Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Das Schelmbachsteingebiet


Die beeindruckende, bis 515 m NN aufragende Felsformation des Schelmbachsteins befindet sich 2750 m SSE´ Krottensee; sie wird von Riffdolomiten des Malm delta und epsilon aufgebaut. Hier befinden sich auf relativ engem Raum mehrere, für die Tektonik dieses Gebietes signifikante Karsterscheinungen. Neben den sehr auffälligen Höhlen sollen im Folgenden auch die markantesten, für das Verständnis der Karstentwässerung wichtigen Ponorgräben vorgestellt werden.

Karte des Schelmbachgebietes 2700 m SSE´ Krottensee (Nördliche Frankenalb)

Die "Sonnenuhr" (A 34) am W-Hang des Schelmbachsteins ist eine geräumige Durchgangshöhle. Sie stellt eine halb eingestürzte Höhlenruine im Frankendolomit dar, deren späteres, letztes Entwicklungsstadium nur noch als Graben auf dem Gipfelplateau zu erkennen sein wird.

Haupteingang der "Sonnenuhr"

Der wie von einer Felsenbrücke überspannte W´ Haupteingang der "Sonnenuhr" ist 16 m breit und bis 5 m hoch. Er befindet sich auf einem Höhenniveau von 489 m ü. NN. Die Länge der -- wohl bereits kreidezeitlich angelegten -- Höhle beträgt rezent 26 m, die Breite bis 16 m und die Höhe 2 m bis 5 m; der Rauminhalt wurde mit 1400 m3 bestimmt (HUBER 1967).

Der Höhlenverlauf folgt einer flachherzynisch streichenden Kluft sowie herzynisch streichenden, flach nach SSW einfallenden Schichtflächen; in den S´ angrenzenden Dolomitfelsen können darüber hinaus noch eine Vielzahl erzgebirgisch streichender Klüfte beobachtet werden. Der zweite, E´ Höhleneingang mündet auf 497 m NN in eine große Einsturzdoline mit den Dimensionen 33 m x 23 m und einer Tiefe von 12 m, welche den ehemals weiteren Verlauf dieser alten Flußhöhle nachzeichnet.

Grundriß der "Sonnenuhr" im Schelmbachgebiet 2700 m SSE´ Krottensee (Nördliche Frankenalb)

Dieser zweite, obere und relativ kleine Höhleneingang war auch verantwortlich für die Namensgebung im Sinne einer "natürlichen Sonnenuhr". Vom Mittelalter bis in die Neuzeit waren die Hochflächen der Frankenalb nicht wie heute mit ausgedehnten Wäldern bestanden, sondern sie wurden weitgehend land- und weidewirtschaftlich genutzt. Der auf den umliegenden Feldern arbeitenden Landbevölkerung ermöglichten die -- während der Vormittagsstunden -- durch den kleinen Höhleneingang in die geräumige und damals weithin sichtbare Höhlenhalle einfallenden Sonnenstrahlen eine hinlänglich genaue Zeitbestimmung.

oberer Höhleneingang der "Sonnenuhr" Einsturzdoline der "Sonnenuhr"

In der gesamten Felsformation des Schelmbachsteins ist ein ausgeprägtes Kluftsystem von herzynisch streichenden Längsklüften und erzgebirgisch verlaufenden Querklüften der (erdgeschichtlich älteren) Frankenalbfurche festzustellen. Überlagert wird es von einem zweiten, schwächer ausgeprägten Kluftsystem N-S und E-W verlaufender Klüfte, welche genetisch der (erdgeschichtlich jüngeren) Flexur von Krottensee zuzuordnen sind.

Trennflächengefüge in den Dolomiten des Schelmbachsteins 2700 m SSE´ Krottensee (Nördliche Frankenalb)

Der unscheinbare Eingang zur "Anton-Völkel-Grotte" (A 33) öffnet sich in Malm-Epsilon-Dolomiten am oberen NNE-Hang des Schelmbachsteins rund 50 m NE´ der "Sonnenuhr" (A 34).

Die Namensgebung dieser Höhlenhalle erfolgte durch die Sektion Heimatforschung der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg zum Gedächtnis des 1923 tödlich abgestürzten Höhlenforschers Anton VÖLKEL. Kurzzeitig in das Blickfeld der Öffentlichkeit gelangte die Grotte 1933 durch die polizeiliche Aushebung einer kommunistischen Geheimdruckerei in der Felsenhalle.

Grundriß der "Anton-Völkel-Grotte" am Gipfelplateau des Schelmbachsteins 2700 m SSE´ Krottensee (Nördliche Frankenalb)

Der Höhleneingang führt in einen engen, etwa 10 m langen, an einer flachherzynisch streichenden Kluft angelegten Spaltengang, an dessen Ende -- an einer Kluftkreuzung -- ein 8 m tiefer Schacht in die eigentliche Felsenhalle von 25 m Länge, 16 m Breite und bis 8 m Höhe hinabführt. Der Rauminhalt der gesamten Höhle beträgt 1440 m3 (HUBER 1967). Die Anlage des Höhlendomes erfolgte an drei, mit 115° streichenden, nahezu parallel und in gleichen Abständen zueinander verlaufenden Großklüften sowie an zwei erzgebirgisch streichenden Querklüften.

Am Nordhang des Schelmbachsteins (ca. 50 m NNE´ der Sonnenuhr) befindet sich auf 484 m ü. NN der 12 m tiefe Einstieg zur "Breitensteinbäuerin" (A 32). Unter den Einstiegsschächten erstreckt sich ein weitverzweigtes, weiträumiges und sehr schwierig zu befahrendes Gangsystem, das sich in drei Etagen, verbunden durch einzelne bis 25 m tiefe Schächte, übereinander aufbaut. Der Höhenunterschied zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt beträgt etwa 44 m; die Gesamtlänge der Höhle wird von HUBER (1967) mit 230 m und ihr Rauminhalt mit 5.700 m3 angegeben.

Einstiegsschächte zur "Breitensteinbäuerin"

Der seltsame Name der "Breitensteinbäuerin" geht zurück auf die Sage von der 1729 verstorbenen, posthum in einen Raben verwandelten und in die Höhle verbannten Kunigunde SCHUHMANN. Hierbei handelt es sich um eine wegen ihres Geizes und ihrer Hartherzigkeit verrufene Bäuerin, welche zusammen mit ihrem Gatten von 1683 bis ca. 1720 das Breitensteiner Hofgut gepachtet hatte: "Es wohnte einst ein böses Weib zu Breitenstein, wo heute noch die Ruinen des Schloßgutes und ehemaligen Klosters von anderen Zeiten erzählen. Nach ihrem Tode konnte ob der Sünden ihre arme Seele keine Ruhe finden und sie "ging um" in den alten Gemächern. Aber mit christlichem Brauch überwältigte man den verderblichen Geist, bannte ihn in einen schwarzen Raben, den man unter Begleitung von viel Volk hintrug zum nachtschwarzen Abgrund, ihm dort seinen Platz anweisend. Also im Munde des Volkes kurzweg der Name Breitensteinbäuerin entstand. Fronleichnam jedoch ist ihr Tag, da kommt "die schwarz´ Kroha" und wehe, wer in ihren Machtkreis gelangt. Jäger, Forstleute, alle die sich an dem Tage in Neugierde vermaßen, mußten zurückweichen vor Entsetzen" (SCHÖNWERTH 1857). Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese Höhle von der einheimischen Bevölkerung als "nicht geheuer" angesehen und gemieden (SPÖCKER 1924). Ein wager Zusammenhang mag sich aus der Tatsache ergeben, daß die "Breitensteinbäuerin" -- wie viele Schachthöhlen der Frankenalb -- eine nachgewiesene Kulthöhle dargestellt: In ihr wurde Gefäßkeramik der Urnenfelder- und frühen Hallstattzeit sowie 24 Menschenschädel, hiervon etliche mit Schlagverletzungen (SEUFFERLEIN 1938, STOLL-TUCKER 1997) und Skelettreste sowie Bronze- und Eisenschmuck der späten Hallstatt- bis frühen Latenezeit gefunden (STROH 1975).

Das Hohlraumsystem der Breitensteinbäuerin wurde im Frankendolomit an erzgebirgisch und flachherzynisch streichenden Trennfugen angelegt. Bei den Streichwerten der Trennflächen ist ein ausgeprägtes Maximum bei den herzynischen Streichwerten um 115° zu beobachten. Untergeordnete Maxima treten bei 35° und bei 15° auf, wobei die letztgenannte Kluftschar parallel zur Flexur von Krottensee verläuft.

Grundriß der "Breitensteinbäuerin" am N-Hang des Schelmbachsteins 2700 m SSE´ Krottensee (Nördliche Frankenalb) mit Kludtrose und Großkreisen des Trennflächengefüges

Im Schelmbachgrund SW´ der Sonnenuhr liegen in den Trockentälern mehrere große Ponordolinen hintereinander, die bei großem Oberflächenwasser-Andrang nacheinander in Funktion treten, wenn der jeweils oberhalb gelegene Ponor die Wassermengen nicht mehr schlucken kann. Die jeweils in einem Ponor versinkenden Wassermengen bewegen sich in Dimension von etwa 40 l/sec.

Grundlinienpläne des Schelmbach-, des Unterwald- und des Kleeberg-Ponorgrabens im Schelmbachgebiet 2700 m SSE´ Krottensee (Nördliche Frankenalb)

So ist der 350 Meter lange namensgebende Schelmbach ein nur bei der Schneeschmelze oder nach Starkniederschlägen aktiver Ponorbach; sein Einzugsgebiet liegt etwa bei 468 m ü. NN, seine Ponore auf rund 460 m ü. NN.

Der Schelmbach, welcher seinen Namen der nur gelegentlichen Wasserführung nach Starkniederschlägen oder bei der Schneeschmelze verdankt, entspringt in den Feldern und Wiesen 500 m E´ des Schelmbachsteins. Sein Einzugsgebiet in der lehmigen Albüberdeckung und in den Michelfelder Schichten beträgt über 400.000 m2 (SPÖCKER 1924). Er wurde -- vor seinem Eintreten in den Wald -- in einem Weiher gestaut. Ab hier verläuft der Schelmbach mit einem Gefälle von rund 1° in einem bis 2 m tief eingeschnittenen, häufig abrupt abknickenden Bett durch die Deckschichten (quarzitische Fazies der Michelfelder Schichten). Im Wald sind noch die Dammreste zweier heute nicht mehr aufgestauter Weiher zu beobachten. Diese dienten im Mittelalter zur Fischzucht des damaligen Klosters Breitenstein. Heute sind in den feuchten Grundflächen dieser ehemaligen Fischweiher dichte Brennesselbestände zu beobachten, welche erhöhte Nitratgehalte des -- aus den Landwirtschaftsflächen entspringenden -- Schelmbachwassers anzeigen.

Der Schelmbach weist in seinem natürlichen Verlauf im Wald zwar Wildbachcharakter auf; die Anlage seines oft abrupt die Richtung ändernden Bachbettes zeichnet jedoch den tektonischen Bau des Karstuntergrundes nach. Die Auswertung der Vermessung des Schelmbachlaufes ergab bei seinen Talstreichrichtungen ein eindeutiges Maximum bei den herzynisch streichenden Talverläufen; senkrecht hierzu können erzgebirgisch verlaufende Talrichtungen beobachtet werden. Dieses Haupttrennflächensystem wird von einem zweiten, schwächer ausgebildeten, aber ebenfalls orthogonal entwickelten Trennflächensystem mit Streichwerten um 80° sowie 170° überlagert und dürfte der Flexur von Krottensee zuzuordnen sein.

Talstreichrichtungen des Schelmbach-Ponorgrabens SSW´ der "Sonnenuhr"

Zum Zeitpunkt der -- im Juli 2004 zusammen mit Studentinnen und Studenten der FAU durchgeführten -- Bachbett-Vermessung versiegte der Schelmbach bereits 18 m vor seinem ersten Ponor. Das ab dieser Versickerungsstelle trotzdem noch wassergesättigte Bachsediment zeigt, daß dieser erste Ponor auch im Sommer bei guter Wasserführung noch benutzt wird. Zwischen dem ersten und zweiten Ponor ist das Schelmbachbett völlig überwachsen und somit während der Sommermonate wohl weitgehend inaktiv. Nach diesem zweiten Ponor läßt sich das Schelmbachbett in NW´ Richtung noch 10 m weiter bis zum dritten Ponor verfolgen; danach steigt das Talniveau an, so daß ein Weiterrinnen des Schelmbaches ausgeschlossen werden kann.

Das Trockental führt in NW´ und N´ Richtungen weiter zum eggisch verlaufenden Kleeberg-Ponorbach, in welchen sich weitere Ponore befinden. Dieser W´ des Schelmbachsteins liegende Ponorbach hat sein rund 60.000m2 großes Einzugsgebiet auf einem Höheniveau von 460 m NN. Er weist bei S-N-Verlauf eine Länge von 290 m auf und mündet auf einem Höhenniveau um 445 m ü. NN in eine rund 15 m breite Ponordoline. Wenige Meter weiter N´ schließen sich weitere, zu Uvalas zusammengewachsene Ponordolinen an, welche erst bei starkem Wasserandrang in Funktion treten.

Karte der Ponorgräben, Ponore, Dolinen und Höhlen sowie der Karstquellen im Gebiet SE´ Neuhaus/Peg. (Nördliche Frankenalb)

Etwa 800 m SW´ des Schelmbachgebiets liegen in einem zweiten Trockental drei weitere Ponorbäche, der rund 250 m lange Unterwald-Ponorbach mit dem benachbarten, erst embryonal entwickelten Ost-Ponorbach und der durch nur kurzen oberirdischen Lauf gekennzeichnete Mühlbühl-Ponorbach.

Vom Kleeberg-Ponor aus gesehen nach NW folgen im weiteren Trockental-Verlauf nach etwa 15 m Entfernung der Quelltopf des Nord-Ponorbaches, welcher in den Wiesen des Eichelgarten-Trockentales versickert und weiter im NW der Eichelgraben-Ponorbach an der Mysteriengrotte. Im Trockental 300 m SSW´ der Mysteriengrotte befindet sich schließlich der markante, über 1200 m lange Buchenstumpf-Ponorbach, welcher in eine ca. 4 m tiefe Ponordoline einmündet.

In diesem großen Trockental SW´ des Schelmbachsteins, welches sich 2000 m weiter im NNW mit dem "Eichelgarten-Trockental" zum "Hasellohe-Trockental" vereinigt, zieht von S her der Unterwald-Ponorbach in das Beobachtungsgebiet hinein . Er wird aus einem rund 60.000 m2 großen Einzugsgebiet in der Albüberdeckung der Karsthochfläche gespeist (SPÖCKER 1924) und fließt mit stark mäandrierenden, sich rasch eintiefenden, SSE-NNW verlaufenden Bett in eine steilwandige, 30 m lange, 25 m breite und rund 10 m tiefe Ponordoline ein. Dort sickern die Bachwässer über die, an einer eggisch streichenden Kluft angelegte und rezent stark verschwemmte "Unterwald-Ponorhöhle" (A 185) in das Karstgebirge ein. Bei starkem Wasserzufluß bildet sich in der Ponordoline ein kleiner "See" aus (HUBER 1967).

Rund 100 m NE´ der "Unterwald-Ponorhöhle" befindet sich inmitten mehrerer wannen- und trichterförmiger Dolinen der kleine Ostponorbach, welcher aus einem nur 15.000 m2 großen, jedoch sehr steilwandigen Einzugsgebiet (SPÖCKER 1924) in kreidezeitlichen Sandsteinen und Alblehmen gespeist wird. Er versinkt nach kurzem Lauf in eine rund 2 m tiefe Ponordoline.

In diesem Trockental wird 250 m N´ der "Unterwald-Ponorhöhle" der Mühlbühl-Ponorgraben aus einem von Alblehmen bedeckten, rund 45.000 m2 großen Einzugsgebiet gespeist. Er verläuft von SE nach NW und mündet -- beim Auftreffen auf das anstehende Karstgestein -- über eine wannenförmige Ponordoline in eine kleine, nur wenige Meter befahrbare und durch Versturz gekennzeichnete Höhle.

Rund 200 m NW´ des Mühlbühlponors entspringt in diesem Trockental der 1200 m lange Buchenstumpf-Ponorbach. Sein Bachbett orientiert sich signifikant an herzynischen und erzgebirgischen Streichrichtungen. Kurz vor der Einmündung seines Trockentals in das "Eichelgarten-Trockental" geht der Buchenstumpfbach in eine trichterförmige Ponordoline mit vertikalem Abfluß ein (SPÖCKER 1924).


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Montag, 23. Februar 2009 23:04