GeoZentrum NordbayernDie Redwitzitvorkommen von

Marktredwitz/Ofr.

von Alfons BAIER


Im Raum um Marktredwitz tauchen inmitten von porphyrischen Graniten dunkle Gesteine auf, die bereits im 19. Jahrhundert das Interesse der Geologen weckten. Der Altmeister der bayerischen Geologie, Prof. Wilhelm Karl von GÜMBEL (1823 - 1898), welcher eine erste umfangreiche geognostische Beschreibung Bayerns erarbeitete, hatte diese Gesteinsmassen auf seiner geologischen Karte 1:100.000 dargestellt. GÜMBEL bezeichnete die Gesteine 1879 als "Syenitgranite", da sie sowohl die mineralogischen Merkmale von Graniten (Orthoklas und Quarz) als auch jene von Syeniten (Orthoklas und Hornblende) aufweisen. GÜMBEL betrachtete diese Gesteinskörper als ehemals intrusive Massengesteine.

Redwitzite um Marktredwitz/Ofr.

Die Namensgebung des Redwitzits hat etwas Originelles an sich: Die Erstbenennung des Gesteins erfolgte aus zutiefst eigennützigen Gründen, welche zeigen, daß auch in vergangener Zeit große Geister ihre kleinen menschlichen Schwächen hatten. Um die Jahrhundertwende lebte im Fichtelgebirge der Privatier Oskar GEBHARDT, welcher sich als Amateurgeologe und Sammler von Fichtelgebirgsmineralen einen beachtlichen Ruf erworben hatte. GEBHARDT war befreuntet mit E. WEINSCHENK, dem zur damaligen Zeit führenden Petrographen Bayerns. In der Mineral- und Gesteinssammlung von GEBHARDT befanden sich auch einige schöne Basalt-Belegstücke vom Reichswald, welche offenbar das Gefallen von WEINSCHENK gefunden hatten. So schrieb WEINSCHENK am 10. Januar 1916 eine Postkarte an GEBHARDT mit dem folgenden Text: "Sehr geehrter Herr Gebhardt! Ich schlage Ihnen ein Tauschgeschäft vor! Ich benenne ein sehr wichtiges und interessantes Gestein "Redwitzit" (nicht Wunsiedelit!) und bekomme dafür für meine Sammlung die schönen Stücke Basalt mit Olivinbomben von Brand. Freundlichste Grüße Ihr ergebener E. Weinschenk".

helle Redwitzitvarietät

Auch in den kommenden Jahrzehnten befassten sich mehrere Wissenschaftler mit dem ungewöhnlichen Gestein. WILLMANN (1920) war der erste, welcher die Gesteine genauer untersuchte und als Strukturvarietät granitischer Lamprophyre deutete. Später bearbeiteten WURM (1932), RICHTER & STETTNER (1979) sowie TROLL (1968) diese Gesteine, wobei sich diese Autoren vor allem mit der Entstehung der ehemals glutflüssigen Magmen beschäftigten.

WURM (1932) vertrat die Auffassung, daß bei der Redwitzitbildung ein älteres basisches Stamm-Magma, annähernd mit noritischer Zusammensetzung, mit einem jüngeren sauren Magma schlierig vermischt wurde; die Durchmischung hatte sich bereits in großer Tiefe vollzogen. Diese Magmen sind in ihrer wechselnden Zusammensetzung in die jeweilige Ortsstellung gelangt.

STETTNER (1979) beschreibt die Redwitzite der Saxothuringischen Zone als wahrscheinliche Mischprodukte von dioritisch-granodioritischen Schmelzen mit Metadiabasen präkambrischen bis paläozoischen Alters.

TROLL (1968) vertritt hingegen die Auffassung, daß es sich bei den Redwitziten um magmatisch differenzierte Gesteine handelt, d.h. es sind dies nur Mischgesteine verschiedener magmatischer Differentiate, nicht aber Vermischungen von Para- mit Orthomaterial. Die Differentiation hatte jedoch nicht nur in der Tiefe stattgefunden, sondern auch auf dem Weg der Magmen nach oben und/oder am Ort der Platznahme.

Petrographisch erweisen sich die Redwitzite als nichtgeschieferte, klein- bis mittelkörnige Gesteine mit oft schlierigen Gefügepartien; sie führen wechselnde Anteile von Biotit, Hornblende, Plagioklas (Oligoklas bis Andesin) und Kalifeldspat (Orthoklas, z.T. Mikroklin) sowie Quarz. Wegen der bereits auf kurze Distanz wechselnden Mineralzusammensetzung variieren die Gesteinsfarben von hell- über mittel- und dunkelgrau bis nahezu schwarz. Diese verschiedenen Redwitzitvarietäten erstrecken sich von granodioritischer bis zu gabbroider Zusammensetzung.

hellgrauer Redwitzit; Grafenstein dunkelgrauer Redwitzit; Wölsau

Die ursprünglichen Schmelzen des heutigen Redwitzits hatten wohl gabbroide Zusammensetzung, wobei vermutlich jedoch niveaubedingte Differentiationsvorgänge der Magmen vorausgegangen waren. Diese Magmen durchsetzten als diskordante Gänge und Stöcke die saxothuringischen Sedimente, wobei sie bisweilen Schollen dieser Gesteine in sich einschlossen oder völlig aufschmolzen. Durch diese (vermutete) Assimilierung änderte sich der Mineralbestand und Chemismus in Richtung auf Diorit und Quarzdiorit, wobei hier zunächst wenig Kalifeldspat entstand. Erst die später erfolgten granitischen Stoffzufuhren führten zu einer allmählichen Vermehrung der Kalifeldspäte und überführten die hiervon betroffenen Redwitzite schließlich in Richtung der Granodiorite. Hierdurch erscheint es verständlich, daß die Redwitzite von Vorkommen zu Vorkommen oder selbst innerhalb eines einzelnen Vorkommens beträchtliche Unterschiede zeigen.

Eröffnung Schautafel RedwitzitIm Gebiet um Marktredwitz treten die folgenden Redwitzit-Typen auf:

-- feinkörnige hellgraue Gesteine mit hohem Quarzanteil (Grafenstein bei Leutenberg);

-- mittelgraue Gesteine mit wenig Quarz (bei Röthenbach);

-- dunkelgraue Gesteine mit Quarzbutzen, die von Amphibolen und Titanerzen ummandelt sind (bei Lorenzreuth);

-- dunkelgraue, quarzarme Gesteine mit großen Biotiten und hohem Pyritgehalt (bei Wölsau);

-- schwarze, mittelkörnige Gesteine ohne Quarz (bei Haag).

Die Tatsache, daß die Redwitzite an der stratigraphischen Position erscheinen, an welcher vormals präkambrische bis kambrische Kalk- und Dolomitmarmore aufgetreten sein müßten, deutet auf eine Aufschmelzung der Kalke in die glutflüssigen Magmen. So enthält ehemals redwitzitisches Magma, welches vermutlich in Marmorschichten vordrang (gelegentlich enthält Redwitzit noch Einschlüsse von Kalksilikatbrocken), einen hohen Prozentsatz an Na-Ca-Feldspäten, während gabbroide Redwitzitbildungen auf die Mitaufschmelzung von präkambrischen bis paläozoischen Diabasen in der Tiefe des Fichtelgebirges zurückgeführt werden können.

Redwitzitaufschluß bei Marktredwitz/Ofr.

Die Redwitzite leiteten die postsudetische Intrusionsfolge innerhalb der Fichtelgebirgszone ein; später drang Porphyrgranit in die nunmehr erstarrten Redwitzitmassen ein und durchsetzte sie in Klüften und Spalten. Apophysen (gr. apophysis = Auswuchs, d.h. Gangabzweigung) von porphyrischen Granit in Redwitzitkomplexen sowie im Granit schwimmende Redwitzitschollen belegen eindeutig das höhere Alter des Redwitzits gegenüber dem Porphyrgranit; zwischen beiden Gesteinen zeigen sich teils schlierige, teils scharf abgegrenzte Kontakte. Diese oft kilometerlangen Kontaktgesteine von Redwitzit mit dem jüngeren porphyrischen Granit werden als Mischredwitzite bezeichnet.


Literatur:

MÜLLER, F. (1961): Wie es zur Bezeichnung Redwitzit kam.- Geol. Bl. NO-Bayern 11, 2: 115-116, Erlangen 1961.

RICHTER, P. & STETTNER, G. (1979): Geochemische und petrographische Untersuchungen der Fichtelgebirgsgranite.- Geologica Bavarica 78, 144 S., 70 Abb., 9 Beil., München 1979.

STETTNER, G. (1964): Erläuterungen Geol. Karte von Bayern 1:25000 Bl. Nr. 5837 Weißenstadt.- 194 S., 36 Abb., 1 Beil., München 1964.

TROLL, G. (1968): Gliederung der redwitzitischen Gesteine Bayerns nach Stoff- und Gefügemerkmalen - Teil I: Die Typlokalität von Marktredwitz in Oberfranken.- Bayer. Akad. Wiss., Math.-Nat. KI., Abh., N.F., 133, 86 S., 32 Abb., 21 Tab., 7 Taf., 2 Beil., München 1968.

WURM, A. (1932): Erläuterungen zur Geol. Karte von Bayern 1:25000 Bl. Wunsiedel Nr. 82.- 46 S., 11 Abb., 6 Taf., München 1932.


* Dr. A. Baier; Last update: Mittwoch, 04. September 2013 20:01

Zurück zur Page "Hart- und Werksteingewinnung"