Das Quartär

Das Quartär stellt für Nordbayern die Zeitepoche dar, die am meisten zur Gestaltung dieser Landschaft beigetragen hat. Vor etwa 2 Mio. Jahren machte sich in den Polargebieten der Erde eine durchgreifende Temperatur-Abkühlung bemerkbar, welche zu einem zyklischen Klimagang führte. Durch den Klimaverschlechterung an der Wende Pliozän/Pleistozän starben die bislang vorherrschenden subtropischen Faunen und Floren aus. Neue, dem nun wesentlich kälteren Klima angepaßte Organismen wanderten nach Süddeutschland ein.

Die Oberpfalz lag in dieser Zeit zwischen den Alpengletschern im Süden und dem Nördlichen Inlandeis. Abgesehen von kleinen Firnflächen im Bayerischen Wald blieb Nordbayern jedoch stets gletscherfrei. Während der eigentlichen "Eiszeiten" erstreckten sich hier Tundren und Kältesteppen -- ähnlich dem heutigen Sibirien. Diese wurden während der gemäßigten Perioden durch lockere Wälder oder durch Busch-Wald abgelöst.

Die Nacheiszeit, das Holozän, entspricht im Grunde einer Zwischeneiszeit. In dem während Jahrtausenden allmählich wärmer werdenden Klima siedelten sich im heutigen Nordbayern erst Flechten und Moose, später Büsche und Bäume an. Damit war auch die Möglichkeit zur Besiedelung durch die Menschen gegeben.

Im Sulzbach-Amberger Raum sind steinzeitliche Funde aus den Höhlen bei Illschwang und aus der Haselberghöhle sowie der Schloßberghöhle bei Rosenberg bekannt. Bronzezeitliche Funde wurden beispielsweise in Grabhügeln bei Kleinraigering nordöstlich Amberg und in Oberammerthal, weiterhin in Gräbern nordwestlich Aichazandt, nördlich Breitenbrunn sowie bei Peilstein beobachtet (STROH 1975).

Im 16. vorchristlichen Jahrhundert, im so genannten Subboreal, führten die meisten Trockentäler der Albhochfläche noch Wasser. Die heutigen Flußtäler waren damals überwiegend versumpft und zur Dauerbesiedlung nicht geeignet. Die relativ gute Wasserversorgung der Albhochfläche war einer der Hauptgründe für ihre damalige dichte Besiedlung; so befinden sich beispielsweise die Überreste der Siedlungen aus der Hügelgräberbronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) häufig oberhalb der ehemaligen Quelltöpfe in den heutigen Trockentälern.

Von der frühen Hallstattzeit (ca. 750 v. Chr.) ab besiedelten die Kelten Süddeutschland. Vorgeschichtliche Befestigungen wurden bevorzugt auf beherrschenden Höhen über weitem, flachem Land oder über größeren Wasserläufen bzw. längeren Talzügen gebaut. Hierzu eigneten sich vor allem die schroff aufragenden Riffdolomitbastionen der Albhochfläche wie die "Hainsburg" südöstlich Illschwang. Auch auf der Kuppe des Frohnberges südwestlich Hahnbach befindet sich ein wohl vorgeschichtlicher Ringwall (STROH 1975).

Viele Karsthöhlen dienten von der Jungsteinzeit über die Bronze- bis zur Eisenzeit den Menschen als Begräbnis- und auch als Opferstätten: Pittoreske Schachthöhlen wie das Windloch nordöstlich Neukirchen oder das Osterloch in der Hainsburg südöstlich Illschwang wurden von den vorgeschichtlichen Menschen wohl als Kult- und Opferplätze genutzt: Im Osterloch förderten archäologische Grabungen u.a. umfangreiches Fundmaterial der Urnenfelder-, Hallstatt- und Latenezeit zutage (STROH 1975). Problematisch erscheinen die im Windloch und im Osterloch wie in vielen anderen Karsthöhlen der Frankenalb gefundenen tierischen und menschlichen Schädel- und Skelettreste; sie scheinen darauf hinzudeuten, daß v.a. die Kelten anscheinend auch (rituellen?) Kannibalismus betrieben.

Die bewaldete Albhochfläche wurde wohl bereits vom frühen Mittelalter an durch Eingriffe von Menschenhand zur heutigen Karstlandschaft: Die Wälder wurden -- v.a. zur Erzverhüttung -- großenteils abgeholzt und die Flußtäler künstlich entwässert, so daß auch in den Tälern Siedlungen entstehen konnten. Mit dieser zunehmenden, teils natürlichen, teils künstlichen Entwässerung sank jedoch auch der Grundwasserspiegel im Juragebirge stark ab. Die Folge war, daß die Albhochfläche durch Menscheneinwirkung immer mehr verkarstete und die Quellen in den höhergelegenen Talsystemen versiegten, diese Täler also zu Trockentälern wurden. Die Lebensverhältnisse auf der Albhochfläche wurden so -- durch den stets größer werdenden Wassermangel -- immer ungünstiger, während in den tiefgelegenen Flußtälern durch die Entwässerung der vermoorten Böden stets mehr fruchtbares Land gewonnen wurde.

Franzosenloch östlich Neukirchen/Opf. Franzosenloch östlich Neukirchen/Opf.
Franzosenloch östlich Neukirchen/Opf. Franzosenloch östlich Neukirchen/Opf.

Die intensiven Verkarstungserscheinungen in den Kalken, Mergeln und Dolomiten der Weißjuraschichten bedingten und bedingen noch heute eine extreme Wasserarmut auf der Alb, unter der die Bevölkerung auf der gesamten Albhochfläche jahrhundertelang zu leiden hatte. Da allerdings jedes Karbonatgestein auch unlösliche Bestandteile enthält, die bei der Lösung als Rückstände übrigbleiben, werden diese an der Karstoberfläche allmählich akkumuliert und bilden dann meist eine lehmige Decke.

Diese Lehmsedimente wurden im Tertiär und vor allem im Quartär in Senken zusammengespült und ermöglichten -- aufgrund ihrer wasserundurchlässigen Eigenschaften -- die Bildung kleiner Oberflächenwasser-Ansammlungen ("Hüllen") auf der Albhochfläche, welche der Bevölkerung jahrhundertelang als minimale und hygienisch äußerst bedenkliche Trinkwasserversorgung dienten.


* Dr. A. Baier; last update: Dienstag, 24. Februar 2009 01:22