GeoZentrum NordbayernPLATEOSAURUS ENGELHARDTI

- der erste in Deutschland gefundene Dinosaurier -

 


Im Jahre 1834 wurden in einer Tongrube nordöstlich von Nürnberg -- vermutlich in einem Steinbruch am "Buchenbühl" -- etwa 45 Einzelknochen einer bislang unbekannten "Riesenechse" gefunden. Hier in Franken gab die Erde somit ihren ersten der geheimnisvollen "Drachen des Erdmittelalters" frei. Diesen ersten Dinosaurier auf deutschem Boden fand der Nürnberger Arzt Prof. Dr. Johann Friedrich ENGELHART (in der einschlägigen Fachliteratur tauchen unterschiedliche Schreibweisen des Nachnamens auf -- diese scheint nach neuesten Untersuchungen die korrekte Namensnennung des Finders zu sein). Er präsentierte seinen Fund bei der XII. Versammlung Deutscher Naturforscher und naturforschender Ärzte, die vom 18. - 24. September 1834 in Stuttgart abgehalten wurde.

Plateosaurier im Urweltmuseum Bayreuth/Ofr.Die Entdeckung des ersten Dinosauriers auf deutschem Boden fiel noch in eine Zeit, in der man kaum etwas über diese Tiere der Urzeit wußte. ln Bayern regierte König Ludwig I und erst ein Jahr später (1835) wurde zwischen Nürnberg und Fürth die erste Eisenbahnstrecke Deutschlands in Betrieb genommen. Zwar waren schon etwa 10 Jahre zuvor in Südengland seltsame fossile Zähne und Knochen gefunden worden, die von ausgestorbenen gigantischen Reptilien stammen sollten, aber die Existenz der Dinosaurier war im Jahre 1834 noch nicht Allgemeingut. Selbst der Begriff "Dinosauria" war damals in der Wissenschaft noch nicht eingeführt (dieser wurde erst 7 Jahre später, im August 1841, von dem englischen Zoologen und Anatom Richard OWEN (1804-1892) geprägt). Einige Wissenschaftlern hegten aufgrund der in England geborgenen Funde die Vorstellung von riesigen ausgestorbenen Tieren, die einerseits viel mit heutigen Reptilien gemeinsam hatten, andererseits mit ihren säulenartigen Beinen an Elefanten und andere dickhäutige Säugetiere erinnerten.

Dr. ENGELHART sandte seine Knochenfunde an Hermann von MEYER zur Begutachtung. V. MEYER (1801-1869) war einer der bedeutendsten Paläontologen des 19. Jahrhunderts. Seine Erkenntnisse publizierte V. MEYER am 4. April 1837 in Form eines Briefes im "Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie":

"Herr Dr. Engelhardt in Nürnberg brachte zur Versammlung der Naturforscher in Stuttgart einige Knochen von einem Riesenthier aus einem Breccien-artigen Sandstein des oberen Keupers seiner Gegend. Derselbe hatte die Gefälligkeit, mir alle Knochen, welche aus diesem Gebilde herrühren, mitzutheilen. Ich habe sie bereits untersucht und die besten davon, welche in fast vollständigen Gliedmaßenknochen und in Wirbeln bestehen, abgebildet. Dieser Fund ist von großem Interesse. Die Knochen rühren von einem der massigsten Saurier her, welcher infolge der Schwere und Hohlheit seiner Gliedmaßenknochen dem Iguanodon und Megalosaurus verwandt ist und in die zweite Abtheilung meines Systems der Saurier gehören wird. Keiner seiner Verwandten war bisher so tief im Europäischen Kontinent und aus so einem alten Gebilde bekannt. Diese Reste gehören einem neuen Genus an, das ich Plateosaurus nenne; die Species ist Plateosaurus Engelhardti. Das Ausführliche darüber werde ich später bekannt machen." Plateosaurierherde

Hermann von MEYER bewies mit seiner Benennung der fränkischen Knochen aus der Triaszeit eine glückliche Hand: Weltweit gesehen war es der siebte Dinosaurier, der einen Namen bekommen hatte (darunter befanden sich allerdings zwei Gattungen, die nur auf Zahnfunden begründet waren und heute nicht mehr gültig sind, so daß Plateosaurus eigentlich der fünfte vergebene Dinosauriername war). V. MEYER´s Bezeichnung "Plateosaurus engelhardti" (= "Engelhardts flache Echse") blieb auch später erhalten, heute ist sie sogar für alle deutschen Plateosaurierfunde gültig. Darüber hinaus ist der bei Nürnberg zuerst gefundene Dinosaurier bis heute der berühmteste geblieben.

Plateosaurier im Urweltmuseum Bayreuth/Ofr.In Franken sind bis heute etwas mehr als ein Dutzend Stellen bekannt, an denen Überreste von Plateosaurus entdeckt wurden, so im Norden etwa in Altenstein bei Maroldsweisach und östlich von Kulmbach. Die meisten Plateosaurierknochen kamen in der Gegend östlich von Nürnberg zum Vorschein: Zu nennen sind hier die Orte Heroldsberg, Röthenbach/Peg., Altdorf und Lauf/Peg. Das Gebiet entlang der Pegnitz und südlich von ihr ist das klassische fränkische "Plateosaurierland"; erwähnenswert ist, daß beinahe alle Knochen, die nördlich der Pegnitz gefunden wurden, schwarz erscheinen, die südlich von ihr aufgetauchten aber bläulichgrau. Die Saurierreste treten -- inmitten des hellroten Feuerletten -- in einer Konglomeratbank auf, die 1897 von Max BLANKENHORN aus Erlangen die Bezeichnung "Plateosaurus-Konglomerat" erhielt. In diesem früher als "Zanclodonten-Mergel" benannten Gestein waren die Knochen des ersten Plateosaurus eingebettet, der 1834 bei Nürnberg entdeckt worden war. 1866 konnten beim Bau der Eisenbahnlinie Nürnberg-Bayreuth zwischen den Ortschaften Behringersdorf und Lauf wieder riesige Plateosaurus-Knochen aus einem angeschnittenen Hügel geborgen werden. Bis heute setzen sich die Plateosaurierfunde in Franken fort.

Zurück zur Home Page Dr. Alfons Baier

* Dr. A. Baier; last update: Montag, 23. Februar 2009 18:30