Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Die Lichtengraben-Ponorhöhle


750 m S´ der Bismarckgrotte -- knapp außerhalb des Beobachtungsgebietes -- befindet sich einer der bedeutendsten und für das Verständnis der Karstentwässerung wichtigsten Ponorgräben der Nördlichen Frankenalb. Dieser "Lichtengraben" am SSW-Hang des Steinberges mit der im N-Teil befindlichen Lichtengraben- Ponorhöhle (A 24) wurde bereits von CRAMER (1932) beschrieben und von SCHWOPE (1994) neu kartiert sowie vermessen.

Grundlinienplan der Lichtengrabenhöhle und ihres Ponorgrabens

Die "Lichtengrabenhöhle" samt ihren rund 500 m langen, herzynisch verlaufenden Ponorgraben stellt das typische Beispiel für eine periodisch aktive Ponorhöhle im Karst dar. Der Name des Lichtengrabens leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Adjektiv "lieht" her und bedeutet "hell, strahlend, blank". Um die Höhle rankt sich die Sage des Hirten HILDEL von Eschenbach, welcher im Besitz eines -- mit der Hilfe des Teufels erlangten -- Erdspiegels war.

Ponorame des Lichtengraben-Ponorgrabens

Bei einem Erdspiegel handelte es sich ursprünglich um ein mittelalterliches Mutungswerkzeug zum Auffinden von Erzgängen und Lagerstätten, welches hauptsächlich aus einem Amulett mit den Namen von Schutzengeln sowie hebräischen Sprüchen bestand. Im Mittelalter galt ein derartiger Erdspiegel -- neben der Wünschelrute -- als das einzige Mittel zur Suche von Metall-Lagerstätten. Von CRAMER (1924) wird hier jedoch eine modifizierte Sage berichtet: Der Hirt HILDEL von Eschenbach konnte in seinem Erdspiegel alles sehen, was er zu wissen verlangte, und war somit in der Lage, Diebe und Verbrecher namhaft zu machen sowie gestohlenes Gut wiederfinden. Die Landsleute der ganzen Umgebung suchten deshalb den Hirten auf, wenn sie bestohlen wurden: Der Hirte blickte nur in seinen Spiegel und sah darin den betreffenden Dieb. Aufgrund dieser Fähigkeit war der Hirte jedoch auch weit und breit gefürchtet. Man erzählte sich, daß er mit dem Teufel in Verbindung stehe. Als er im Sterben lag, konnte er lange Zeit keine Ruhe finden und verschied endlich, den Kopf nach rückwärts gewendet: Der Teufel hatte ihm den Hals umgedreht. Nach seinem Tode wurde der Hirte HILDEL jedoch -- vielleicht auch aufgrund seiner vergeblichen geognostischen Bemühungen -- vom Teufel in die Lichtengrabenhöhle verbannt und geht dort zur Mitternachtsstunde, begleitet von einem schwarzen Hund, um.

Eingangsbereich der Lichtengraben-Ponorhöhle

Karsthydrologisch interessant erscheint eine zweite Sage vom in die "Lichtengrabenhöhle" eingeschwemmten und in einer Quelle bei Engenthal wieder zutage gekommenen Hafer: Dieser frühe, wohl unbeabsichtigte Tracerversuch könnte die Abflußverhältnisse im Karstgebirge zwischen der Lichtengraben-Ponorhöhle und dem Schwarmbrunnen bei Engenthal (A 196) tatsächlich wahrheitsgetreu widerspiegeln.

Im Gegensatz zu anderen Ponorhöhlen des nordbayerischen Karstgebirges stellt die insgesamt 80 m lange Lichtengrabenponorhöhle eine karstmorphologische Besonderheit dar: Während Ponore in der Regel einen stufenförmigen Bau mit vorherrschender Tiefenerstreckung aufweisen, stellt die Lichtengrabenhöhle eine sich horizontal erstreckende Abflußhöhle dar. Ihre Anlage an den rheinisch und eggisch streichenden Längsklüften der Hartensteiner Delle ist sehr signifikant ausgeprägt.

Eingangsbereich der Lichtengraben-Ponorhöhle Eingangsbereich der Lichtengraben-Ponorhöhle

Die Höhle wurde wohl schon kreidezeitlich gebildet und erst in jüngster geologischer Vergangenheit durch die Eintiefung des im Trockental verlaufenden Ponorgrabens angeschnitten. Am Hang des Steinberges befinden sich drei Einsturzdolinen, welche den weiteren Verlauf der Lichtengrabenhöhle nachzeichnen. Wie häufig im fränkischen Karst, handelt es sich bei der Lichtengrabenhöhle nicht um eine ursprünglich angelegte Ponorhöhle, sondern um ein alt angelegtes und weit verzweigtes, später trocken gefallenes und erst durch die Einmündung des Erosionsgrabens als Ponorhöhle reaktiviertes Hohlraumsystem.

Erdfall im Eingangsbereich der Lichtengraben-Ponorhöhle

Bei Untersuchungen im Winterhalbjahr 1922/23 durch die Sektion Heimatforschung der NHG wurde ein Teil des Höhlenbodens abgegraben, ohne jedoch abwärts führende Schächte zu entdecken (CRAMER 1932). Hierbei konnten jedoch Beobachtungen gemacht werden, welche die hydrologischen Gegebenheiten im Karstkörper eindrucksvoll veranschaulichen: Bei der Schneeschmelze oder nach Starkniederschlägen übersteigt die Wasserzufuhr aus dem Ponorgraben bei weitem den Abfluß in der Höhle. Das Wasser wird im Hauptgang bis in 8 m Höhe aufgestaut, wie Schlammkrusten an den Höhlenwänden belegen. Der hydraulische Druck am überfluteten Höhlenboden ist dann so hoch, daß die Wässer die -- gemeinhin als nur schlecht durchlässig eingestuften -- Höhlenlehme durchströmen können und somit auch über diese "Grundwasser-Höhlendeckschichten" dem Karstwasserkörper zufliesen.


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Montag, 23. Februar 2009 23:26