Das Karstgebiet südöstlich Neuhaus/Pegnitz:

Pegnitztal, Schwarmbrunnen und Seeweiherquellgrotte


Karsthydrographisch können in der Frankenalb n. HABBE (1989) drei Hauptwasserwege unterschieden werden :

Karsttektonisch gesehen folgt auch der Verlauf des Pegnitztales dem Trennflächengefüge dieses Gebiets. Überwiegend orientierten sich die Talstreichrichtungen an den Diagonalklüften der Frankenalbfurche; nur an wenigen Stellen im N und S verläuft das Pegnitztal parallel zu den Längsklüften dieser tektonischen Mulde.

Streichlinien der Trockentalsysteme im Vergleich zum tektonischen Bau der Frankenalbfurche im Karstgebiet SE´ Neuhaus/Peg.

Die wasserführenden Haupttäler der Frankenalb wie das Pegnitztal sind meist tief in das Karstgebirge eingeschnitten und stehen mit ihren Wasserreichtum im krassen Gegensatz zu den wasserlosen Hochflächen der Alb. Die Haupttäler markieren im tiefen Karst das Vorfluterniveau: Hier tritt das im umliegenden Karstgebirge strömende Wasser über teils starke Karstquellen wieder zu Tage.

Im Pegnitztal liegen alle Karstquellen im Vorflutniveau, entweder deutlich sichtbar am Flußufer als frei auslaufende Quellen oder als Quellsprudel im feinsandigen Boden kleiner Tümpel sowie als unsichtbare Quellen im Flußbett selbst. Im Oberen Pegnitztal bis zur Ortschaft Velden sind 56 derartige Quellaustritte verzeichnet (SPÖCKER 1950). Viele dieser Karstquellen können auch als Estavellen auftreten, d.h. sie haben bei normalem Flußwasserstand eine beträchtliche Schüttung, treten aber bei Flußhochwasser als Wasserschlinger in Funktion.

Im Beobachtungsgebiet kann hierfür als typisches Beispiel die auf 380 m NN gelegene Talzuflußhöhle "Schwarmbrunnen" (A 196) am E´ Pegnitzhang bei Engenthal 1400 m S´ Neuhaus/Peg angeführt werden; sie gehört zu einer ganzen Reihe von Quellaustritten in diesem Gebiet. Aus dieser -- in Malm-delta-Riffdolomiten angelegten -- Quellgrotte fließt das Karstwasser frei in die Pegnitz aus. Der Eingang der Quellhöhle ist 1,8 m breit und 1,2 m hoch. Die Höhle selbst weist eine Länge von 4 m auf und verläuft NNW-SSE; ihre Anlage erfolgte an einer eggisch streichenden Kluft. Am befahrbaren Ende taucht die Höhlendecke unter den Wasserspiegel ab (Siphon).

Schwarmbrunnen bei Engenthal

Quellbereich des Schwarmbrunnens bei Engenthal

Höhleneingang des Schwarmbrunnens bei Engenthal

Das -- mit rund 75 l/s schüttende -- Quellwasser des Schwarmbrunnens wird teilweise zur Wasserversorgung der Gemeinde Hartenstein genutzt. Rund 20 m N´ des Schwarmbrunnens liegt eine weitere Karstquelle: Ihr Quellaustritt liegt stets unterhalb der Wasseroberfläche und erfolgt aus der befestigten Uferböschung unterhalb der alten Verbindungsstraße Rothenbruck-Engenthal. Die Schüttung dieser Quelle ist im Jahresverlauf gleichmäßig stark und liegt bei etwa 10 l/s bis 15 l/s.

Die Estavellenfunktion der Karstquellen wird durch den jeweiligen Wasserstand der Pegnitz entscheidend beeinflusst. Der alte kretazische Karst reicht weit unter das heutige Vorfluterniveau und so scheinen im Karstgebirge zwischen Pegnitz/Ofr., Neuhaus/Peg. und Pottenstein ein oder mehrere alte Karstgerinne auf einem Höhenniveau von etwa 350 m NN zu existieren, durch welches heute der Fluß Pegnitz (bei Hochwasser über die Ponore an den Uferrändern oder sogar im Flußbett selbst) einen Teil seines Wassers an die -- rund 30 m tiefer liegende -- Püttlach und somit an das Wiesent-Einzugsgebiet abgibt.

Als hervorragendes Beispiel hierfür wird die im Pegnitztal 7250 m N´ Neuhaus/Peg. gelegene "Seeweiher-Quellgrotte" (D 68) NNW´ des heute abgesiedelten Dorfes Fischstein angesehen. Bei dieser -- bei Pegnitzhochwasser als Ponorhöhle wirkende -- Quellgrotte konnte bereits SPÖCKER (1935, 1950) eine hydraulische Verbindung zwischen dem Pegnitz- und dem Püttlach-Gebiet belegen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Moog (2000) und THRIEMER (2004), welche für diese stark schüttende, in der engeren Trinkwasser-Schutzzone entspringende Karstquelle periodisch auftretende Schadstoffbelastungen beobachten konnten. Da die Seeweiherquelle am Rande des ausgedehnten Waldgebietes "Veldensteiner Forst" entspringt (in der näheren Umgebung existieren weder Verkehrswege noch landwirtschaftliche Nutzflächen), läßt das Auftreten selbst von sehr leicht abbaubaren Schadstoffen wie Ammonium auf einen schnellen unterirdischen Transport von weit entfernten Eintragsorten schließen.


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* Dr. Alfons Baier, last Update: Montag, 23. Februar 2009 23:29