Chemismus und Petrographie der Erze

Geologische Schichtenfolge im Raum Sulzbach/Rosenberg-AmbergDie Eisenerze der Amberg-Sulzbacher Erzformation werden als lokal auftretende Fazies der frühcenomanen "Amberger Eisenerz-Formation" zugeordnet. Unter diesem Begriff fasste bereits der Altmeister der bayerischen Geowissenschaften, K.W. v. GÜMBEL im Jahre 1894 die überwiegend fossilarme Sedimentabfolge aus Sanden, Letten, Ockertonen, Hornsteinlagen und lokal auftretenden Brauneisen- sowie Weißeisen-Erzlagen zusammen, welche als älteste Oberkreideablagerungen die in der Unterkreidezeit verkarstete Malmoberfläche des Nördlichen und Östlichen Frankenjura bedecken. Sie lagern also dem sehr stark verkarsteten, tiefen und stellenweise bis in die Doggerschichten hinabreichenden Paläorelief auf (GUDDEN 1975).

Die chemische und petrographische Zusammensetzung der Amberg-Sulzbacher Erzkörper und ihre verschiedenen Lagerungsformen, welche hauptsächlich mit den großen Störungszonen dieses Gebiets verknüpft sind, erbrachten oft widersprüchlich erscheinende Befunde, die bis in jüngste Vergangenheit Anlaß zu mannigfaltigen Deutungs- und Interpretationsversuchen der Erz- und Lagerstättenentstehung gaben. So bemühten sich bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts zahlreiche Geowissenschaftler und bergbaulich Interessierte um die Lösung dieser Problematika. Diese (oft durch unterschiedliche Ansichten bedingten) Darstellungsversuche fanden ihren Niederschlag in einer großen, bis in jüngste Zeit weiter zunehmenden Anzahl von Veröffentlichungen. Bei diesen Forschungsbestrebungen hat sich jedoch gezeigt, daß der Sachverhalt außerordentlich komplex ist. Die Komplexität beruht i.w. darauf, daß dieses Fachgebiet von Vertretern durchaus unterschiedlicher Fachrichtungen bearbeitet worden ist, wobei Basiswissen, Fragestellung und Methoden so unterschiedlich waren und sind, daß infolge verschiedener Deutungen, Meinungen, Ansichten und Schlußfolgerungen die wissenschaftliche Überschau bisweilen verloren ging.

Die oberkreidezeitlichen Schichten beginnen im Liegenden mit der untercenomanen Erzformation, die in den Haupt-Erztrögen in -- stark schwankenden -- Mächtigkeiten von 0,1 m bis über 60 m erhalten geblieben ist. Unterlagert wird die Eisenerzformation bisweilen durch geringmächtige Residuallehme ("Kalkletten") oder durch aufgearbeitete Bodenbildungen, welche den liegenden Juraschichten direkt aufliegen. Diese dünnen Sedimentreste sind hier die einzigen Materialbelege der Unterkreidezeit, die sich ansonsten lediglich durch Schichtlücken, Erosionsdiskordanzen und durch die intensiven Verkarstungserscheinungen in der Malmtafel belegen läßt (TILLMANN 1954).

Die Erzformation selbst erweist sich in ihrer petrographischen Zusammensetzung sowohl in horizontaler als auch vertikaler Erstreckung als sehr heterogen. Neben den Eisenerzen wird sie aus Tonen und feinkörnigen Sanden, Malmkalk- und Malmdolomit-Bruchstücken sowie aus Hornsteingeröll-Lagen aufgebaut.

Die Eisenerze liegen als flachlinsige, kissen- bis stockartige Gebilde unterschiedlicher Dimensionen vor. Im Trog von Sulzbach/Rosenberg-Amberg bestehen sie nahezu ausschließlich aus Brauneisenerz (Goethit), während im Nordwesten gelegenen Auerbach/Opf. ein großer Teil des Erzes auch als Weißeisenerz (Siderit, FeCO3) vorliegt.

Weißeisenerz; Auerbach/Opf. Weißeisenerz mit Pyrit; Auerbach/Opf. Brauneisenerz; Auerbach/Opf. ockeriges Brauneisenerz; Auerbach/Opf.

Beide Erze kommen in wechselnder Zusammensetzung und Reinheit vor. So unterschieden die Oberpfälzer Bergleute das feste und harte "Derb-" bzw. "Schußerz" vom splittrig zerfallenden "Rieselerz"; hierzu kamen noch verschiedene tonige Weißerze sowie diverse Ockererz-Varietäten, welche bis in jüngste Vergangenheit unter den Handelbezeichnungen "Satinober", "Goldocker" und "Umbra" in den Handel gelangten (GUDDEN 1975).

Eisenocker; Neunkirchen. Satinocker; Neunkirchen. Goldocker; Neunkirchen. Sienaocker; Königstein.

Während der Bergbautätigkeiten wurden die aufgefahrenen Eisenerze erst bei Abbauwürdigkeit als "Erzkörper" bezeichnet. In den Tiefen des Gebirges bestehen nämlich in allen drei Dimensionen fließende Übergänge von den Erzkörpern in die "verarmte", "arme" und "taube" Erzformation. So gehen an den Rändern der Erzkörper die Eisenerze (soweit sie nicht direkt an das Malmgestein der Tröge stoßen oder durch tektonische Trennflächen scharf abgeschnitten sind) allmählich in Ockertone, manganreiche Letten und eisenhaltige bis nahezu eisenfreie, helle Sande über (GUDDEN 1975).


* Dr. A. Baier; last update: Dienstag, 24. Februar 2009 01:29