagerung des Bezugshorizontes Dogger-/Malm-Grenze flachherzynisches bis herzynisches Streichen aufweist, ist im E-Teil ein plötzliches Umbiegen auf rheinische bis eggische Streichwerte zu beobachten; hier steigt die Dogger-Malm-Schichtgrenze auf engem Raum um 190 m an. Dies ist bedingt durch den Einfluß des Eschenfeldener Gewölbes, einer tektonischen Queraufwölbung, welche die Veldensteiner Mulde im NW von der Vilsecker Mulde im E trennt.

Geologisches und geomorphologisches Blockbild sowie Blockbild der Dogger-Malm-Grenze im Karstgebiet SE´ Neuhaus/Peg.Die mit N-S-Generalstreichen verlaufende Flexur von Krottensee-Welluck-Leonie bildet die eigentliche Grenze zwischen diesen beiden Elementen. Sie wird als NW´ Fortsetzung der Störungszone von Sulzbach-Rosenberg/Amberg angesehen und geht weiter im NW in die Leonie-Nordrandüberschiebung über. Die Heraushebung des Eschenfeldener Gewölbes und der Flexur von Krottensee begann im Untercenoman (TILLMANN & TREIBS 1967). Im S wird die Veldensteiner Mulde von der WSW-ENE verlaufenden Queraufwölbung der Hartensteiner Delle begrenzt, welche die große Veldensteiner Muldenstruktur von der kleineren Hirschbacher Mulde sowie der großen Mulde von Sulzbach/Rosenberg-Amberg im SE trennt.

Für das Gebiet SE´ Neuhaus/Peg. sollen im Folgenden die karsthydrogeologisch signifikantesten Objekte von der Karsthochfläche im E und S bis zum Pegnitztal im W vorgestellt werden. In diesem Untersuchungsgebiet -- umrissen vom Pegnitztal im W, der Maximiliansgrotte im N, den Trockentalsystemen mit der Distlergrotte, der Mysteriengrotte und dem Gebiet des Schelmbachsteins im E sowie der Bismarckgrotte und dem Lichtengrabenponor im S -- treffen zwei verschiedene tektonische Elemente unmittelbar aufeinander: Dies ist zum einen die, durch Quersättel unterteilte Muldenstruktur der Frankenalbfurche mit ihren Flexuren und Abschiebungen und die Aufbeulungszone des Eschenfeldener Gewölbes im E sowie das Hebungsgebiet der "Hartensteiner Delle" im S. Diese starke tektonische Beanspruchung auf engsten Raum bedingte in den harten und spröden Malmkarbonaten die Anlage von Störungsflächen sowie die intensive, steil einfallende Klüftung, welche die Ausbildung nicht nur horizontal verlaufender, sondern auch steil einfallender Karstwasserwege entscheidend begünstigte.


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Montag, 23. Februar 2009 23:02