Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Die Maximiliansgrotte


Im Norden des Beobachtungsgebiets kann die sehr starke kluft- und störungstektonische Beanspruchung anhand der Karsterscheinungen exemplarisch im Bereich der Flexurzone bei der Ortschaft Krottensee beobachtet werden. Die durch die Flexur bedingte Raumerweiterung hat die Ausbildung zahlreicher wasserwegsamer Trennflächen verursacht. Dies hat die Entstehung des dortigen, weitläufig verzweigten, etagenartig angelegten und insgesamt rund 1200 m langen Höhlensystems der Maximiliansgrotte (A 27) am NE-Hang des Zinnberges (1000 m E´ Krottensee) sowie benachbarter, heute noch nicht zugänglicher Hohlraumsysteme wie dem rund 20 m tiefen Zinnbergschacht (A 205) entscheidend begünstigt.

Grundriß der Maximiliansgrotte 1000 m E´ Krottensee nebst Trennflächengefüge

Den natürlichen Eingang zur Maximiliansgrotte stellt die 27 m tiefe Einsturzdoline des "Windlochs" dar. Die bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur als "Windloch am Zinnberg" bekannte Höhle zog bereits früh das kommerzielle Interesse der Menschen auf sich. Im Jahre 1597 wurden im Auftrag des Kurfürsten Friedrich IV von der Pfalz "gelbe Materie" in der Hoffnung auf Goldgewinnung sowie irrtümlich als "Salpeterspitzen" angesprochene Tropfsteine zur Schwarzpulverherstellung aus der Höhle entnommen. Weiterhin wurde im gleichen Jahr für den offenbar in Geldnöten befindlichen Kurfürsten aus der Höhle Karstwasser zum Verkauf als "Heilwasser" entnommen. Rund 100 Jahre später warf man die Überreste gefallener Soldaten, welche in der "Schlacht bei Krottensee" (24.05.1703) des Spanischen Erbfolgekrieges umgekommen waren, zusammen mit ihren Ausrüstungsgegenständen und Waffen in die Einsturzdoline. Im Jahre 1833 konnte eine psychisch behinderte, in das "Windloch" gefallene Einwohnerin von Krottensee nach fünf Tagen gerettet werden; diesem glücklichen Umstand ist wohl auch das hierauf beginnende späleologische Interesse an der Erforschung der Höhle zu verdanken. Im Jahre 1852 wurde der heutige, künstliche Eingang geschaffen. Die Neubenennungen als "Deutsche Douglashöhle" und "Wunderhöhle" setzten sich jedoch nicht durch; die heute noch gültige Namensgebung erfolgte in -- vielleicht pekuniär hoffnungsvoller -- Reminiszenz für den damaligen König Max II. von Bayern. Seit 1878 ist die Maximiliansgrotte als Schauhöhle der Öffentlichkeit zugänglich.

Das im Bereich der Flexur- und Störungszone von Krottensee-Welluck-Leonie angelegte Höhlengang-, Kammer- und Hallensystem der Maximiliansgrotte stellt heute eine der großartigsten, für die Allgemeinheit zugänglichen Etagenhöhlen der Frankenalb dar. Hier wurde durch mehrphasige Verkarstungsvorgänge auf einem Raum von 130 m x 80 m ein insgesamt bis 68 m unter der Oberkante des "Windlochs" (einer großen Einsturzdoline und bis 1853 der einzige natürliche Einstieg) tiefes Hohlraumsystem geschaffen.

Profil durch die Maximiliansgrotte 1000 m E´ Krottensee

Der gesamte Rauminhalt der durch vielfältige Tropfsteinformen geschmückten Maximiliansgrotte beträgt 10.900 m3 (HUBER 1967). Am tiefsten, der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Punkt befindet sich auf einem Höhenniveau von 448,5 m NN der "Große See", welcher von einem 20 m langen Sohlengerinne aus einer 8 m höher gelegenen Quelle gespeist wird. Diese Höhlenquelle mit einer Schüttung von etwa 0,25 l/s (NEISCHL 1903) entspringt einem selbständigen, vom eigentlichen Karstwasserspiegel unabhängigen Röhrensystem: Die Oberfläche des eigentlichen Karstgrundwasserkörpers befindet sich im Gebiet der Maximiliansgrotte auf rund 390 m NN.

Das Trennflächengefüge im Gebiet der Maximiliansgrotte weist ein ausgeprägtes Maximum bei den rheinischen Streichwerten um 20° auf (Längsklüfte der Flexur von Krottensee). Weiterhin sind Querklüfte mit Streichwerten um 90° zu beobachten. Überlagert wird dieses Hauptkluftsystem von einem weiteren Maximum mit herzynischen Streichwerten um 110°, welche der Längsachse der Veldensteiner Mulde folgen.


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Montag, 23. Februar 2009 23:21