Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Die großtektonischen Verhältnisse und ihre Auswirkungen auf die Anlage der Trockentäler und Hohlraumsysteme


Ponorgräben wie im "Eichelgarten" oder im Schelmbachgebiet stehen in Karstgebieten als temporäre oder ständig aktive Abflußkanäle für Oberflächenwässer im engen Zusammenhang mit der Entwicklung von Talsystemen zu Trockentälern. Die in der Frankenalb stark ausgeprägten Trockentalsysteme orientieren sich am jeweils vorherrschenden Trennflächengefüge und sind zum heutigen Gewässernetz hin ausgerichtet. Ihre Anlage infolge der ausgeprägten Karsttektonik und ihre Anbindung an viele kleine, durch die Albbedeckung verursachte Wassereinzugsgebiete bedingte, daß sie sich als wesentlich engmaschiger erweisen als die rezenten Talnetze der benachbarten nichtverkarsteten Gebiete.

Geomorphologisch betrachtet zeigen die Trockentäler der Frankenalb alle Formen fluviatiler Erosion wie beispielsweise Prall- und Gleithänge. Ihre starke Ausformung erfuhren diese Trockentalsysteme unter eiszeitlichen Bedingungen durch die oberflächlich abfließenden Schmelzwässer über die -- durch Permafrost verschlossenen -- Karsthohlräume. Im Pleistozän existierten andere Formen und Ausbildungen der Seiten- und Tiefenerosion als heute. Über den periglaziären Dauerfrostboden konnten sich die Schmelzwasserströme nicht allzusehr in die Tiefe sägen, waren aber andererseits während der sommerlichen Tauperioden sehr wasserreich. Entsprechend dem zyklischen Klimagang im Quartär entstanden so in den Kaltzeiten Akkumulationen; in den Warmzeiten war wiederum Tiefenerosion möglich. Durch dieses Wechselspiel fluviatiler Akkumulations- und Erosionsvorgänge können die verschiedenen geomorphologischen Kennzeichen der fränkischen Trockentäler -- wie lange, canyonartige Schluchten und flächige, kesselartige Ausbildungen -- schlüssig interpretiert werden.

Die Trockentäler gehen in ihrer ursprünglichen Anlage auf ein wesentlich älteres, vor der jüngsten Talbildung bereits bestehendes Karstwasserentwässerungssystem zurück. Viele Trockentäler münden heute "hängend" in das Vorflutertal (HABBE 1989). Sie verdanken ihr postglaziäres Trockenfallen den Verkarstungsvorgängen: Ihre wasserarmen Gerinne konnten der weiteren Einschneidung des Vorfluters nicht folgen und sind heute in den Untergrund versunken. Der oberirdische Abfluß aus den Trockentälern fand im Gebirge ein älteres Karstwasserentwässerungssystem vor, das nur reaktiviert zu werden brauchte; hierdurch läßt sich das "schlagartige" Trockenfallen dieser Talsysteme (das sich in den hängenden Talmündungen manifestierte) sowie die in den Tälern zu beobachtenden, oftmals "in Reihe auftretenden" Ponore erklären.

Streichlinien der (Trocken-) Talsysteme im Vergleich zum tektonischen Bau der Frankenalbfurche im Karstgebiet SE´ Neuhaus/Peg.

Im Großraum von Neuhaus/Peg. folgen die Hauptstreichrichtungen der Trockentäler W´ der Pegnitz den Längs- und Querklüften der Veldensteiner Mulde; der Einfluß der Diagonalklüfte kommt nur sehr schwach zur Geltung. Im Gebiet E´ der Pegnitz biegt das Streichen des Bezugshorizontes Dogger-Malm-Grenze -- unter dem Einfluß des Eschenfeldener Gewölbes -- vom herzynischen Streichen im W in das rheinische Streichen im E um. Der Einfluß starker Dehnungskräfte im Bereich der Flexur von Krottensee äußert sich auch signifikant in den -- der Trockentalbildung zugrunde liegenden -- Trennflächengefügen: Die Talverläufe folgen hier hauptsächlich den Längs- und Querklüften der Flexur.


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Montag, 23. Februar 2009 23:20