GeoZentrum NordbayernVon Wasseradern und

Wünschelrutengängern

von Alfons Baier & Volker Leiste


Wasser ist ein Lebensaft für Mensch, Tier und Pflanze. Ohne Wasser wäre kein Leben auf dem Planeten Erde möglich. Umso wichtiger ist die ausreichende Verfügbarkeit von Wasser.

Die Verfahren zur Suche nach Wasserquellen sind verschieden. Die einen schwören auf die Erfolge von Wünschelrutengängern, die anderen vertrauen lieber auf die Kenntnisse und Methoden der Hydrogeologie. Was ist dran an der Wassersuche mit Wünschelruten -- geheimnisvolle Fähigkeiten oder Scharlatanerie? Stößt man nicht in Mitteleuropa fast immer auf Grundwasser, wenn man nur tief genug einen Brunnen bohrt -- weshalb die Angabe von "Wasseradern" ad absurdum geführt wird?

Die weit verbreitete Vorstellung von Wasseradern, die unter der Erde in kanalartigen Gebilden Wasser führen, stimmt mit geologischen Erkenntnissen nicht überein. Wasser ist fast überall flächig -- und nicht etwa in "Adern" -- als Grundwasser anzutreffen und bewegt sich im Gesteinskörper meist nur langsam.

Einen generalisierten Überblick über die grundsätzliche Ergiebigkeit von Grundwasserbohrungen kann der hydrogeologischen Hydrologische Karte der alten BundesrepublikÜbersichtskarte der Bundesrepublik Deutschland entnommen werden. Als Faustregel gilt: Je klüftiger das Gestein einer wasserundurchlässigen Schicht ist, desto größer ist die Chance, hier einen ergiebigen Brunnen erbohren zu können, da durch die Gesteinsklüfte wieder genug Grundwasser zur Bohrstelle nachströmen kann, wenn aus ihr Grundwasser entnommen wird. Entsprechend gute Chancen auf ergiebige Brunnen bestehen daher grundsätzlich in Gebieten mit Sanden und Kiesen im Untergrund (vor allem in Talauen!) sowie in klüftigen Kalksteinen, Dolomiten, Basalten und Sandsteinen.

SchilfrohrZudem geben Pflanzenwuchs und weitere Geländemerkmale Informationen über die Geologie des Untergrundes und damit auch über die Verteilung des Grundwassers, die von den Wünschelrutengängern natürlich ebenfalls registriert werden. In Verbindung mit den Resultaten früherer Brunnenbohrungen -- die oft als Familienwissen von einer Generation an die nächste weitergegeben werden -- ist es daher nicht erstaunlich, daß Wünschelrutengänger in ihnen vertrauten Gebieten tatsächlich immer wieder gute Bohrlöcher für Brunnen finden. Allerdings prüfen sie niemals durch eine Kontrollbohrung einige Meter neben den von ihnen angegebenen Punkten nach, ob eine Brunnenbohrung dort nicht genauso erfolgreich gewesen wäre. Außerdem neigen viele Wünschelrutengänger dazu, die Mißerfolge -- die es auch gibt -- schnell wieder zu vergessen. Wünschelrutengänger

Hierzu gibt es ein Beispiel: in Nenzingen (Gesamtwasserversorgung Orsingen-Nenzingen) hatten Anfang 1997 zwei Wünschelrutengänger aus Stockach bzw. Ueberlingen im Auftrag der Gemeinde zwei Bohrstandorte für ergiebige Trinkwasserbrunnen angegeben. Beide Wünschelrutengänger hatten unabhängig voneinander nahezu die gleichen Standorte für die Brunnenbohrung ausgewiesen. An dem ersten Standort stieß man zwar in 25 Metern Tiefe auf Grundwasser - jedoch mit der völlig unzureichenden Ergiebigkeit von nur 1 bis 2 Litern pro Sekunde. An dem zweiten Bohrstandort, den die Wünschelruten angegeben hatten, wurde bei einer Bohrteufe von 80 Metern die Bohrung abgebrochen, da kein Wasser gefunden wurde. Ein von der Gemeinde hinzugezogener dritter Rutengänger gab dann an, daß die Gemeinde 10 Meter von der fehlgeschlagenen Bohrung in 74 Metern Tiefe auf eine ergiebige "Wasserader" hätte treffen müssen -- der Nachweis für diese Angabe wurde jedoch nicht erbracht. Das Geologische Landesamt in Freiburg hatte der Gemeinde jedoch einen völlig anderen Standort für die Brunnenbohrung empfohlen; den Gemeinderäten waren jedoch die damit verbundenen Kosten für die voraussichtliche Bohrtiefe von 170 Metern und die notwendige Wasserleitung von einigen Kilometern zu hoch.

Ebenso wurde 1990 in Kassel ein großangelegter Wünschelrutentest durchgeführt, an dem 20 Wünschelrutengänger teilnahmen. Jeder der Teilnehmer erhielt vor den Versuchen ausführliches Informationsmaterial und konnte sich vor Ort ein Bild vom technischen Aufbau und den äußeren Bedingungen des Testgeländes machen, um eventuell vorhandene natürliche Störquellen vor Beginn der Experimente (in künstlichen Leitungen fließendes Wasser) zu lokalisieren. In offenen Vorversuchen, d.h. bei bekannten Einstellungen der Testanordnung (mehrere Wasserleitungen), bestand für jeden Wünschelrutengänger die Gelegenheit, sich auf die vermeintlichen, künstlich erzeugten Reize zu adaptieren. Dennoch erreichte keiner der 20 Rutengänger eine signifikante Trefferquote, die über einer stochastischen Zufallsverteilung lag.

Der beobachtete Wünschelrutenausschlag selbst ist kein Geheimnis. Hierfür ist der seit gut 100 Jahren bekannte Carpenter-Effekt verantwortlich, der auch als ideomotorische Bewegung bezeichnet wird. Durch die unausgesprochene Wunschvorstellung des Rutengängers werden in der Muskulatur Tonusveränderungen ausgelöst, die unwillentlich zum ansatzweisen Mitvollzug der Bewegung führen - als Folge hiervon schlägt die Wünschelrute aus.

Bereits der "Vater der modernen Montanwissenschaften", Georg AGRICOLA (1494-1555) diskutiert in seinen (1556 posthum in Basel erschienenen) "Zwölf Büchern vom Berg- und Hüttenwesen" sehr anschaulich das Wesen des Wünschelrutengehens, hier allerdings hauptsächlich im Bezug auf das Auffinden von Erz- und Minerallagerstätten.

Fazit : Wenn Sie nach Studium der hydrogeologischen Karten feststellen, sich in einer grundsätzlich günstigen Gegend zu befinden und zusätzlich Talgründe mit feuchtigkeitsanzeigenden Pflanzen vorliegen, dann müßten Sie schon sehr viel Pech haben, bei einer ausreichend tiefen Bohrung nicht auf Grundwasser zu stoßen......

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* Dr. A. Baier; last update: Dienstag, 15. September 2015 13:28