Die Kreidezeit

In der Unterkreide (-140 Mio. a) wurde Süddeutschland tektonisch gehoben. Das Gebiet wurde Festland und es kam im Bereich der Malmtafel unter feuchttropischen Klimaverhältnissen zur Ausbildung des typischen Kegelkarstes. Die Malmschichten wurde sehr stark verkarstet und abgetragen. Damals entstanden die Poljen sowie ausgedehnte, tief in den Untergrund hinabreichende Höhlensysteme. Die meisten Höhlen der Alb wurden damals bereits angelegt und auch die meisten Hohlraumsysteme, denen die heutigen Karstwässer folgen und die sowohl die Trockental- als auch die Dolinenbildung steuern, gehen auf diese erste Verkarstungsphase zurück. Die Auswirkungen der Verkarstung machten sich in Trockentälern, Karrenbildungen, Dolinen, Höhlen und letztlich auch in der extremen Wasserarmut auf der Albhochfläche bemerkbar.

Paläogeographie Unterkreide

Mit dem Beginn der Oberkreide setzten Meereseinbrüche aus dem Ostalpen - Karpathenraum nach Ostbayern ein. Der erste Meeresvorstoß im Untercenoman (-99 Mio. a) folgte wahrscheinlich einer nur schmalen Erosionsfurche längs der Pfahlzone und drang bis in die Gebiete der heutigen Mittleren und Nördlichen Oberfalz, vielleicht sogar bis nach Hollfeld vor. In diesen Sedimenten bildete sich unter anderem auch die "Sulzbach-Amberger Erzformation" (TILLMANN 1954).

Im Mittel-Cenoman (-96 Mio. a) erfolgte eine Zulieferung terrestrischen Materials aus Nordosten. Die Meeresverbreitung vom Ober-Cenoman bis Mittel-Turon (-95 bis -91 Mio. a) war gekennzeichnet durch eine im heutigen Donaugebiet weit nach Westen ausgreifende Ausbuchtung. Die Sedimente finden sich bis an den Ostrand des Rieses.

Im Ober-Turon (-90 Mio. a) fand eine Meeresregression statt. Erst in der Coniac- bis zur Campan-Zeit (-89 bis -71 Mio. a) erfolgten immer wieder erneute Vorstöße nach Norden. Aufgrund des häufigen Hin- und Herpendeln der Meeresküste zwischen der Donaulinie und der Oberpfalz gestaltet sich das heutige Inventar der Kreidesedimente als sehr abwechslungsreich: Marine, limnische, fluviatile und terrestrische Ablagerungen wechseln sich gegenseitig ab. Vom Santon ab (-85 Mio. a) begann allmählich, von Norden ausgehend, das Trockenfallen des Meeres.

Paläogeographie Oberkreide

Paläogeographisch stellt das ehemalige Verbreitungsgebiet der Kreide einen Randbereich des Tethysmeeres dar, dessen westliche und nördliche Küste etwa einer vom Ries bis Coburg verlaufenden Linie folgte. Das Unterkreide-Karstrelief wurde durch die Oberkreide-Sedimente vollständig verschüttet.

Mit dem Eintritt des Untercenoman-Meeres in die Täler des Juragebirges war auch der Karst-Grundwasserspiegel in der Malmtafel angestiegen. Hier kam es zum Abtransport der in den Höhlen lagernden, eisenreichen Verwitterungsmassen in die wassererfüllten Poljen, in die meeresüberfluteten Täler am östlichen Jurarand sowie in die Oberpfälzer Bucht (TILLMANN 1954). Erst nachdem sich am Ende der Oberkreide das Meer wieder vollständig zurückgezogen hatte, wurde das Gebiet entgültig Festland, und es begannen die Abtragungsprozesse, welche bis heute andauern.

Wirtschaftliche Bedeutung erlangten die Kreideablagerungen durch die Erzvorkommen von Auerbach/Opf. und von Sulzbach-Amberg sowie (bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts) durch die Gewinnung von Farberden.

Farberde; Gunzendorf bei Auerbach/Opf.

Die heute noch erhaltenen Kreidesedimente sind in Nordbayern zwischen dem Ries im Westen, dem Grundgebirge im Osten, dem Rand des Frankenjuras im Norden und der Donau im Süden verbreitet. Aufgrund der im Tertiär einsetzenden Abtragung liegen die Kreidesedimente heute jedoch als einzelne, isolierte Vorkommen der Karsthochfläche auf.


* Dr. A. Baier; last update: Dienstag, 24. Februar 2009 01:18