zahnärztliche Turbinenbohrer
In den Zahnarztpraxen wurden zum Entfernen von kariösem
Zahnschmelz ab etwa 1880 mechanische Bohrmaschinen eingeführt. Bei den ersten
Bohrgeräten wurden filigrane Bohrer über fußbetätigte Wippen (ähnlich wie bei einem
Spinnrad) oder sog. Doriot -Gestelle angetrieben.
Beim Doriot-Gestell wurde die Drehbewegung für den Bohrer
durch Schnurtransmissionen in Verbindung mit Umlenkrollen übertragen. Bei Fußantrieb war
die Drehzahl ständigen Schwankungen unterworfen, die zusätzlich die Aufmerksamkeit des
Zahnartzes beeinträchtigten und beim Patienten unangenehme Schmerzempfindungen
hervorriefen.
Eine (teuere) Alternative hierzu war der Antrieb durch
drehzahlregulierbare Elektromotoren, so bei Reiniger, Gebbert & Schall in Erlangen ab
1886, die in diesem Jahr die erste industriell gefertigte elektrische Zahnbohrmaschine
Europas fertigten.
Die Bohrerdrehzahl konnte bei elektrischem Antrieb mit
diesen Doriot-Übertragungen bis Ende der 1930er Jahre auf etwa 10.000 Upm gesteigert
werden. Dies bedeutete eine ungeheure Erleichterung für den Zahnarzt bei der Säuberung
von Hohlstellen (Kavitäten). Für den Patienten hingegen war das Problem der
Schmerzempfindung damit nicht beseitigt. Im angelsächsischen Raum wurden die Schmerzen
des Patienten durch Lokalanästhesie ausgeschaltet. In Europa - speziell in Deutschland
ging man einen anderen Weg beschritten. Ab einer bestimmten Vibrationsfrequenz des
Bohrers (Anzahl der Bohrerschneiden x Bohrerdrehzahl) kann der menschliche Körper die
mechanische Erschütterung und den damit verbundenen Schmerz nicht mehr wahrnehmen. Also
mußte die Drehzahl entsprechend auf über 50.000 Upm gesteigert werden. Mit den üblichen
Konstruktionen war dies nicht zu erreichen.
Somit wurde auf direkten Turbinenantriebe der Bohrer
übergegangen. Erste Versuche mit druckwasserangetriebenen Versuchsmustern befriedigten
nicht, u.a. wegen der zu starken Kreiselwirkung der Bohrhandstücke durch die
schnell-laufenden Turbinenräder.
Erst in den 1950er Jahren gelang es, betriebssichere und
zahnmedizinisch erfolgreiche Turbinenbohrer auf Basis von Luftturbinen zu konstruieren.
Zuerst noch auf hochpräzisen Miniaturkugellagern gelagert, werden heute luftgelagerte
Turbinenbohrer verwendet.
Da mit der Erhöhung der Drehzahl auch die
Wärmeentwicklung im Zahnschmelz bei der Präparation zunimmt, war die Entwicklung einer
hochwirksamen Spraykühlung in Verbindung mit der Drehzahlsteigerung erforderlich , um
Wärmeschäden am Zahnschmelz zu verhindern.

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* Dr. A. Baier; last update: Montag, 02. Dezember 2002 16:53